Sieben Jahre lang war es musikalisch still um Kensington. Mit ihrem neuen Album „First Rodeo“ meldet sich die erfolgreiche niederländische Rockband nun eindrucksvoll zurück. Gemeinsam mit Neuzugang Jason Dowd gehen Casper Starreveld, Jan Haker und Niles Vandenberg auf große Europa-Tour und machen dabei am 18. Februar auch in Wien Halt. Im Interview erzählen Casper und Jason vom Neustart, ihrer Bandchemie – und der kulinarischen Vielfalt Österreichs
Gibt man den Begriff Kensington in die Google-Suche ein, stößt man auf vieles: Familiennamen, einen Stadtteil in London, ein Bauwerk der britischen Königsfamilie – ja sogar auf ein Kensington-Schloss zur Diebstahlsicherung mobiler Geräte. Umso witziger, dass sich ausgerechnet eine niederländische Rockband diesen so gängigen Namen ausgesucht hat. Erst mit dem Zusatz Kensington Band findet man schließlich die vier Musiker Casper Starreveld, Jan Haker, Niles Vandenberg und den Neuzugang Jason Dowd – gemeinsam bilden sie die Band Kensington.
Gegründet 2005, feierten Kensington 2013 mit der Single „Home Again“ aus dem Album „Vultures“ ihren Durchbruch. Ein Jahr später stieg „Rivals“ direkt auf Platz eins der Charts ein – damals noch mit Sänger Eloi Youssef, der die Band 2022 verließ. Nach dem letzten Album „Time“ (2019) und einer ruhigeren Phase – nicht zuletzt durch die Covid-Pandemie – melden sich Kensington nun eindrucksvoll zurück: mit dem neuen Album „First Rodeo“, neuem Leadsänger und einer großen Europa-Tour.
Mit Casper Starreveld und Jason Dowd sprachen wir in einem kleinen, aber feinen Zoom-Talk – und merkten schon in den ersten Minuten, wie bodenständig und sympathisch Kensington auch abseits der Bühne sind. Sieben Jahre ohne neues Studioalbum sind eine lange Zeit, in der dennoch viel passiert ist. Wie fühlt es sich also an, endlich zurückzukehren? „Es fühlt sich einfach großartig an, wieder zurück zu sein. Und wir freuen uns riesig, wieder durch Europa zu touren – das ist eines unserer liebsten Dinge überhaupt. Es ist wie ein Rodeo, ein Urlaub und ein Workout – alles gleichzeitig“, sagt Casper euphorisch. „Für mich ist es ein verrücktes Abenteuer – und zugleich der beste Roadtrip überhaupt“, ergänzt Jason.
Frischer Wind aus den USA
Passend dazu trägt das neueste Werk den Titel „First Rodeo“. Der Name verweist auf die Herkunft des Neuzugangs Jason Dowd, der aus dem Süden der USA stammt. Für ihn ist es tatsächlich das sprichwörtliche erste Rodeo – für die Band selbst allerdings nicht. „Ein Rodeo ist chaotisch, man wird herumgeworfen und muss versuchen, oben zu bleiben. Das ist manchmal ziemlich ähnlich wie das Leben in einer Rockband. Genau deshalb passte der Titel perfekt. Die Platte hat viel Energie und viele unerwartete Wendungen“, erklärt Casper.
Auf die Frage, welche Themen und Gefühle auf „First Rodeo“ besonders wichtig seien, wird Leadsänger Jason schnell persönlich. Für ihn ist das Album mehr als nur ein Neuanfang – es ist ein gemeinsamer Moment des Ankommens. „Es ist mein erstes Album mit den Jungs. Wir waren einfach gemeinsam in einem Raum, haben Musik gemacht und gemerkt, dass wir mögen, was da entsteht“, erzählt er. Heute klinge die Platte genau nach dieser Zeit: „Wie der Soundtrack zu einem richtig guten Roadtrip. Ich sehe ein Auto voller Typen, unterwegs – und alles ist möglich.“
Zahlreiche Awards und mehrere Nummer-eins-Alben sammelte Kensington in den vergangenen zwei Jahrzehnten. Doch wie fühlt es sich für Neuling Jason eigentlich an, Teil dieser Erfolgsgeschichte zu werden? „Ich denke jeden Tag darüber nach. Was diese Jungs vor mir aufgebaut haben, ist unglaublich“, sagt er. „Die Shows, die wir bisher gespielt haben, fühlten sich an wie ein großes Wiedersehen – wie eine Feier. Die Stimmung war so herzlich. Da habe ich gemerkt: Das ist die Kensington-Familie. Ich bin einfach dankbar, Teil davon zu sein.“ Der US-Musiker lebt nun mittlerweile in den Niederlanden und ist dort musikalisch wie persönlich angekommen.
