Wildes Gestikulieren mit dem rechten Arm, ein auffallend rollendes „R“ – mit seinem Auftritt weckte ein Teilnehmer auf einer Veranstaltung der AfD-Jugendorganisation Erinnerungen an Adolf Hitler. Die Aufregung ist groß, die AfD prüft Konsequenzen und manche glauben, dass alles nur Satire ist.
Alexander Eichwald bewarb sich am Samstag beim Gründungskongress der neuen AfD-Jugendorganisation im deutschen Gießen um einen Vorstandsposten. Seine Rede war so befremdlich, dass ein Parteimitglied fragte, ob Eichwald ein Agent des Verfassungsschutzes („V-Mann“) sei, was Jubel im Saal auslöste. „Anders kann man sich das doch gar nicht ... also wirklich“, sagte er völlig fassungslos.
Eichwalds Rede war tatsächlich bemerkenswert. Er sprach von einem „deutschen Volkskörper“ und der „nationalen Pflicht, die deutsche Kultur vor fremden Einflüssen zu schützen“. Eichwald philosophierte über Schweine, die in Kuhställen zur Welt kommen, aber trotzdem Schweine bleiben. Er gestikulierte bei seiner Rede auffallend stark mit dem rechten Arm und sein rollendes „R“ – das tatsächlich Ähnlichkeiten mit dem von Adolf Hitler hat – war nicht zu überhören. Eichwald selbst erklärte seine „R“-Aussprache damit, dass er Russlanddeutscher sei.
In den sozialen Netzwerken wurden Videos von der Rede geteilt:
Eichwalds Auftritt war so ungewöhnlich, dass Journalisten ihn fragten, ob er seine Rede ernst meine. Auch auf der Plattform X wurde spekuliert, ob es sich um einen Satiriker oder Provokateur handle, der der Partei schaden wolle.
Sitzt für AfD in Ausschuss
Klar ist: Eichwald ist für die AfD als „sachkundiger Bürger“ im Stadtrat von Herford (NRW) tätig, unter anderem im Jugendhilfeausschuss. In Deutschland können „sachkundige Bürger“ in Ausschüsse gewählt werden, ohne dass sie Ratsmitglieder sein müssen. Auffällig ist aber, dass Eichwald erst seit 7. November ein solcher „sachkundiger Bürger“ ist.
Womöglich war Eichwald in der Vergangenheit nicht immer auf der Parteilinie der AfD. 2019 soll er als Praktikant bei der Gleichstellungsbehörde in Herford gearbeitet haben, wie die „Bild“-Zeitung berichtet. Außerdem soll er früher unter dem Namen „Alex Oak“ als Künstler und Musiker im Netz aktiv gewesen sein. Seine Online-Konten löschte er, doch alte Bilder fand die deutsche Zeitung noch.
Parteispitze prüft Konsequenzen
Trotz des Auftritts erhielt Eichwald bei der Stichwahl für den Vorstand übrigens zwölf Prozent der Stimmen. Zum Chef der Organisation mit dem Namen Generation Deutschland (GD) wurde dann der Brandenburger Landtagsabgeordnete Jean-Pascal Hohm gewählt.
Die Rede könnte für Eichwald aber ein Nachspiel haben. AfD-Parteichef Tino Chrupalla kündigte eine Prüfung an. Eichwald habe sich „von den Grundsätzen der Partei distanziert“, so Chrupalla zur Deutschen Presse-Agentur. Der Bundesvorstand missbillige den Auftritt und werde deshalb eine Prüfung seiner Daten und Mitgliedsrechte vornehmen.

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