„Keine Frage!“

Würden Sie für sich ein Handyverbot akzeptieren?

Vorarlberg
20.02.2026 08:00

Der Kabarettist, Autor und Menschenkenner Stefan Vögel beantwortet Fragen, die sich andere erst gar nicht zu stellen wagen. Diesmal stellt er uns die Frage, ob wir ein Handyverbot akzeptieren würden.

Ich bin Vater von Teenagern und kenne das leidige Thema daher zur Genüge: Die Kinder hängen nicht nur jeden Tag stundenlang am Handy, sondern sie schauen parallel dazu auch noch fern, frisieren sich dabei gleichzeitig die Haare und essen Kartoffelchips mit mehreren Dips. Eigentlich müsste man unsere Jugendlichen für diese Spitzenleistung im Multitasking ja mit Spezialnoten in einem Fach namens „Freistil Medien“ auszeichnen. Stattdessen will man ihnen jetzt die Handys oder zumindest gewisse Apps darauf verbieten – und zwar ausgerechnet jene, die ihnen am allermeisten Spaß machen.

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Ohne Handy wäre alles besser – aber bitte nur bei den Kindern!

Stefan Vögel

Mir ist die süchtig machende Wirkung von gewissen Handy-Programmen durchaus bewusst, schließlich bin ich ja selbst nicht davor gefeit. Als alter weißer Mann zähle ich wie so viele zu den Facebook-Junkies (eine veraltete Form von Social Media, die in der Gedankenwelt meiner Kinder mit antiken Steintafeln zu vergleichen ist). Ich wäre daher genau so sauer und auf Entzug, wenn man mir meinen Facebook-Account zwangsweise schließen würde, so wie es auch schon meine Großeltern im Zweiten Weltkrieg gewesen wären, wenn man ihnen den Volksempfänger konfisziert hätte oder Martin Luther den Buchdruck.

Schauspieler, Kabarettist und Autor Stefan Vögel.
Schauspieler, Kabarettist und Autor Stefan Vögel.(Bild: mathis.studio)

Natürlich kenne ich Ihr Argument: Das Gehirn von Jugendlichen ist noch geistig weich und formbar – zum Guten wie zum Schlechten -, während bei uns Alten neurologisch ohnehin schon alles für die Katz ist, weshalb man unseren Schädel mit Unsinn aller Art befeuern darf. Dem steht die Erkenntnis und oft geäußerte Maxime gegenüber, dass der Mensch auch im Alter noch lernfähig sei. Was spräche also dagegen, auch uns Erwachsenen die Handys wegzunehmen, wenn wir es schon bei den Jungen planen, die sich juristisch nicht einmal dagegen wehren könnten?

Ja, vielleicht müsste man das Social-Media-Verbot bei Erwachsenen sogar priorisieren, weil sie damit weitaus mehr Unheil anrichten wie Unmündige. Denken Sie doch nur an den amerikanischen Präsidenten! Er setzt seine unfassbaren und für die gesamte Menschheit schädlichen Tweets zu jeder Tages- und Nachtzeit ab, ohne dass ihn Melania davon abhält oder mit Hausarrest bestraft. Ausgerechnet unseren Jugendlichen aber wollen wir das Kommunizieren mit Snapchat verbieten, wo es doch meist nur darum geht, ob nun Rapperin X cooler ist oder Schauspieler Y? Ich weiß, was Sie mir entgegnen: Wir Alten sind volljährig und damit für uns selbst verantwortlich, die Jugendlichen aber muss man vor sich selber schützen, denn die haben das noch nicht so im Griff.

Ihre Frage

Sollten auch Sie eine Frage an Stefan Vögel haben: keinefrage@kronenzeitung.at

Anders als wir. Ein kurzer Blick auf die unsäglichen Facebook-Postings ganz normaler Bürger an einem ganz normalen Tag und zu einem ganz normalen Thema entkräftet auch dieses Generationen-Argument. Vielleicht sollten wir daher erst einmal vor unserer eigenen Haustür kehren, ehe wir den Jugendlichen etwas verbieten. Denn gerade leuchtende Vorbilder in Sachen Mediennutzung sind wir Erwachsenen für unsere Jugend bei Gott nicht.

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