Crans-Montana-Drama

Ex-Mitarbeiter berichten von „Notausgang-Verbot“

Ausland
05.01.2026 14:18
Porträt von krone.at
Von krone.at

Nach der Feuerkatastrophe in der Bar „Le Constellation“ im Schweizer Skiort Crans-Montana mit mindestens 40 Todesopfern erheben ehemalige Mitarbeiter schwere Vorwürfe: Ein Notausgang soll immer geschlossen gewesen sein. Den Angestellten soll es verboten worden sein, diesen zu öffnen.

In einem Gespräch mit dem französischen TV-Sender BFMTV erklärten gleich zwei Ex-Angestellte der Bar, dass das Sicherheitskonzept äußerst fragwürdig gewesen sei. Eine ehemalige Mitarbeiterin erklärte, dass „der Notausgang verschlossen war, weil er direkt in ein anderes Gebäude führte“. Es sei verboten gewesen, diese Tür zu öffnen. 

Ex-Angestellte überzeugt: Opferzahl hätte verringert werden können
Der einzige Ausweg aus dem Flammeninferno führte daher über eine kleine Treppe nach oben. „Es ist sehr eng, wäre die Tür hinten, gegenüber den Toiletten, offen gewesen, hätte das die Zahl der Opfer verringert“, ist die ehemalige Mitarbeiterin überzeugt. Ein weiterer Ex-Angestellter erklärte, dass es „kein Zufall sei, dass es zu einem Drama gekommen“ ist.

Er zählte weitere Probleme auf, die ihm aufgefallen waren: „Isoliermatten, kein Zugang zu Feuerlöschern, nicht geschultes Personal, nur ein Sicherheitsbeamter vor Ort, ein Notausgang, der manchmal blockiert oder verschlossen war“.

In dieser Grafik wird deutlich, wie die Bar zur Todesfalle werden konnte.
In dieser Grafik wird deutlich, wie die Bar zur Todesfalle werden konnte.(Bild: Diverse Fotografen honorarfrei)

Keine Untersuchungshaft für Lokal-Betreiber
Die Ermittler prüfen nach der Katastrophe, ob den Betreibern ein Fehlverhalten angelastet werden kann. Ihnen werden fahrlässige Tötung, fahrlässige Körperverletzung sowie fahrlässige Verursachung einer Feuersbrunst vorgeworfen. Bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung gilt die Unschuldsvermutung, wurde betont. Die Kriterien für eine Untersuchungshaft seien derzeit aber nicht erfüllt, heißt es von der Walliser Staatsanwaltschaft.

Derzeit bestehe kein Verdacht, dass sich die Beschuldigten, ein französisches Paar, dem Strafverfahren oder einer zu erwartenden Strafe durch Flucht entziehen wollen. Auch die anderen Kriterien wie Rückfall- oder Kollusionsgefahr kommen nicht in Betracht, sagte die Generalstaatsanwältin Béatrice Pilloud.

Decke mit „Wunderkerzen“ in Brand gesteckt
Laut Staatsanwaltschaft deutet alles darauf hin, dass das Feuer von „Wunderkerzen“ ausging, die auf Champagnerflaschen angebracht waren. Wie auf Bildern in den sozialen Netzwerken zu sehen ist, dürfte eine Person auf den Schultern einer anderen Person versehentlich die Decke in Brand gesetzt haben. Die Ermittler konzentrieren sich nun unter anderem auf den Lärmschutzschaum, der an der Decke angebracht war.

Nach der Feuerkatastrophe legen zwei andere bekannte Wintersportorte des Alpenlandes einen verstärkten Fokus auf Brandschutz. Im Schweizer Radio SRF kündigten am Montag Lokalpolitiker in Adelboden und Lauterbrunnen vor den Ski-Weltcuprennen der nächsten Wochenenden an, Gastronomie-Betriebe in die Pflicht zu nehmen, um für die Sicherheit der Fans zu sorgen.

Der Schweizer Präsident Guy Parmelin verwies im TV-Sender SRF auf Berichte, wonach bereits viele Lokalbetreiber in der Schweiz beschlossen hätten, künftig auf Pyrotechnik in Innenräumen zu verzichten. Die Regierung müsse kein offizielles Verbot beschließen, „aber ich glaube, dass die notwendigen Lehren zum gegebenen Zeitpunkt daraus gezogen werden“, sagte der Politiker der rechtskonservativen SVP.

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