Update vom Prozess:

Ex-Professor muss mit nur einem Arm in „Anstalt“

Oberösterreich
08.01.2026 09:00

Er ist ein armer, kranker Mann – und jetzt nicht nur psychisch, sondern nach einer Auseinandersetzung mit der Cobra auch körperlich. Ein ehemaliger Englisch-Professor (59) aus dem Mühlviertel wurde heute in eine forensische Anstalt eingewiesen. Zu groß sei die Gefahr, dass er wieder jemanden bedrohe. Beim Prozess war er voll geständig.

Lange hat er seine Krankheit, an der er seit seinem 18. Lebensjahr leidet, negiert. „Jetzt werde ich jeden Tag an die Auswirkungen meiner Geisel erinnert“, sagt der Ex-Professor und blickt auf den Stumpf seines linken Arms. Abgeschossen von Polizisten am 4. September, als es wieder einen groben „Auslenker“ gegeben hatte. Es hatte schon vorher „Brösel“ gegeben, denn der ehemalige Lehrer leidet an einer „schizoaffektiven Psychose“ und wenn er seine Tabletten nicht nimmt, dann sieht er rot. Diesmal glaubt er, sein altes Sacherl in Rainbach im Mühlkreis „verteidigen“ zu müssen. Den Nachbarn (46) und dessen Sohn (5) bedrohte er mit einem in Tschechien erworbenen „Flobert-Revolver“, den er trotz eines Waffenverbots besessen hatte, schoss auch herum. Der 59-Jährige glaubte, dass die Nachbarn nicht auf der öffentlichen Straße, sondern auf seinem Grund und Boden gewesen seinen.

Verletzter schoss nochmal
Die verängstigten Mühlviertler flohen durch ein Wäldchen, riefen die Polizei und die schickte die Cobra. Laut Anklage habe der Ex-Professor dann gezielt auf einen der Elite-Beamten geschossen, trotz „Ansprache“ nicht aufgehört und habe wieder gezielt. Dann feuerte der Polizist laut verlesener Aussage zweimal – und traf den Gegner unter anderem so im linken Arm, dass dieser amputiert werden musste. Angeblich habe der 59-Jährige trotz Verletzung nochmal geschossen, ehe er zu Boden ging.

Auch Polizist beschuldigt
„Ich übernehme die volle Verantwortung“, sagte der Betroffene, der offiziell kein Angeklagter ist, und Anwalt Andreas Mauhart will erreichen, dass sein Mandant, der zum Tatzeitpunkt nicht zurechnungsfähig gewesen sei, nicht lange in der „Forensik“ bleiben muss. Denn ist der 59-Jährige „eingestellt“, sei er keine Bedrohung. Das bestätigte auch die forensische Gutachterin Adelheid Kastner. Den Vorwurf des Widerstands gegen die Staatsgewalt bekämpfte Mauhart auch nicht, weil es am Prozessausgang nichts ändern würde, erhebt aber gegen den Cobra-Beamten schwere Vorwürfe. „Man hätte auch anders handeln können. Man hätte nicht gleich die Kampftruppe schicken müssen.“

Er beschuldigt diesen, überschießend, bzw. nicht korrekt gehandelt zu haben, als er die Schüsse abgab – eine Bodycamaufzeichnung des Vorfalls gibt's aber nicht, da die Cobra diese nicht tragen muss. Das Verfahren läuft noch, wird an einem anderen Tag verhandelt werden, falls Anklage erhoben wird.

„Will in Ruhe leben“
„Mein Ziel ist, ausgeglichen und in Ruhe zu leben“, sagt der Ex-Professor, der sich beim Prozess sehr kooperativ verhält und völlig einsichtig ist. Doch Primaria Kastner gibt zu bedenken, dass es wieder „Auslenker“ geben wird, wenn die Medikamente abgesetzt werden. „Ich glaube nicht, dass von meinem Mandanten weiter eine Gefahr ausgeht“, sagt Mauhart. Der Prozess war dann schneller vorbei, als geplant – vorläufig muss in der Unterbringung bleiben.

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