Ukrainer im Krieg

„Leid übersteigt schlimmste Befürchtungen“

Außenpolitik
20.01.2026 11:54
Porträt von krone.at
Von krone.at

Den höchsten Preis des Krieges zahlt die ukrainische Zivilbevölkerung. Sie muss bei minus 20 Grad frieren und wird dabei vor eine unmenschliche Wahl gestellt.

Frauen in Dnipro berichten, dass ihre Kinder vollständig angezogen schlafen, manchmal sogar mit Schuhen – nicht nur, um nicht zu erfrieren, sondern um im Fall eines weiteren Angriffs sofort in einen Schutzraum fliehen zu können.

„Das Leid der Zivilbevölkerung in der Ukraine übersteigt inzwischen unsere schlimmsten Befürchtungen. Nacht für Nacht werden Energie- und Heizsysteme angegriffen – gezielt jene Infrastruktur, die Menschen am dringendsten brauchen, um bei eisigen Temperaturen zu überleben“, klagte der Länderdirektor der Hilfsorganisation CARE, Michael McGrath, am Dienstag in einer Aussendung

Besonders gefährdet seien ältere Menschen, Kinder, Menschen mit Behinderungen und Familien auf der Flucht, berichtete McGrath. „Sie stehen vor einer unmenschlichen Wahl: in bitterkalten Wohnungen auszuharren oder sich auf gefährliche Wege zu begeben, um Wärme und Schutz zu suchen.“

Die Bevölkerung in Kiew sucht in der U-Bahn Schutz vor den russischen Angriffen.
Die Bevölkerung in Kiew sucht in der U-Bahn Schutz vor den russischen Angriffen.(Bild: AP/Danylo Antoniuk)

Kochen von Mahlzeiten unmöglich
Viele Menschen bekämen nur noch bis zu fünf Stunden Strom pro Tag, oft verteilt auf kurze Zeiträume und nicht am Stück. Der Strom werde häufig zu Zeiten eingeschaltet, zu denen die Menschen bereits schlafen oder noch arbeiten, da die Behörden versuchen, die Belastung des Netzes zu reduzieren. Mahlzeiten kochen, Wäsche waschen oder Handys laden würden dadurch unmöglich. In der extremen Kälte seien die Menschen außerdem erheblichen Gesundheits- und Sicherheitsrisiken ausgeliefert.

Skrupellose Attacken müssen endlich enden
CARE forderte, dass die wiederholten Angriffe auf lebenswichtige Infrastruktur „endlich aufhören“. Der Schutz von Zivilpersonen und ziviler Infrastruktur sei „eine grundlegende Verpflichtung des humanitären Völkerrechts und eine moralische Notwendigkeit“, betonte McGrath. CARE leiste Nothilfe, unterstütze beim Schutz besonders gefährdeter Gruppen und biete psychosoziale Betreuung an.

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