Gmundner Keramik kann sogar angezogen werden! Das wollte Chen-Hsiang Kao beweisen, als er mit einer „Rüstung“ aus grün geflammtem Geschirr durch Gmunden spazierte. Die Dokumentation dieser Aktion ist Teil der Ausstellung „Made in Gmunden“ in der Keramikmanufaktur: eine Schau voller prägnanter Aussagen zur Gegenwart.
„Ich schleppte 30 Kilo“, sagt Chen-Hsiang Kao über seinen Spaziergang in einer „Ritterrüstung“ aus dem typischen, grün geflammten Geschirr. Der junge Künstler aus Taiwan wanderte damit durch Gmunden und wollte „Schutz und Stärke an der Grenze zur Zerbrechlichkeit“ – wie er sagt – austesten. Und er zog sich eine regionale Identität wie einen Panzer über.
Wie zerbrechlich ist denn regionale Identität?
Mit dieser Performance wollte er auch den Bogen zur fragilen politischen Lage Taiwans spannen. Jetzt liegt die Rüstung wie ein Scherbenhaufen da – eine nachdenklich machende Installation in der Ausstellung „Made in Gmunden“, die ab heute in der Manufaktur von Gmundner Keramik zu sehen ist.
Glühbirnen und Handyuser
Politische Statements – subtil, aber prägnant formuliert – sind in der sehenswerten Schau gebündelt zu entdecken. Mit übergroßen Glühbirnen aus Keramik macht die ukrainische Künstlerin Maryna Talutto auf die ständigen Stromabschaltungen in ihrer Heimat aufmerksam.
Charlotte Wiesmann reiste selbst nach Taiwan und forschte über Schildkrötenpanzer als Orakel- und Schriftmedium früherer Kulturen. Helena Sekot aus Deutschland beschäftigte sich mit Moorlandschaften und Keramik, während Rosmarie Lukasser lebensgroße Figuren in den Raum setzte.
Eingefroren in einem Stadium zwischen Körper und Skelett haben die Figuren LED-Lampen integriert. Sie imitieren in ihrer Haltung – und in den Lichtzonen, die im Gesicht und am Körper entstehen – zwei Handyuser, die mit ihren digitalen Geräten verschmolzen sind. Die Installation passt wunderbar zur aktuellen Handy- und Social-Media-Debatte.
Insgesamt ist der OÖ LKG in der Gmundner Keramik eine kleine, aber internationale und hochkarätige Kunstschau gelungen, die bis zum 13. Juni zu sehen ist.