Neues Album „Her“

Sängerin Lylit: Ungeschönt in die Authentizität

Musik
10.02.2026 06:00

Als Sängerin, Songwriterin und Gesangslehrerin hat die Salzburgerin Eva Klampfer aka Lylit schon alles erlebt, was man in 41 Lebensjahren erleben kann. Auf ihrem aktuellen Solowerk „Her“ geht sie noch einen Schritt weiter und zeigt sich gleichermaßen feministisch wie verletzlich. Ein Gespräch über reduzierte Töne, über über die Grenzen gehen und über Unsicherheit als konstanten Begleiter.

kmm

Zart, intensiv und zutiefst intim – das sind die ersten Wörter, die einen zu Lylits neuem Album „Her“ einfallen. Das vielfältige Multitalent, das u.a. schon mal einen Plattenvertrag bei einer Subfirma des US-Kultlabels Motown Records hatte, mit Parov Stelar und Ida Nielsen als Sängerin tourte und als Songwriterin von Conchita Wurst in Erscheinung trat, hat fast vier Jahre lang an diesem höchstpersönlichen Monumentalwerk geschraubt. Nur Lylits Stimme, ein Klavier, ein Streichquartett und die Unterstützung von Schauspiellehrer Christian Nekrasov sind zu hören. „Er hat mir gelehrt, wie ich singen kann, ohne einem Perfektionsanspruch zu unterliegen“, erzählt sie im sympathischen „Krone“-Interview, „es war dann quasi das erste Mal, dass ich in der Entstehungsphase eines eigenen Albums mit jemandem so dicht zusammenarbeitete. Er wollte unbedingt, dass ich mit den Texten beginne, was ich so noch nie gemacht habe. Er war beinhart, weil er mich nicht mit Ausflüchten durchkommen ließ. Es musste alles ungeschönt aufs Tablett.“

Eva Klampfer aka Lylit im Gespräch mit „Krone“-Redakteur Robert Fröwein.
Eva Klampfer aka Lylit im Gespräch mit „Krone“-Redakteur Robert Fröwein.(Bild: Mario Urbantschitsch)

Mehr Herz statt Hirn
„Her“, wie das Album prägnant und passend genannt wurde, ist ein feministisches Manifest, das die Selbstliebe und die Weiblichkeit in all ihren Ausprägungen zelebriert und dabei einen zutiefst persönlichen Kern hat, den Eva Klampfer, so Lylits bürgerlicher Name, bewusst für alle nach außen stülpt. „Die Texte waren am Anfang sicher ein bisschen vorsichtiger. Christian hat mich in eine Richtung gepusht, in der ich wirklich offen sein musste.“ Vergleiche zieht die Salzburgerin dabei mit der Autorin Juli Zeh. „Sie sagt immer, dass sie den ersten Entwurf mit dem Gedanken schreibt, dass es keiner lesen wird und sie den Text wieder wegschmeißt. Das habe ich bei den Liedern auch probiert. Ich bin quasi situationsbedingt in die Authentizität gekommen und war dabei so offen wie nie zuvor. Ehrlichkeit ist so ein überstrapaziertes Wort, aber es trifft perfekt auf ,Her‘ zu.“ Manche Songs wurden dann aber doch acht Mal umgeschrieben, bis Lylit damit glücklich war. „Der rohe Zugang ist der mit Herz und ohne Hirn – in der Musik funktioniert das meist besser.“

