Sie zünden alles an!
Videos zeigen Ausmaß des Drogenterrors in Mexiko
Ein Inferno der Gewalt hat den WM-Mitveranstalter Mexiko erschüttert. In zahlreichen Städten – darunter beliebte Touristenziele – kommt es nach der Tötung des Kartellbosses „El Mencho“ durch das Militär zu schweren Ausschreitungen. Die Behörden warnen jetzt vor neuen Angriffen, während Videos das Ausmaß des Terrors dokumentieren.
Präsidentin Claudia Sheinbaum rief die Bevölkerung in einer ersten Stellungnahme auf, nicht in eine Massenpanik zu verfallen. „Wir müssen informiert bleiben und Ruhe bewahren“, schrieb sie auf der Plattform X. Die „mexikanischen Armee, die Nationalgarde, die Streitkräften und das Sicherheitskabinett“ würden sich „jeden Tag für Frieden, Sicherheit, Gerechtigkeit und Wohlergehen“ einsetzen.
Weitere Gewalt in Urlaubsorten befürchtet
Alle Kräfte seien auch am Montag in Alarmbereitschaft. Bandenmitglieder setzten in mehreren Bundesstaaten Autos, Banken, Tankstellen und Geschäfte in Brand. Kartellchef Nemesio Oseguera Cervantes, bekannt als „El Mencho“, erlag am Sonntag nach einem Militäreinsatz zu seiner Festnahme im westlichen Bundesstaat Jalisco seinen Verletzungen. Der 59-Jährige war der Anführer des extrem gewalttätigen Drogenkartells Jalisco Nueva Generación (CJNG; auf Deutsch „Jalisco Neue Generation“).
Die Botschaft der USA sowie die diplomatischen Vertretungen anderer Länder forderten ihre Bürger in Mexiko zu erhöhter Wachsamkeit auf. Nachdem bereits der Urlauberort Puerto Vallarta in Flammen aufgegangen war, haben die Behörden vor weiteren Gewalttaten in den beliebten karibischen Urlaubszielen Cancún, Cozumel und Tulum gewarnt.
Österreicher vor Ort sollen sich bei Botschaft melden
Auch das österreichische Außenministerium reagierte auf die Ereignisse. Der zuständigen österreichischen Botschaft in Mexiko sind aktuell zwei Fälle betroffener österreichischer Reisender bekannt heißt es gegenüber der „Krone“. Sie waren aufgrund pausierter Bus- bzw. Flugverbindungen gestrandet. Die Botschaft steht mit ihnen in Kontakt.
Österreichischen Staatsbürgerinnen und Staatsbürgern wird zudem empfohlen, den Anweisungen der zuständigen staatlichen und föderalen Behörden Folge zu leisten und einstweilen in der Unterkunft zu verbleiben, bis sich die Lage beruhigt hat.
Außerhalb der Dienstzeiten kann in Notfällen der Bereitschaftsdienst der österreichischen Botschaft in Mexiko unter +52 55 9199 4579 kontaktiert werden. Während der Dienstzeiten ist die Botschaft unter +52 55 5251 0806 erreichbar. Das Außenministerium in Wien ist rund um die Uhr unter +43 1 90115 4411 erreichbar.
Zahlreiche Barrikaden, Lage derzeit sehr unsicher
Der Weg zur Uni oder zur Schule ist aktuell nicht sicher. Wegen zahlreicher Barrikaden- und Autobrände bleiben die Hörsäle und Klassenzimmer vielerorts leer. Nach Angaben des mexikanischen Sicherheitskabinetts stellte die Polizei bislang 252 von Drogenkartellen errichtete Straßensperren auf Autobahnen in 20 Bundesstaaten fest.
Einige nordamerikanische Fluggesellschaften sagten derweil Flüge in mehrere mexikanische Städte ab. Airlines wie United, Southwest und Air Canada teilten mit, die Städte Puerto Vallarta, Guadalajara oder Manzanillo würden vorerst nicht mehr angeflogen.
Kartellmitglieder überfallen eine Tankstelle und legen einen Brand:
Einige Flugzeuge, die bereits auf dem Weg nach Mexiko gewesen seien, hätten auf halber Strecke umgekehrt. Mehrere Fußballspiele wurden angesichts der Gewalt abgesagt.
Die Wut der Bandenmitglieder richtete sich vor allem auf die zivile Infrastruktur. Insbesondere wurden Supermärkte und Tankstellen gezielt in Visier genommen und niedergebrannt. Wie lange der Terror im Zuge der Tötung von „El Mencho“ – so kurz vor der Fußball-WM – im Land anhält, kann nicht abgeschätzt werden.
„In der kriminellen Unterwelt werden solche Aktionen nicht einfach ignoriert. Die Reaktion darauf sehen wir jetzt: Drogenterrorismus, Blockaden und Brandstiftungen in Supermärkten in ganz Mexiko“, erklärte Sicherheitsexperte David Saucedo dem Sender CNN.
Saucedo warnte, dass ein „totaler Krieg gegen den mexikanischen Staat“ weiterhin ein mögliches Szenario bleibt. Er gehe davon aus, dass die derzeitige Gewalt darauf abziele, die Wirtschaftstätigkeit lahmzulegen und der Regierung national und international Imageverluste zuzufügen.
Nicht einmal nach der Festnahme des berüchtigten Drogenbosses Joaquín „El Chapo“ Guzmán, des Anführers des Sinaloa-Kartells, im Jahr 2016 war es in Mexiko zu ähnlichen Gewaltvorfällen gekommen. „El Chapo“ verbüßt derzeit eine lebenslange Haftstrafe in den USA.
USA waren in Operation involviert
Die US-Regierung hat das Drogenkartell von „El Mencho“ als ausländische Terrororganisation eingestuft und hatte eine Belohnung von 15 Millionen US-Dollar (rund 12,7 Mio. Euro) für dessen Ergreifung ausgesetzt. Der Ex-Polizist führte das von ihm gegründete CJNG seit 2011.
Die Organisation gilt in Mexiko als besonders brutal und militärisch ausgerüstet. Die US-Behörden hatten laut dem mexikanischen Verteidigungsministerium im Rahmen der bilateralen Zusammenarbeit mit Informationen zu dem Einsatz gegen „El Mencho“ am Sonntag beigetragen, wie das Weiße Haus mittlerweile bestätigte.
„Präsident Trump hat sich ganz klar ausgedrückt: Die Vereinigten Staaten werden dafür sorgen, dass Drogenterroristen, die tödliche Drogen in unser Land schmuggeln, sich dem Zorn der Justiz stellen müssen, den sie schon lange verdienen“, teilte seine Sprecherin Karoline Leavitt am Montag mit.













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