Von Geburt an taub

Gehörlos, nicht ungehört: Arbeiter erkämpfte Job

Oberösterreich
13.02.2026 17:00

Martin Pumm (46) arbeitet seit eineinhalb Jahren bei Rosenbauer in der Montage. Der Linzer ist von Geburt an taub. Er erklärt, wie der Arbeitsalltag im Team funktioniert.

In die Arbeit vertieft schraubt Martin Pumm an der Türverkleidung eines Feuerwehr-Aufbaus herum, misst nach und greift zufrieden nach dem nächsten Teil. Wie alle im Werk 2 bei Rosenbauer in Leonding ist er ein Profi, hat mehr als zwei Jahrzehnte Erfahrung. Von seinen Kollegen unterscheidet ihn äußerlich nur ein Hörgerät: Der 46-Jährige ist von Geburt an taub. „Das Hörgerät trage ich für meine eigene Stimmkontrolle“, so der Linzer. Sonst hört er quasi nichts.

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Wir haben einige einfache Gebärden, die wir verwenden, aber das meiste funktioniert mit Lippenlesen und Körpersprache.

Martin Pumm

Wie funktioniert`s?
Doch wie funktioniert das im Arbeitsalltag, wenn alle auf Kommunikation angewiesen sind? „Es hat eine Weile gedauert, bis sich die Kollegen an meine Stimme gewöhnt haben. Ich kann das ,R’ nicht gut aussprechen, und sie müssen mich ansehen, damit ich sie verstehe. Wir haben einige einfache Gebärden, die wir verwenden, aber das meiste funktioniert mit Lippenlesen und Körpersprache“, so der Vater einer Tochter. Nur komplexe Angelegenheiten müssten die Kollegen schriftlich kommunizieren. 

„Wir haben uns aneinander gewöhnt“
„Anfangs war es etwas anstrengend, aber mittlerweile haben wir uns aneinander gewöhnt. Jetzt funktioniert es prima“, erklärt Pumm, der gerne hier arbeitet.

Um den Job zu kriegen, musste Pumm hartnäckig sein
Den Job musste er sich aber erst erkämpfen: „Es hat rund zwei Jahre gedauert. Eines Tages bin ich einfach hergefahren und habe um ein Gespräch gebeten, ganz ohne Vorbereitung oder Dolmetscher, und da hat man mir schließlich eine Chance gegeben“, freut sich Pumm – leider nicht selbstverständlich, da viele Unternehmen sich immer noch scheuen, Gehörlose einzustellen, trotz hervorragender Qualifikationen.

Dominik Ehmer (HR, links.) und Betriebsrat Christian Altendorfer stehen hinter Martin Pumm
Dominik Ehmer (HR, links.) und Betriebsrat Christian Altendorfer stehen hinter Martin Pumm(Bild: Markus Wenzel)

„Das Wichtigste ist, dass es im Team funktioniert. Natürlich muss eine Führungskraft zustimmen, aber wenn es im Team nicht klappt, hilft alles nichts. Dass die Zusammenarbeit so gut funktioniert, ist wirklich toll“, freut sich Personalmanager Dominik Ehmer. „Inklusion am Arbeitsplatz bedeutet, dass man als Besucher nicht erkennt, wer beeinträchtigt ist und wer nicht“, so Betriebsrat Christian Altendorfer, der als einer von drei Behindertenvertrauenspersonen rund 50 eingeschränkte Personen am Standort vertritt.

Genau das ist im Werk Zwei der Fall: Erst im Nachhinein erfahren wir, dass wir an einigen weiteren Personen mit besonderen Bedürfnissen vorbeigekommen sind – erkannt haben wir das nicht. 

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