Schwierig war es auch, musikalisch in eine simple Einfachheit zu gehen. Die bewusst reduzierten, extrem intensiven Lieder erinnern dabei durchaus an die enthüllten Meisterwerke von Anja Plaschg aka Soap&Skin. „Ich wollte dieses Mal bewusst Musik machen, wo es weniger ums Lebensgefühl und mehr um die Inhalte geht. Normal hat man überall ein Schlagzeug dabei, das den Liedern automatisch eine gewisse Wucht gibt. Ohne zu arbeiten war eine besondere Erfahrung.“ Lylit hat schon als Kind leidenschaftlich gerne Mahler und Brahms gehört – die Schwere in der Musik ist für sie nichts Ungewöhnliches. „Grundsätzlich wollte ich ein Soloalbum machen, wo Stimme und Klavier im Zentrum stehen. Das hat sich sehr organisch ergeben.“ Vorbilder dafür? „Nina Simone oder Tori Amos waren immer große Einflüsse, danach hatte ich eine Hip-Hop-Phase, aber das klassische Klavier war in meinem Leben immer sehr präsent. Soundtechnisch haben mich auch die letzten Veröffentlichungen von James Blake fasziniert.“

Je konkreter, umso besser
Als erste Nummer entstand das intensive „I Can’t Do This“, ein höchst autobiografisches Lied. „Ich habe oft so einen Widerstand in mir und über den wollte ich unbedingt einmal schreiben. Von da an ging es dann natürlich weiter.“ Dass Lylit das Album nicht gleich in einem Guss geschrieben hat, lag daran, dass ihr das reale Leben dazwischenkam. Filmproduktionsaufnahmen, der Job als Gesangslehrerin und eine Familie brauchen ihre Zeit. „Ich habe mir sukzessive überlegt, welche Themen mir wirklich wichtig sind. Wo will ich was sagen. Daraus entstanden Nummern wie ,My Body‘, ,As Long As I Resist‘ oder ,Call The Things By Their Name’. Ich bekam öfters Skrupel, ob ich wirklich so offen und ehrlich schreiben sollte, aber je konkreter man Texte schreibt, umso mehr können die Leute für sich was davon mitnehmen. Viel zu viele Frauen teilen sich eine ähnliche Geschichte, wo sich zwar die Details unterscheiden, das Grundgefühl aber dasselbe ist. Wir sind immer noch weit davon entfernt, dass Frauen den Respekt und die Anerkennung kriegen, die sie verdienen. Das fängt bei der Werbung an und endet in der Pornoindustrie. Es ist viel passiert in den letzten Jahren, aber es muss sich noch viel mehr tun.“

Die 41-jährige Vollblutmusikerin Lylit steht mitten im Leben – und zeigt sich auf „Her“ so offen ...
Die 41-jährige Vollblutmusikerin Lylit steht mitten im Leben – und zeigt sich auf „Her“ so offen wie nie zuvor.(Bild: Mario Urbantschitsch)

Lylit setzt auf die Kraft der Konfrontation – in ihrem Fall mit Musik. Das bloße Aufmerksammachen und Aussprechen von gewissen Themen kann schon viel zur Veränderung beitragen. ,Her‘ ist ein ungemein persönliches Album geworden. Die intensiven Nummern fordern Lylit auch auf der Livebühne heraus. „Mit den Streichquartettmädels hat das Album live schon eine Wucht. Es ist kein Konzert, dass man so nebenbei miterlebt. Man geht durch Täler, aber hinten hinaus kriegt es einen Schwung und wenn man sich darauf einlässt, kann es sehr befreiend sein.“ Mit der Schwere des Themas hat sich auch Lylits Gesang verändert. „Ich singe viel unverschnörkelter, das ist das Verdienst von Christian. Er hat mich darauf aufmerksam gemacht, wie selten ich nüchtern und klar singe. Ich wollte nichts verdecken und zudecken, sondern so klar wie möglich sein. Das hat das Album verdient.“ Durch die Intensität ließ sich das Werk auch nicht einfach so „nebenher schreiben“. „Ich habe mir lange Zeiträume gegönnt, wo ich mich nur darauf konzentrierte. Für die intensiven Texte brauchte ich den richtigen Headspace – und musste total fokussiert sein.“

Live in Österreich
Ab Mitte Februar ist Lylit mehrmals in Österreich unterwegs, um das monumentale Werk „Her“ live zu präsentieren. Unter www.lylit.com finden Sie alle Termine und weiteren Infos zu den einzelnen Auftritten.

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