Bandliebe: Wenn es menschlich klickt
Nach dem Ausstieg von Eloi Youssef – der rund 20 Jahre Teil der Band war – den richtigen Sänger zu finden, dürfte keine leichte Aufgabe gewesen sein. Es musste also jemand sein, bei dem es menschlich passt, der Vibe stimmt – und der musikalisch überzeugt. Wie wusste man also, dass Jason genau der Richtige ist? „Es war eine Kombination aus vielen Dingen“, erklärt Casper. „Natürlich hat er eine großartige Stimme. Aber Jason ist auch Songwriter, viele Ideen auf ,First Rodeo´ stammen von ihm. Vor allem aber hat es menschlich sofort gepasst. Es fühlte sich an, als wäre er schon lange Teil der Band.“ Dann ergänzt er lachend: „Und er macht gute Cocktails.“
Die gegenseitige Wertschätzung ist dabei deutlich spürbar. Wie aus der Pistole geschossen erwidert Jason: „Das beruht auf Gegenseitigkeit. Ich habe in L.A. lange nach Menschen gesucht, mit denen ich diese Verbindung habe – und hier habe ich gleich drei gefunden. Das ist verrückt.“
Für Casper dauerte die Pause letztlich zu lange. Im Interview erzählt er, dass er in dieser Zeit vieles mit seiner Familie nachgeholt habe – und ihm dennoch irgendwann etwas Entscheidendes fehlte: die Musik. Das bemerkte schließlich sogar seine Frau, die ihn fragte, wann er denn endlich wieder Musik machen wolle. Die Auszeit habe ihn viel über sich selbst gelehrt, sagt Casper: „Ich liebe meinen Job. Ich habe das alles sehr vermisst. Die Pause war aber auch wichtig, um zu merken, was einem wirklich fehlt. Mental war es nicht immer leicht, besonders bevor wir Jason gefunden haben. Aber jetzt bin ich einfach froh, dass wir wieder nach vorne schauen.“
Auch der Blick auf Erfolg habe sich verändert: „Erfolg ist für mich heute viel abstrakter. Es geht weniger um Zahlen, mehr um den Prozess. Wenn wir etwas machen, wollen wir es so gut wie möglich machen. Erfolg liegt heute eher darin, wie wir arbeiten – nicht im Ergebnis.“
Wien-Auftritt mit kulinarischem Fokus
Doch nicht nur die Rückkehr auf die Bühne sorgt bei Kensington für Vorfreude. Besonders groß ist die Freude auf den Wien-Auftritt (Tickets unter www.oeticket.com )am 18. Februar in der Szene Wien. „Österreich ist großartig. Wir hatten dort immer tolle Shows“, erzählt der Gitarrist. Wien zählt für ihn zu den schönsten Städten Europas. „Es sieht fast aus wie in einem Märchen, beinahe schon klischeehaft schön. Die Gebäude wirken wie Paläste, alles ist unglaublich beeindruckend.“ Auch der Leadsänger freut sich auf unsere Hauptstadt: „Ich war bisher kaum außerhalb der Niederlande. Ich freue mich riesig darauf, Europa zu entdecken – besonders Wien“.
Nicht nur die Architektur begeistert die Musiker. Casper verrät, dass er noch immer von einem Schnitzel träumt, das größer war als sein Teller. Auch auf Kaiserschmarrn und Sachertorte freue er sich – ebenso wie auf die originalen Kaisersemmeln. „Diese kleinen, leckeren Kaisersemmeln mit Butter und Marmelade – in Holland schmecken sie nie gleich“, schwärmt er. Lachend fügt er hinzu: „Ich glaube, Abnehmen werden wir auf Tour nicht, Jason.“
Aber nun Butter bei die Fische: Was können die Fans von ihrem Auftritt erwarten – abgesehen von kulinarischen Eskapaden?
„Wir spielen viele Songs vom neuen Album, aber auch alte Klassiker. Es wird eine gute Mischung. Unsere letzte Europatour war 2019, danach kam Covid. Diese Tour fühlt sich wie eine Wiedergutmachung an“, erzählen beide.
Träume und Ausblick
Zum Ende des Gesprächs geht es um das, was noch kommen soll. Auf die Frage, welche Träume er mit Kensington verwirklichen möchte, wird Jason nachdenklich – und zugleich sichtbar begeistert. Vieles habe er bereits erleben dürfen, sagt er, doch genau das habe in ihm den Wunsch geweckt, noch größer zu träumen. „Ich habe schon viele Träume erfüllt – jetzt träume ich größer“, erklärt der Sänger. Eine Europatour sei für ihn ein echter Kindheitstraum gewesen, der nun Realität werde. Städte wie Wien, Prag oder Budapest kenne er bislang nur von Bildern. „Das alles jetzt gemeinsam mit der Band zu erleben, ist etwas ganz Besonderes.“
Auch darüber hinaus denkt der Leadsänger weiter – an Nordamerika, vielleicht sogar Japan. Doch wichtiger als konkrete Ziele sei für ihn das gemeinsame Erleben: „Es geht vor allem darum, zusammen besondere Momente zu schaffen.“
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