Nach Silvester-Inferno

Crans-Montana „bereut“ schwere Kontrolllücken

Ausland
06.01.2026 13:41

Nach dem verheerenden Brand in einer Bar in Crans-Montana mit 40 Todesopfern und 116 Verletzten rücken massive Versäumnisse bei den Brandschutzkontrollen in den Mittelpunkt. Bekannt wurde nun, dass das betroffene Lokal über Jahre hinweg nicht überprüft worden war – ein Umstand, der nach der Katastrophe eine breite Debatte über Zuständigkeiten, Ressourcenmangel und die Wirksamkeit der bestehenden Vorschriften ausgelöst hat.

Im Schweizer Kanton Wallis sind die Gemeinden selbst für die Kontrolle der Brandschutzbestimmungen zuständig. Doch viele von ihnen seien damit überfordert, erklärten ein Brandschutzexperte sowie die Zermatter Gemeindepräsidentin Romy Biner gegenüber dem Schweizer Radio und Fernsehen (SRF). Es fehle häufig an Personal und Fachwissen. „Oftmals ist es ein Ressourcenproblem“, sagte Biner.

„Wir bereuen das bitterlich“ – nach dem Feuer rückt das Systemversagen in den Fokus
„Wir bereuen das bitterlich“ – nach dem Feuer rückt das Systemversagen in den Fokus(Bild: AFP/MAXIME SCHMID)

Oft nur eine Person für Kontrollen verfügbar
In Zermatt sei bis zum vergangenen Jahr lediglich eine Person für entsprechende Kontrollen verantwortlich gewesen, inzwischen sei eine zweite Stelle geschaffen worden. Zudem arbeite man nun mit der Berner Gebäudeversicherung zusammen. Kontrollen habe es zwar gegeben, „aber nicht in dem Rhythmus, wie es das Gesetz verlangen würde“.

Der Walliser Brandschutzexperte Hugo Cina plädierte dafür, dass sich Gemeinden zusammenschließen und regional ausgebildete Fachkräfte für diese Aufgabe einsetzen. Viele der derzeit zuständigen Personen seien nicht ausreichend geschult.

Fünf Jahre nicht kontrolliert worden
Besonders schwer wiegt die Situation in Crans-Montana selbst. Die Bar „Le Constellation“, in der das Feuer ausbrach, war laut Bürgermeister Nicolas Féraud zwischen 2020 und 2025 weder brandschutz- noch sicherheitstechnisch kontrolliert worden.

„Wir bereuen das bitterlich“, sagte Féraud bei einer Pressekonferenz. Das Walliser Gesetz sieht für öffentlich zugängliche Gebäude eigentlich jährliche Kontrollen vor. In den Jahren 2017 bis 2019 hätten die Behörden allerdings keine Mängel an der verbauten Lärmschutzdecke festgestellt.

Gemeinde sieht sich auch als „Opfer“
Die Gemeinde Crans-Montana will sich dennoch als Nebenklägerin am Strafverfahren beteiligen. Dies sei kein Widerspruch, so Féraud: „Wir sind auch Opfer und Betroffene dieses Dramas.“ Ob die Gemeinde als Nebenklägerin zugelassen wird, entscheidet die Justiz. Sämtliche relevanten Unterlagen seien der Staatsanwaltschaft übergeben worden.

Auf Fragen nach einer Entschuldigung gegenüber den Angehörigen sagte der Bürgermeister: „Wir sind sehr traurig.“ Sollte es eine strafrechtliche Verantwortung geben, werde die Gemeinde dazu stehen.

Feuerwerksfontänen lösten Drama aus
Das Feuer war in der Silvesternacht ausgebrochen, als zahlreiche junge Menschen den Jahreswechsel in der Keller-Bar feierten. Die Hälfte der Todesopfer war minderjährig, das jüngste Opfer erst 14 Jahre alt.

Laut Ermittlungen wurden an Sektflaschen befestigte Feuerwerksfontänen gezündet und dabei zu nahe an die Decke gehalten. Gegen die Betreiber des Lokals wird wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung und fahrlässiger Brandstiftung ermittelt.

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