Prozess gegen Stronach
„Weiß nicht, wie ich in seinem Bett gelandet bin“
In Toronto läuft derzeit ein Missbrauchsprozess gegen den österreichischen Unternehmer Frank Stronach (93). Am Donnerstag schilderte eine Frau einen mutmaßlichen sexuellen Übergriff in den 1980er-Jahren. Sie wisse nicht, wie sie in jener Nacht in seinem Bett gelandet sei, sagte die inzwischen über 60-Jährige vor Gericht.
Sie habe Stronach damals in seinem Restaurant in Toronto getroffen und ihm gesagt, dass sie nicht trinke, als er mit einer Flasche Champagner aufgetaucht war. Eventuell habe sie dann doch einen Schluck probiert, sagte die Frau. Anschließend sei sie „auf der Tanzfläche zu sich gekommen“, wo der Magna-Gründer sie festgehalten und seine Hände in ihren Schritt gedrückt habe. Ihre nächste Erinnerung sei dann, dass sie mit Stronach auf sich liegend aufgewacht sei.
Sie sei „zutiefst verängstigt“ gewesen, als sie an einem unbekannten Ort in einem Bett aufgewacht sei und festgestellt habe, dass sie vergewaltigt worden sei. Sie habe dem Sex mit dem etwa dreißig Jahre älteren Stronach nicht zugestimmt und ihn nur flüchtig gekannt.
Stronachs Verteidigerin Leora Shamesh befragte die Frau zu ihrer Erinnerung an die Daten, Orte und Details ihrer Aussage sowie zur Vorbereitung auf den Prozess. Sie wies auf Unstimmigkeiten hin und deutete an, dass ihre Aussage „beeinflusst“ worden sei. Die Klägerin gab an, sich damals nicht an die Polizei gewandt zu haben, weil sie gedacht habe, dass ihr jemand glauben würde. Am heutigen Freitag soll die Befragung fortgesetzt werden.
Ich erinnere mich noch daran, ihm gesagt zu haben, dass ich nichts trinke.
Die Klägerin gegen Stronach vor Gericht
Mehrere Fälle mit einheitlichem Muster
Insgesamt werden die Anschuldigungen von zwölf Frauen verhandelt. Im ersten Verfahren geht es um sieben, die übrigen Vorwürfe sollen später im Jahr in Ontario verhandelt werden. Staatsanwältin Julia Bellehumeur sagte, dass mehrere Fälle einem einheitlichen Muster folgen würden: Stronach soll Frauen in eine Wohnung in Toronto mitgenommen, überwältigt und sexuell missbraucht haben. Der gebürtige Steirer habe von den fehlenden Zustimmungen gewusst.
Laut Gerichtsdokumenten geht es um Vorwürfe der versuchten Vergewaltigungen ab dem Jahr 1977. Einige Vorfälle ereigneten sich demnach in Toronto, weitere auch in der kanadischen Stadt Aurora, wo Stronachs ehemalige Firma Magna International ihren Hauptsitz hat. Im Frühling 2023 soll der Milliardär weitere sexuelle Übergriffe gegen Frauen begangen haben.
Der 93-Jährige hat in Nordamerika den Magna-Konzern aufgebaut, der vor allem in der Autoindustrie tätig ist. In Österreich wurde er durch sein Sport-Investment in Fußball und Pferdesport sowie als Gründer der Partei Team Stronach bekannt, die kurzzeitig im Nationalrat vertreten war.









Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.