„Zentraler Hebel“

Sammelziel bei Einweg-Pfand im 1. Jahr erreicht

Innenpolitik
28.01.2026 14:16
Porträt von krone.at
Von krone.at

Seit mehr als einem Jahr gibt es Einwegpfand auf Plastikflaschen und Aluminiumdosen – und nach einem Jahr zieht Umweltminister Norbert Totschnig eine positive Bilanz. Mit einer Sammelquote von 81,5 Prozent wurden die Vorgaben der österreichischen Pfandverordnung von mindestens 80 Prozent erfüllt.

Totschnig nannte das Einwegpfand ein „Musterbeispiel für ein funktionierendes System“. Laut Minister stellte der Bund dafür 80 Millionen Euro für Rückgabe- und 60 Millionen Euro für Sortierautomaten bereit. Die Mission ist noch nicht erfüllt, denn bis 2027 soll die Sammelquote auf 90 Prozent steigen. Jedoch seien die Anfangsschwierigkeiten schnell behoben worden, sagte Totschnig. „Das System ist ein zentraler Hebel, um die EU-Sammelziele zu erreichen und den vorgeschriebenen Recyclinganteil bei PET-Flaschen sicherzustellen“, so der Minister.

Die Infografik zeigt das Einweg-Pfandsystem in Österreich seit Jänner 2025. Die Sammelquote für 2025 liegt bei 81,5 % und übertrifft das Ziel von 80 %. Bis 2027 soll eine Quote von 90 % erreicht werden. Die Karte zeigt die Sammelmengen 2025 in Millionen Gebinden nach Bundesländern. Wien hat mit 315 Millionen die höchste Menge, Burgenland und Vorarlberg liegen mit 53 und 54 Millionen am niedrigsten. Quelle: Recycling Pfand Österreich.

Vorteilhafte sortenreine Sammlung
Monika Fiala, die Geschäftsführerin Recycling Pfand Österreich, betonte die Vorteile der „sortenreinen Sammlung“, die so die Recyclingquote erhöhe, da die Getränkeproduzenten diese nach Farbe und Material sortiert zurückkaufen können. Und gekauft wird, denn laut EU-Vorgabe gilt seit 2025 ein Minimum von 25 Prozent Rezyklat in PET-Flaschen – wie viel es in Österreich waren, wird laut Fiala im März feststehen.

Nachdem 2025 das Übergangsjahr war, sei dieses trotz des Erfolges eine „Herausforderung für alle Beteiligten“ gewesen. Fiala verwies auf die Übergangsregelung, die vorsah, dass mit 1. Jänner 2025 das Pfandlogo erstmals in den Verkauf kam, aber die Produktion ohne dieses noch bis Ende März möglich war. Bereits abgefüllten Produkte ohne Logo konnten indes bis Ende des Vorjahres weiterhin verkauft werden. Der Großteil des Übergangs sei mit April, Mai schon „fast abgeschlossen“ gewesen.

Umweltminister Norbert Totschnig und Monika Fiala von Recycling Pfand Österreich präsentierten ...
Umweltminister Norbert Totschnig und Monika Fiala von Recycling Pfand Österreich präsentierten am Mittwoch die Sammelquote.(Bild: APA/ROLAND SCHLAGER)

Zwei Milliarden Pfandflaschen und -dosen wurden 2025 insgesamt in den Verkehr gebracht und bis 31. Dezember wurden auch 1,4 Milliarden Gebinde wieder retourniert. Unter Berücksichtigung von Gewicht und einer Verweildauer von durchschnittlich 51 Tagen zwischen Erstinverkehrsetzung und Rückgabe konnten dann die besagten 81,5 Prozent erreicht werden. „Somit finden mehr als acht von zehn Pfandgebinden den Weg zurück in den Kreislauf“, erklärte Fiala. Dafür wurden rund 3000 Produkte mit dem Pfandlogo ausgestattet. 6400 Rücknahmeautomaten in ganz Österreich bedeuten zudem „die zweithöchste Dichte in ganz Europa“.

Um das Ziel von 90 Prozent zu erreichen – und damit die entsprechende EU-Richtlinie (Single-Use-Plastic) zwei Jahre schneller zu erfüllen – setze man im kommenden Jahr auf weitere Information in „Richtung Konsument“. Eine aktuelle repräsentative Umfrage im Auftrag von Recycling Pfand Österreich zeigt, dass durchaus noch Bedarf besteht, denn erst neun von zehn Bürgern wissen, dass pfandpflichtige Einwegverpackungen am österreichischen Pfandsymbol zu erkennen sind. Angenommen wird das Einweg-Pfandsystem mehrheitlich: Rund drei Viertel der befürworten das 25-Cent-Modell und 85 Prozent fühlen sich gut darüber informiert.

Behindertenrat kritisiert mangelnde Barrierefreiheit
Kritik gibt es jedoch an den Rückgabeautomaten vonseiten des Österreichischen Behindertenrats. Sie seien für „Personengruppen wie beispielsweise blinde und stark sehbehinderte Menschen, kleinwüchsige Personen, Rollstuhlnutzerinnen und Menschen mit eingeschränkten Möglichkeiten für die Nutzung der Hände nicht eigenständig“ zu verwenden, hieß es in einer Aussendung. Unter Hinweis auf die auf Einweg erweiterten Mehrweg-Rücknahmeautomaten, verwies Fiala darauf, dass bei der Umstellung „an einer vielfach bereits vorhandenen Infrastruktur“ zurückgreifen musste. Der Behindertenrat forderte, dass bei künftigen Zertifizierungen Barrierefreiheit ein Kriterium sein muss, „damit alle Menschen die Möglichkeit haben, ihr Pfand zurückzubekommen.“

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