In der Türkei sind laut der Partei Die Linke 16 Menschen aus Deutschland festgesetzt worden, die auf die humanitäre Notlage der Kurdinnen und Kurden in Syrien aufmerksam machen wollten. Das Auswärtige Amt teilte mit, zu prüfen, ob und wie viele Deutsche betroffen seien.
Laut der Linkspartei sind die Betroffenen Teil einer zivilgesellschaftlichen Delegation, die in kurdische Regionen im Südosten der Türkei gereist war. Ziel sei es, Proteste gegen die eskalierende Gewalt in Syrien zu begleiten, auf die humanitäre Lage in Nord- und Ostsyrien aufmerksam zu machen und mögliche Menschenrechtsverletzungen zu dokumentieren. Unter den Festgesetzten sind demnach Aktivistinnen, Aktivisten, Medienschaffende, ein Vertreter der Linksjugend Solid und ein Mitglied der niedersächsischen Linken.
Die Linke forderte die sofortige Freilassung der Betroffenen und umgehenden konsularischen Beistand. In den überwiegend kurdischen Grenzregionen der Türkei zu Syrien kommt es derzeit zu erhöhten Spannungen. Pro-kurdische Demonstrierende in der Türkei protestierten gegen die jüngsten Zusammenstöße zwischen der Übergangsregierung in Damaskus und den Syrischen Demokratischen Kräften (SDF) unter Führung kurdischer Milizen im Norden Syriens. Eigentlich gilt ein Waffenstillstand.
Hier sehen Sie das Posting zu der Festnahme der Delegation:
„Kurden Feind Nummer eins der Islamisten“
Im vergangenen Jahr kam es zu mehreren Massakern an religiösen Minderheiten wie Drusinnen und Drusen in Syrien. Auch viele Christinnen und Christen, die von der Assad-Regierung geschützt wurden, fürchten sich unter der Interimsregierung vor Gewalttaten. Im Jänner 2026 intensivierte die Regierung die Angriffe auf die kurdischen Gebiete Syriens. Die Lage sei hochgefährlich und äußerst instabil, berichtete Ari Milan, der freiwillig als Vertreter der Demokratischen Selbstverwaltung der Region Nord- und Ostsyrien in Österreich tätig ist und viele Kontakte nach Syrien hat. Es gebe Engpässe bei der Wasser- und Stromversorgung, einen Mangel an Medikamenten und Lebensmitteln.
Das Vertrauen der Kurdinnen und Kurden in die Regierung unter al-Sharaa, einen ehemaligen Dschihadisten, ist nicht groß. So wurden beispielsweise mehrere IS-Kämpfer freigelassen. „Die Kurden sind der Feind Nummer eins der Islamisten“, sagte der Fotograf Kadir Günes zur Nachrichtenagentur APA. Der Sieg über die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) bedeute nämlich nicht, dass auch deren Ideologie besiegt worden sei, auch wenn das in Europa so wahrgenommen werde. Vielmehr hätten die Terroristen oft nur ihre Bärte gekürzt und seien in anderen Gruppierungen untergekommen.
Die Rolle der türkischen Regierung bei den jüngsten Kampfhandlungen wird kritisch gesehen. So habe es etwa konkrete Ideen gegeben, dass die SDF in zwei Divisionen und drei Brigaden aufgeteilt werden, bis der syrische Außenminister Assad al-Shaibani, der unter großem türkischen Einfluss stehe, die Gespräche beenden ließ, erzählte Milan. Zwei Tage später hätten schließlich die Angriffe der Regierungstruppen auf die SDF begonnen. Der türkischen Regierung wird somit vorgeworfen, ein Abkommen zwischen Damaskus und den SDF verhindert zu haben.
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