Maria Stockner aus St. Radegund bei Graz wurde vor fast 108 Jahren geboren – im selben Jahr, als die Republik Österreich ausgerufen wurde. Die Steirerin hört inzwischen zwar schon ein bisschen schlecht, aber sie ist immer noch unglaublich fit. Für unsere Serie über wunderbare Frauen haben wir sie besucht.
Beim Besuch der „Steirerkrone“ bei der 107-jährigen Maria Stockner in St. Radegund bei Graz steigt uns als Erstes der unverkennbare Duft frischer Krapfen in die Nase. Der 82-jährige Sohn Siegfried, ein begnadeter Bäcker, hat sie heute früh schon gebacken. „Könnt‘s gern zugreifen“, fordert er uns freundlich auf.
Seine Mutter hat derweil im sonnendurchfluteten Wintergarten Platz genommen. Aufmerksam verfolgt die Seniorin jede unserer Bewegungen. Reden mag sie heute nicht so gern. „Hören tu ich auch sehr schlecht!“, sagt sie schulterzuckend.
Stundenlang spazieren gegangen
„Sie hört nur, was sie hören will“, schmunzelt ihre Schwiegertochter Christl, die die 107-Jährige seit 2003 bei ihnen zu Hause pflegt. Bis vor fünf Jahren ist die unglaublich rüstige Frau Stockner noch jeden Tag stundenlang im Wald mit ihren Walkingstöcken spazieren gegangen. Das geht jetzt nicht mehr. Aber wenn sie sich anhalten kann, schafft sie einige Schritte im Hof. „Rollator will sie keinen haben“, sagt die 76-jährige Christl. Dafür fühlt sie sich offenbar noch zu fit.
Zur Welt kam Maria Stockner 1918, im selben Jahr, als die Republik Österreich ausgerufen wurde. Hineingeboren in das Elend nach dem Ersten Weltkrieg. Von klein auf war ihr Alltag bestimmt durch große Not und Hunger. Damit die Familie mit acht Kindern überleben konnte, mussten alle mit anpacken.
„Alle anderen sterben“
Im Graz der 1930er-Jahre wurde Maria Stockner dann Kindermädchen. Allein zog sie neben der Arbeit auch ihre drei Söhne groß. Nur der Mittlere ist noch am Leben, auch ihre Geschwister sind tot. „Alle anderen sterben, nur ich nicht“, sagt sie oft. Und kann selbst nicht glauben, wie lange sie schon auf dieser Welt ist.
Was ihr neben einem panierten Schnitzerl und einer weißen Mischung große Freude bereitet, ist, wenn jemand mit ihr mit dem Auto spazieren fährt. Da kommen dann viele Erinnerungen an früher hoch. Denn sie war immer gerne unterwegs. „Leider ist nicht immer Zeit dafür“, bedauert ihr Sohn Siegfried. Aber heuer zum 108. Geburtstag im Juni geht sich sicher ein Ausflug aus.
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