Reaktion auf Skandal

Linzer KUK hat nun doch Gewaltambulanz bekommen

Oberösterreich
24.02.2026 18:00

Nach dem Skandal um eine vergewaltigte Obdachlose im Vorjahr, die ohne Untersuchung weggeschickt worden war, reagierte die Politik. Die neue Gewaltambulanz im KUK soll eine zentrale Anlaufstelle werden.

Die Aufregung war riesig und berechtigt: „Vergewaltigt! Spital schickt Opfer einfach weg“ unter diesem Titel berichtete die „Krone“ am 14. April 2025 über einen schockierenden Vorfall. Eine 45-jährige Obdachlose, die brutal vergewaltigt worden sein soll, wurde trotz der Begleitung durch zwei Sozialbetreuerinnen von der gynäkologischen Ambulanz des Linzer Kepler Uniklinikums (KUK) weggeschickt, weil das Spital an diesem Tag nicht Aufnahme hatte. Nachdem SPÖ und Grüne Druck gemacht hatten, gab die Gesundheitsreferentin, LH-Vize Christine Haberlander (ÖVP), den Auftrag, dass am KUK eine Gewaltambulanz eingerichtet wird. Einen entsprechenden Antrag hatte sie noch im März 2025 abgelehnt.

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Unser Ziel ist es, Betroffenen rasch und niederschwellig Hilfe anzubieten, unabhängig davon, ob eine Anzeige erfolgt.

Monika Kern, Leiterin der Klinischen Sozialarbeit im KUK

Langfristig ist ein Zentrum geplant
Am 14. Jänner war es dann so weit: Im KUK wurde die Gewaltambulanz gestartet. Sie ist als zentrale Anlaufstelle auch für die anderen Krankenhäuser konzipiert, soll langfristig zu einem Zentrum für die klinisch-forensische Versorgung ausgebaut werden. Derzeit ist die neue Einrichtung in der Unfallambulanz untergebracht. Eine speziell ausgebildete „Forensic Nurse“ steht vorerst an zwei, ab März an vier Tagen zur Verfügung. Sie unterstützt Betroffene, arbeitet mit einem Gerichtsmediziner bei der Spurensicherung zusammen und sensibilisiert das Personal im Umgang mit Gewaltopfern. „Unser Ziel ist es, Betroffenen rasch und niederschwellig Hilfe anzubieten, unabhängig davon, ob eine Anzeige erfolgt“, sagt Monika Kern, Leiterin der Klinischen Sozialarbeit im KUK.

3500 Fälle seit dem Jahr 2008
Seit 2008 gibt es dort eine Gewaltopferbetreuung. Lange waren es „nur“ 200 Fälle im Jahr, im Vorjahr hingegen 570. „Das liegt daran, dass wir im Laufe der Zeit bekannter geworden sind“, sagt Kern: „Wir haben 71 Leute, die über das ganze KUK verteilt sind – in der Medizin, der Pflege, der Sozialarbeit und in der Psychologie. Die meisten Opfer sind Frauen, auch der Anteil an Männern ist aber nicht gering, etwa in homosexuellen Beziehungen.“

Opfer war panisch
„Mein erster Fall war 2008“, schildert Kern. „Eine Frau war vor ihrer Wohnung vergewaltigt worden. Sie hatte ihr Auto abgestellt, war dann durch den Grüngürtel nachhause gegangen. Als sie das Tor aufsperren wollte, wurde sie von hinten gepackt, weggezerrt und vergewaltigt. Sie hatte panische Angst davor, zurück in ihre Wohnung zu gehen. Damals hab‘ ich gesehen, wie wichtig eine umfassende Begleitung ist.“ Derzeit gibt es in Wien, Graz, Innsbruck und nun Linz Gewaltambulanzen.

„Krone“-Kommentar
Ein wichtiger und richtiger Schritt

Als junger Gerichtsreporter war ich bei einem schlimmen Fall häuslicher Gewalt. Der Täter hatte seine Partnerin mit einem Kabel fast zu Tode gewürgt. Doch beim Prozess behauptete das Opfer, es hätte seinen neuen Seidenschal zu eng zusammengeschnürt.

(Bild: Krone KREATIV, Alexander Schwarzl, Markus Wenzel)

Das blaue Auge sei auch ihr Fehler, sagte die Frau. Ihr sei die Lifttüre aus der Hand gerutscht. Der Angeklagte saß breitbeinig da und grinste. Er wusste, dass die Justiz dank der Lügen gegen ihn keine Handhabe hatte.

Das ist lange her. Aber häusliche Gewalt gibt es immer noch. Und es ist wichtig, dass die Opfer so viel Unterstützung wie nur möglich bekommen.

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