Die Tirolerin Carmen Gapp (49) ist seit rund 25 Jahren für den Verein „Frauen helfen Frauen“ tätig. Als Kind suchte sie selbst Zuflucht im Frauenhaus. Im Radio-U1-Interview mit Vitus Amor spricht sie sehr offen über ihre Erlebnisse und hat vor allem für junge Frauen eine Botschaft.
„Wie geht‘s da?“ Diese Frage stellt Vitus Amor in seiner Radio-U1-Sendung seit dem Jahr 2024 Tiroler Persönlichkeiten. In Folge 21 geht es um das Thema „Gewalt an Frauen“. Zu Gast ist Carmen Gapp (49), sie arbeitet seit mehr als 25 Jahren bei der Organisation „Frauen helfen Frauen“ in Tirol. Die Sendung wird am 13. Jänner um 20 Uhr ausgestrahlt.
Diese Initiative bietet betroffenen Frauen Beratung, Schutz und vor allem neue Perspektiven. Das erfahrene Team unterstützt bei rechtlichen, sozialen, psychosozialen und finanziellen Fragen – kostenlos, vertraulich und auf Wunsch auch anonym. Wie wichtig eine derartige Organisation ist, untermauern folgende Zahlen: Jede dritte (!) Frau in Tirol erlebt mindestens einmal im Leben physische Gewalt. 2024 haben die Mitarbeiterinnen von „Frauen helfen Frauen“ insgesamt 2031 (!) Klientinnen beraten. Die Dunkelziffer ist deutlich höher.
Die Sendung wird am Dienstag, dem 13. Jänner 2026, um 20 Uhr bei Radio U1 Tirol ausgestrahlt. Wiederholt wird sie am Montag, dem 19. Jänner 2026, um 20 Uhr. Zudem kann sie jederzeit auch auf YouTube, Spotify, Apple Podcast sowie auf der Radio-U1-Tirol-Homepage nachgehört werden. Einfach auf den QR-Code klicken.
„Die Kinder erzählen es meistens in der Schule“
Wird eine Frau Zuhause von ihrem Partner geschlagen, dauert es oftmals lang, bis sie den Mut aufbringt und sich Hilfe holt. „Eine Betroffene hat 30 Jahre lang das Martyrium ertragen, bevor sie ausgebrochen und zu uns gekommen ist. Sie hatte zwei Kinder geboren und das Umfeld hat es nicht zugelassen, dass sie früher gegangen ist“, erinnert sich Gapp.
Es gäbe diverse Formen von Gewalt – etwa die psychische und physische. „Zweitere ist sichtbar und fällt auf – etwa wenn die betroffene Frau verzögernd reagiert oder Kinder Verhaltensauffälligkeiten an den Tag legen. Die Kinder erzählen es meist in der Schule oder Vertrauenspersonen, dass der Papa die Mama geschlagen hat. Folglich wird das gemeldet und das Prozedere nimmt seinen Lauf“, berichtet die 49-Jährige.
Dass meine Mama damals diesen Schritt gewagt hat, war ein Befreiungsschlag. Denn das Elend Zuhause war wirklich sehr groß.
Carmen Gapp (49)
„Frauenhäuser sind zu 95 % ausgelastet“
Neben diversen Beratungen kann die Organisation Betroffene etwa auch in einem der vier Frauenhäuser in Tirol – es gibt zwei in Innsbruck, eines im Unterland und eines im Oberland; die Adressen bleiben anonym – unterbringen. „Diese sind zu 95 % ausgelastet. Immer wieder befinden sich Frauen auf der Warteliste, dann ist wieder für zwei bis drei Tage ein Platz frei. Wir versuchen jedenfalls, stets einen Platz zu finden, um die Frauen in Sicherheit zu bringen“, versichert Gapp.
Sind die Täter meist Ausländer, wie immer wieder zu hören ist? „Nein, das stimmt nicht. Sie stammen von verschiedenen Kulturen ab, es betrifft alle Schichten – Ehefrauen von Ärzten, Professoren bis hin zu Arbeitern“, klärt die Tirolerin auf.
Eigene Mutter hat von Ehemann Gewalt erfahren
Die 49-Jährige weiß, was sie tut. Als Kind lebte sie selbst rund ein Jahr lang im Frauenhaus – mit ihrer Mama, die von ihrem Ehemann und somit ihrem Papa geschlagen wurde, und ihren beiden Schwestern. Die zwei Brüder blieben beim Vater. „Dass meine Mama damals diesen Schritt gewagt hat, war ein Befreiungsschlag. Denn das Elend Zuhause war wirklich sehr groß.“
Es gibt nach wie vor Menschen, die der Meinung sind, dass Gewalt an Frauen kein großes Thema sei. „Ihnen rate ich, genauer hinzuschauen, was etwa in der Nachbarschaft passiert. Sie sollen noch so kleine Zeichen wahrnehmen und das dann ansprechen“, so Gapp.
„Sie sollen bewusst die rosarote Brille ablegen“
Und wie lautet ihre Botschaft für junge Frauen? „Sie sollen genau analysieren, wer ihr Gegenüber ist. Nach einiger Zeit sollen sie bewusst die rosarote Brille ablegen und sich damit auseinandersetzen, welche Eigenschaften dieser Mann hat und ob sie mit ihm wirklich alt werden möchten.“
Carmen Gapp gibt noch viele weitere spannende Details preis. Zum Beispiel beantwortet sie die Frage, ob sie ihrem Vater, der mittlerweile verstorben ist, je verzeihen konnte. Zu hören am Dienstag, den 13. Jänner 2026, um 20 Uhr auf Radio U1 Tirol (Wiederholung: 19.1. um 20 Uhr).
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