Mit ihren frechen Deutschpopsongs erobert die Wienerin Ella Stern seit geraumer Zeit die Herzen auf TikTok und Instagram. Langsam schwappt ihre Popularität auch auf das reale Leben über. Ihre neue EP „Darf ich bitten?“ stellt sie heute Abend (12. Dezember) live im Wiener Chelsea vor. Der „Krone“ gibt sie vorab Einblick in ihr Leben und ihre Ziele.
Bei Ella Stern gibt es keine halben Sachen. Ehemaligen Lovern wünscht sie gerne mal die Hölle oder die Pest an den Hals („Von Herzen“), andere Typen sind zu wenig hot, deshalb „leider not“. Insofern passt es ganz gut, dass sie sich im männlich dominierten Austropopstaat vor einigen Monaten auf die Gloriette stellte, um als „Kaiserin von Wien“ ihre verdiente Regentschaft anzumelden. Dies wäre eine erste kleine Beschau der Mittzwanzigerin aus Wien, die zunehmend die heimische Pop-Landschaft aufwirbelt. Wenn Sie von Ella Stern bislang wenig bis nichts gehört haben, dann sind Sie wahrscheinlich nicht regelmäßig genug auf TikTok oder Instagram unterwegs oder haben mit deutschsprachigem Pop an sich nicht viel Freude. In kalte Wasser gestoßen wurde sie schon im Vorprogramm von Superstar Josh., beim Frequency Festival absolviert sie diesen Sommer erfolgreich ihre Generalprobe auf der bis dato größten Bühne ihrer bisherigen Karriere.
Weibliches Empowerment mit Schmäh
„Beim Frequency hatte ich das erste Mal so richtig viel Platz, um herumzulaufen“, lachte sie im Sommer im „Krone“-Gespräch, „ich glaube, ich muss öfter joggen gehen. Am Ende des Sets bin ich fast gestorben. Da war ich schon völlig kaputt.“ Stern zieht vor allem junges und weibliches Publikum in ihren Bann. In ihren Singles geht es um Beziehungsprobleme, Coming-Of-Age-Themen und die vielen Unzulänglichkeiten des männlichen Geschlechts in diversen Lebenssituationen. Mit dieser Mischung aus Deutschpop, süffisant-humoristischer Ironie und doch auch klar adressierter Kritik ragt sie perfekt in das Zeitalter weiblichen Empowerments im Pop-Zirkus und begeistert jene, die sich sehr gut mit den Sorgen und Nöten ihrer Lieblingskünstlerin auseinandersetzen könnten.
Ein kurzer Abriss der Ella-Stern-Historie: Sie kommt in Wien zur Welt und weiß schon im frühen Kindheitsalter, dass sie mal als Sängerin auf der Bühne stehen möchte. Miley Cyrus in ihrer Kindheitsparaderolle als Hannah Montana ist für Stern wie eine Bibel. „Ich wollte genau so sein, wie sie. Mir hat immer imponiert, wie cool Miley ihre Probleme löste.“ Nachdem Stern gerne tanzt und schauspielert, zieht sie als älterer Teenager für eine Musicalausbildung ins kühle Hamburg und wird in diesen vier Jahren Norddeutschland mit interessanten Erkenntnissen konfrontiert. „Als ich mit der Ausbildung fertig war, kam Corona.“ Keine Auditions, keine Rollen, keine Zukunft – zudem verlor Stern die Freude am Singen. Also flugs zurück nach Wien. Durchatmen, abhaken, Tapetenwechsel. Sie beginnt auf ihren Social-Media-Plattformen mit ersten Coversongs und geht damit schnell steil. „Ich habe Wien zu der Zeit neu kennen- und lieben gelernt und das schlug sich auf die Songs nieder.“
Die Phase blieb
Obwohl Stern in den ersten Jahren ihres Lebens konstant auf Englisch singt, ist für sie – wie für so viele – die große Christina Stürmer Vorbild und Inspiration in Generalunion. „Es hat sich natürlicher, ehrlicher angefühlt. Insgesamt ist viel Zeit ins Land gezogen, bis ich die Menschen gefunden habe, mit denen ich vertrauensvoll arbeiten möchte. Als ich als Kind das Radio anmachte, lief immer Stürmer. Ich fand Englisch faszinierend, aber mit ihr hat sich das Blatt bei mir gedreht.“ Neben Klavier-, Schlagzeug- und Gesangsunterricht ist sie mit der vorteilhaften Gabe gesegnet, eigene Songs zu schreiben. Bis sie sie öffentlich teilen würde, sollte noch eine Zeit vergehen, der Boden war aber früh bereitet. „In meiner Familie haben alle immer von einer Phase gesprochen. Das kennt man, wenn mal mit Kunst und Kultur seinen Lebensunterhalt verdienen will. Die Phase ging halt nie weg“, schmunzelt Stern wissend.
Die Mischung aus ehrlichen und frechen Songs, den richtigen Umgang mit Social Media und einer angeborenen Lässigkeit spülen Stern in der Karriere schnell voran – nicht schlecht für jemanden, der sich einst im harten Wettbewerb des Kiddy Contest mit der Konkurrenz maß. „Ich spüre, dass ich mich musikalisch in meiner Findungsphase befinde. Mal Pop, mal mehr Rap, mal Indie - es ist alles erlaubt und erwünscht. Heute hat alles seine Daseinsberechtigung und das ist gut so. Ich habe mir selbst irgendwann gesagt: ,Ich bin auf meinem Weg, egal wie lange er dauert und ob ich da auch mal mehr Zeit brauche – es ist okay so‘. Obwohl sie in ihren Songs recht klar und deutlich kritisiert, ist die Wienerin privat harmoniebedürftig. „Ich habe das Gefühl, dass ich in meiner Musik ein Stück mutiger sein darf. Dort kann ich ganz klar sagen, was mich bewegt und muss mich nicht verstecken.“ Die stilistische Vielseitigkeit leitet sich von den eigenen Hörgewohnheiten ab. „Auf meiner Spotify-Statistik siehst du genauso harten Rap wie cute, tanzbare Pop-Nummern. Die Frage ist nur, worauf ich gerade Lust habe.“
Noch einmal live in Wien
Trotz des starken Teams, mit dem sich Stern kompositorisch mittlerweile umgibt, weiß sie für gewöhnlich genau, wohin die Reise gehen soll. „Sich durchzusetzen und dem eigenen Grundgedanken zu folgen und zu vertrauen, war ein Lernprozess. Manchmal lässt man sich in Songwritingsessions Ideen austreiben oder lässt sich verunsichern. Das kann aber auch ein Vorteil sein, weil die eigene Idee nicht immer die beste ist. Songs zu schreiben, ist irre spannend.“ 2026 darf man wohl mit einem ersten Album und großen Shows rechnen, heute Abend, am 12. Dezember, gibt es noch den Wiener Live-Kehraus im Wiener Chelsea – das Konzert ist seit Wochen ausverkauft. „Ich möchte, dass das Konzert für alle ein kleiner Safe Space wird und sich die gute Laune auf alle Anwesenden erstreckt. Es ist wohl die letzte Möglichkeit, Ella Stern in absehbarer Zeit in so intimem Rahmen zu sehen.
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