Bauern in großer Sorge

Was das Mercosur-Abkommen für Konsumenten heißt

Wirtschaft
09.01.2026 22:17

Mehr als ein Vierteljahrhundert lang wurde verhandelt – jetzt soll das Freihandelsabkommen zwischen der EU und den südamerikanischen Mercosur-Staaten tatsächlich kommen. Was das Abkommen für die Konsumenten, Landwirte und die EU heißt.

Mit dem Abkommen soll eine der weltweit größten Freihandelszonen mit mehr als 700 Millionen Menschen entstehen. Wer profitiert, für wen gibt es Risiken? Hier die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:

Was erhofft sich die EU von dem Freihandelsabkommen?
Im Endeffekt geht es um Jobs und Wohlstand. Über einen besseren Zugang zu den Märkten in den Mercosur-Ländern sollen europäische Unternehmen neue Wachstumsmöglichkeiten bekommen. Bisher müssen Importeure von EU-Waren zum Teil sehr hohe Zölle zahlen, die der Wettbewerbsfähigkeit schaden. Die Zölle sollen nun schrittweise abgebaut werden. Am Ende könnten pro Jahr Abgaben in Höhe von rund vier Milliarden Euro eingespart werden, hat die EU-Kommission ausgerechnet.

Werden auch Verbraucher Vorteile haben?
Durch den Abbau der Zölle könnten Preise für importierte Produkte aus den Mercosur-Staaten sinken – zum Beispiel für Fleisch, Obst, Soja, Kaffee und Zucker. Zum Schutz der EU-Landwirtschaft sollen bei bestimmten Agrarprodukten die Märkte aber nicht vollständig geöffnet werden. Die Zollerleichterungen würden dort nur für eine bestimmte Liefermenge gelten.

Das Mercosur-Abkommen

  • Die „Mercosur“-Gruppe besteht aus den südamerikanischen Ländern Argentinien, Brasilien, Bolivien, Paraguay und Uruguay.
  • Die EU verhandelt mit der Mercosur-Gruppe (außer Bolivien) seit Jahrzehnten über ein Freihandelsabkommen. Dieses soll etwa Zölle abschaffen und den Handel so attraktiver machen.
  • Dabei geht es etwa um den Import von Rindfleisch, Geflügel oder Zucker in die EU. Europäische Unternehmen exportieren vor allem Autos und chemische Produkte.

 

Was haben die europäischen Bauern gegen den Deal?
Die Landwirte in Europa befürchten, im Wettbewerb mit den südamerikanischen Großbauern nicht bestehen zu können. Im Mercosur wird in deutlich größerem Maßstab produziert, was Kostenvorteile mit sich bringt. Die europäischen Bauern beklagen auch, dass für sie strengere Regeln beispielsweise beim Umweltschutz und bei der Lebensmittelsicherheit gelten als für die südamerikanischen Konkurrenten. 

Die EU weist die meisten Vorwürfe als ungerechtfertigt zurück und betont, dass die gesamtwirtschaftlichen Vorteile eindeutig überwiegen würden. Um den Landwirten Existenzsorgen zu nehmen, wurde zudem ein umfangreiches Sicherheitsnetz gespannt. Dieses soll es unter anderem ermöglichen, dass Zollvorteile bei gefährlichen Preisrückgängen wieder zurückgenommen werden können.

Warum kritisieren Umweltschützer das Freihandelsabkommen?
Sie befürchten, dass die neuen Absatzchancen für landwirtschaftliche Produkte die Umweltzerstörung befeuern könnten. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace bezeichnete das Abkommen am Freitag als „Desaster für den Amazonas-Regenwald“. Sie ging zuletzt davon aus, dass die Abholzungsraten in der Mercosur-Region wegen der höheren Importquoten für Rindfleisch in den nächsten Jahren um fünf Prozent pro Jahr steigen werden.

Was macht den Mercosur für die EU so interessant?
Die Mercosur-Länder Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay bilden zusammen die sechstgrößte Wirtschaftsregion der Welt. 2024 importierten sie aus der EU Waren im Wert von rund 53 Milliarden Euro, in umgekehrter Richtung betrug das Exportvolumen etwa 57 Milliarden Euro. An EU-Exporten in die Mercosur-Länder hängen nach EU-Angaben mehr als 750.000 Arbeitsplätze.

Wann wird das Abkommen in Kraft treten?
Das ist noch nicht ganz klar. Rechtlich könnte es bereits direkt nach dem Abschluss vorläufig angewendet werden – also sogar noch vor einer ausstehenden Abstimmung im Europäischen Parlament. Zuletzt wurde allerdings erwartet, dass die zuständige EU-Kommission von Ursula von der Leyen die Abstimmung abwartet. Die Zustimmung des Parlaments gilt als sehr wahrscheinlich. Die Unterzeichnung des Abkommens soll bereits in den nächsten Tagen erfolgen.

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