Er gilt als einer der bedeutendsten Künstler, Wissenschaftler und Erfinder seiner Zeit. Fortschritte in Bezug auf das Extrahieren alter DNA haben eine Forschergruppe dazu animiert, nach Überbleibseln des Erbgutes des „Universalgelehrten“ zu suchen. Von einem nicht ganz unumstrittenen Bild wurden biologische Spuren von DNA entnommen.
Neben den recht wenigen Gemälden des Naturwissenschafters und Künstlers gibt es eine Vielzahl an Zeichnungen und Notizen, die Leonardo da Vinci hinterlassen hat. Darunter sind bekanntlich zahlreiche fortschrittliche technische oder anatomische Studien, die sein breites geistiges Spektrum illustrieren.
Daneben gibt es auch noch Arbeiten, bei denen die Urheberschaft nicht vollständig geklärt ist. Dazu zählt u.a. die Zeichnung „Heiliges Kind“, die vermutlich zwischen 1472 und 1476 entstand. Ob allerdings der Meister selbst hier Hand angelegt hat, oder etwa jemand anders aus seiner Werkstätte die Darstellung angefertigt hat, ließ sich bisher nicht klären.
Trotzdem machten sich Forscher daran, DNA-Spuren von der Rötelzeichnung zu extrahieren, die den Kopf eines Kindes zeigt. Auf der Vorder- und Rückseite des Blattes wurden biologische Proben entnommen und mit einem Sequenzierverfahren analysiert.
Neben einem vielfältigen Gemisch aus Bakterien-, Pilz-, Pflanzen- und Tier-DNA fanden die Forschenden auch menschliche Erbsubstanz. Besonders interessiert waren sie an Fragmenten des Y-Chromosoms, das über die väterliche Linie vererbt wird. Diese Sequenzen ordneten sie einer genetischen Gruppe zu, die heute im Mittelmeerraum und in der Toskana verbreitet ist.
„Hinweis, aber kein Beweis“
Zum Vergleich untersuchte das Forschungsteam historische Briefe eines Verwandten Leonardo da Vincis aus dem 15. Jahrhundert. Dabei fanden sich Y-Chromosom-Merkmale derselben übergeordneten Linie. „Das ist ein wichtiger erster Hinweis, aber kein Beweis“, betonen die beteiligten Wissenschafter laut dem Newsmagazin „Science“. Die DNA sei stark fragmentiert und könne von mehreren Personen stammen, die die Objekte im Lauf der Jahrhunderte berührt hätten.
Keine direkten Nachkommen
Sein Grab im französischen Amboise wurde im 19. Jahrhundert mehrfach gestört, zudem hatte er keine direkten Nachkommen. Das internationale Projekt verfolgt nun mehrere parallele Ansätze. Neben der Analyse von Kunstwerken wollen die Forscher DNA von heute lebenden männlichen Nachfahren aus der väterlichen Linie untersuchen. Zusätzlich wurden in einer Kirche im toskanischen Vinci Knochen geborgen, die möglicherweise von nahen Verwandten stammen. Erste Datierungen passen zeitlich in das Umfeld von da Vincis Familie.
Verunreinigungen durch Lagerung
Das Forschungsteam weist zugleich auf klare Grenzen der eigenen Methode hin. Oberflächen-DNA auf Kunstwerken sei extrem anfällig für Verunreinigungen durch Nutzung und Lagerung. Genetische Aussagen müssten daher besonders zurückhaltend interpretiert werden.
Trotzdem sehen die Beteiligten großes Potenzial in ihrem Ansatz. Biologische Spuren könnten die kunsthistorische Forschung künftig ergänzen, etwa bei der Authentifizierung umstrittener Werke oder beim Schutz von Kulturgütern. Ob sich damit eines Tages zweifelsfrei Leonardo da Vincis eigene DNA nachweisen lässt, bleibt offen.
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