Während Russland sein Nachbarland weiterhin mit massiven Angriffen überzieht, zittern die Ukrainer in unerträglicher Kälte. Betroffene berichten von unmenschlichen Zuständen: In einigen Wohnungen ist mittlerweile das Wasser in Toiletten und Waschbecken gefroren, Möbel zerbrechen.
Aufgrund massiver Angriffe der russischen Armee auf Kraftwerke und Stromverteilungsnetze frösteln die Einwohner ukrainischer Städte: In ihren Häusern gibt es seit Jahresbeginn kaum Strom, Wärme und an manchen Orten nicht einmal mehr Wasser – und das bei einem außergewöhnlich kalten Winter, der die Temperaturen auf bis zu minus 15 Grad absinken lässt. Besonders betroffen sind die Regionen Charkiw, Tschernihiw, Sumy, Odessa, Dnipropetrowsk, Saporischschja sowie Kiew und die Kiewer Region.
Sie würde zu Hause ihre Winterausrüstung nicht ausziehen und sogar mit der Haube auf dem Kopf schlafen, erzählte Tatjana aus Kiew dem US-finanzierten Rundfunkveranstalter „Radio Free Europe“. Das Thermometer ihrer Wohnung zeige nur mehr zwischen einem und zwei Grad an.
Wut und Ernüchterung stellen sich ein
„Heute wird jemand wegen der Kälte sterben. Nicht an der Front. Nicht durch Raketen. Einfach in der eigenen Wohnung. Leise. Ohne Zeugen“, ist sich Olga Popadjuk aus Czernowitz sicher. Sie veröffentlichte einen emotionalen Brief in den sozialen Netzwerken, der sehr viel Beachtung fand. „80 Jahre sind seit dem Zweiten Weltkrieg vergangen. Die Welt hat gesagt, ,nie wieder‘. Die Leute haben gesagt, ,wir haben uns verändert‘. Nichts hat sich verändert. Die Leute sind heute dieselben Bestien“, empört sich Popadjuk.
Die Kälte sei derart durchdringend, dass man sich nirgendwo vor ihr verstecken könne. Sie sei in den Wänden, im Boden, in den Fingern und im Kopf. „Sie verschwindet nicht, selbst wenn du dich unter drei Decken ins Bett legst und so tust, als würdest du schlafen“, schildert die verzweifelte Frau.
„Ich halte meinen Sohn fest. Ich mache alles richtig, wie es in den Überlebensanweisungen steht. Aber der Strom ist sechs Stunden lang aus. Dann wieder für eine Stunde da. Und in dieser einen Stunde schaffst du es nicht, wieder Wärme zurückzuholen“, erklärt Popdajuk aus ihrem unmenschlichen Alltag.
„Die Welt stürzt in den Abgrund“
Anna Gin aus Charkiw bemüht sich, diese schweren Zeiten mit Humor durchzustehen. Früher sei das beste Geräusch gewesen, wenn die Gehaltsüberweisung auf dem Handy eingetroffen sei. Heute sorge der Piepton auf der Dunstabzugshaube für die größte Euphorie – der erste Hinweis darauf, dass es wieder Strom gebe, beschreibt sie gegenüber dem russischen Exilmedium „Meduza“.
„Und du rennst, wie verrückt ,Strom‘ schreiend, zur Steckdose, zur Waschmaschine, zum PC. Und das alles gleichzeitig. Ich persönlich schalte sofort die Nachrichten ein. Das fühlt sich so an, als hätte sich die Welt in den letzten sechs Stunden, in denen man im Dunklen und in der Kälte gesessen ist, komplett verändert. Und tatsächlich, hat mich dieses Gefühl noch nie getäuscht. Es ist dunkel, dunkel, dunkel und zack hat (US-Präsident Donald, Anm.) Trump die Ukraine, den Iran und (den gestürzten Diktator Nicolas, Anm.) Maduro vergessen, bedroht er (den französischen Staatschef Emmanuel, Anm.) Macron mit Zöllen auf Wein und Grönland – auch bekannt als ,Island‘ und ,ein Stück Eis‘ – will er anscheinend wirklich kriegerisch erobern“, berichtet Gin.
Beim nächsten Blackout scheine es wieder, dass die Welt in den Abgrund stürzt und das nächste Mal, wenn der Strom wieder eingeschaltet würde, bereits der Dritte Weltkrieg im Gange sei. Gleichzeitig habe alles geöffnet – Geschäfte, Cafés, Banken, Apotheken, Friseure und sogar Theater! Dies würde durch Stromgeneratoren ermöglicht, deren Dröhnen selbst die ständig fliegenden russischen Shahed-Drohnen übertreffe.
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