Kosten für Besuche in den Ordinationen steigen: Das Gesundheitssystem drängt immer mehr Pflichtversicherte in die privaten Praxen. Ein Boom bei den Zusatzversicherungen ist klar ersichtlich ...
Egal, ob akute Beschwerden oder Vorsorge, horrende Wartezeiten auf einen Arzttermin zwingen immer mehr Patienten auf private medizinische Leistungen auszuweichen, obwohl Österreich ein Hochsteuerland ist und die Krankenversicherung etwa bei Arbeitnehmern direkt vom Gehalt abgezogen wird.
Der Betrag macht immerhin 7,65 Prozent des Bruttoeinkommens aus (3,78 Prozent entfallen auf den Dienstgeber und 3,87 Prozent auf den Dienstnehmer). Wer sich freiwillig selbst versichert, blecht 565,25 Euro pro Monat und den Pensionisten werden sechs Prozent von ihrer Bruttorente abgezogen. Trotzdem schwinden Leistungen für die Beitragszahler.
Der Gang zum Wahlarzt ist für viele Patienten oft der einzige Ausweg aus der Wartezeit-Falle, wird aber zunehmend zur Kostenfrage. Eine aktuelle Markterhebung von krankenversichern.at (hier können Sie auch Ihre persönlichen Wahlarztkosten berechnen) beziffert den österreichweiten Durchschnittspreis für eine Erstordination mittlerweile mit 187 Euro.
Unfassbar: Muttermalkontrolle kostet bereits satte 149 Euro!
Nicht nur für ältere Patienten wird der Termin in der Ordination zum Luxus. Selbst für junge, aktive Menschen summieren sich die Kosten schnell, wie ein Blick auf einen typischen „Vorsorge-Korb“ zeigt: Eine Jahres-Routine wie die Muttermalkontrolle kostet 149 Euro, der Termin für den Augenarzt wird mit 172 Euro verrechnet.
Ein Sportarzt-Termin beim Orthopäden (178 Euro) beläuft sich bereits auf rund 500 Euro – kommt ein MRT (268 Euro) hinzu, steigt die Summe auf mehr als 760 Euro. Die höchsten Kosten fallen beim Radiologen aufgrund der High-Tech-Ausstattung an. Ein Besuch schlägt sich im Schnitt mit 268 Euro zu Buche.
70 Euro für 30-Jährige ist der Schutz oft günstiger als die Summe der Einzelhonorare, die Patienten sonst selbst tragen müssten.

Sebastian Arthofer, krankenversichern.at
Bild: krankenversichern.at
Magische Grenze spielend geknackt, Zusatzversicherungen boomen
Auch beratungsintensive Fächer ohne teures Gerät wie die Urologie überschreiten schnell die 200-Euro-Marke pro Besuch in der Ordination. Selbst stark frequentierte Fachrichtungen wie die Gynäkologie haben sich mit 181 Euro weit von den Kassen-Rückerstattungssätzen entfernt.
Dies lässt viele Menschen mit einer Zusatzversicherung liebäugeln. „Der schnelle Zugang zur Medizin ist untrennbar mit einer finanziellen Hürde verknüpft. Wer die langen Wartezeiten der Kasse umgehen möchte, sieht sich nun mit einer faktischen Preisuntergrenze von 150 Euro bei Fachärzten konfrontiert“, sagt Sebastian Arthofer von krankenversichern.at.
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