Abhängigkeiten

Gewalt gegen Senioren ist oft heimliches Problem

Oberösterreich
08.03.2026 10:00

Fast niemand spricht darüber, was in den eigenen vier Wänden passiert, wenn man alt, gebrechlich und zudem wehrlos ist. Dabei kommt es immer wieder zu Übergriffen gegen wehrlose Personen. Darauf macht nun das Gewaltschutzzentrum Oberösterreich aufmerksam.

Auch Pflegekräfte und Angehörige können mit der Versorgung von älteren Menschen überfordert sein. Nicht selten kommt es dann zu Pflegefehlern, Vernachlässigung oder auch zu Gewalt. Doch gesprochen oder gar angezeigt wird das noch viel zu selten. Zum einen sind die Opfer altersbedingt oft in ihrer Mobilität und Kommunikationsfähigkeit eingeschränkt. Sie sind häufig sozial isoliert und so fällt Gewalt im Umfeld auch weniger auf. Zum anderen gibt es vor allem bei Frauen ein Abhängigkeitsverhältnis.

Vorsichtig ansprechen
Aber was tun, wenn man als Angehöriger oder Außenstehender vermutet, dass Senioren Gewalt angetan wird? „Man sollte das ganz vorsichtig und ohne Vorwürfe machen. Fragen, ob es vielleicht Probleme gibt. Verletzungen, wie blaue Flecken, vorsichtig hinterfragen“, rät Eva Schuh, Leiterin des Gewaltschutzzentrum Linz.

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Ältere Frauen sind oft materiell vom Partner abhängig. Die Hürde, die Polizei zu rufen, scheint für sie noch größer zu sein.

Eva Schuh, Leiterin des Gewaltschutzzentrum OÖ

Wegweisung schwierig
Sie weiß, wie schwierig solche Situationen auch für die Polizei sind. Bei Pflegebedürftigkeit stehe auch die Exekutive immer wieder vor der Herausforderung, dass trotz Ausspruch eines Betretungs- und Annäherungsverbotes die Versorgung gewährleistet werden muss – egal ob es sich um den Täter oder das Opfer handelt. Ihre Forderung lautet: „Es bräuchte daher aus unserer Sicht schnell verfügbare Pflegeplätze, beispielsweise für die Dauer einer einstweiligen Verfügung“, sagt Schuh. Ein weiteres Problem, so die Expertin: „Frauen mit Pflegebedarf können in den Frauenhäusern in der Regel nicht betreut werden.“

Sehr wenige Beratungen von Personen über 60
Das hat zur Folge, dass die Dunkelziffer womöglich sehr hoch ist. Das lassen auch die Zahlen des Gewaltschutzzentrums vermuten. Lediglich 6,75% der beratenen Personen waren 2024 über 60 Jahre alt, davon waren allerdings mehr als 70% weiblich. Dabei gibt es eine eigene Projektgruppe „Gewalt an älteren Menschen“, die drei Berater (zwei Frauen und ein Mann) beschäftigen sich laufend und intensiv mit der Thematik. GS

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