Peter Gnam ist tot

Baba, Peter – ab jetzt sind wir per Du …

Innenpolitik
22.11.2025 12:22

Peter Gnam, die Innenpolitik-Legende der „Krone“, ist am Samstag im Alter von 84 Jahren verstorben. Ein Nachruf von seinem Kollegen und Freund Christian Hauenstein.

„Gnam! Gnam! Gnam!“ Irgendwie war ich immer ein bisschen stolz, wenn meine Frau diese Worte zu mir gesagt hat. Sie hat dabei auch immer gelächelt.

Dabei war die Bedeutung dieser Worte eigentlich nicht besonders schmeichelhaft. Ich soll nicht schon wieder so unleidlich sein, wollte meine Frau damit sagen. Oder ruppig. Oder sogar unhöflich.

Aber so war er, der Peter Gnam. Im Büro genauso wie auch privat. Er hat das nicht böse gemeint. Im Gegenteil. Er konnte auch über Rapid in einem Ton sprechen, bei dem man niemals geglaubt hätte, dass der Fußballverein in Wien-Hütteldorf eine seiner ganz großen Lieben war. Nur seine Familie, sein Enkerl Mimi, seine Tochter Claudia und seine Frau Isolde waren ihm noch wichtiger.

Und gleich nach seiner Familie und dem Fußball kam die „Krone“. Das klingt vielleicht ein bisschen kitschig, war aber tatsächlich so. Auch nach all den Jahren, die er mittlerweile in Pension war.

Auf den Seiten 2 und 3 der Kronen Zeitung war Peter Gnam beruflich zu Hause. Am Samstag starb er ...
Auf den Seiten 2 und 3 der Kronen Zeitung war Peter Gnam beruflich zu Hause. Am Samstag starb er mit 84 Jahren.(Bild: Martin A. Jöchl)

Bis zuletzt hat er sich regelmäßig in der Redaktion gemeldet und seinen Senf dazugegeben. Auch wenn das manchmal gar nicht allen recht war. Aber über solche Befindlichkeiten hat er sich nie Gedanken gemacht, wenn es ihm darum ging, seine Meinung kundzutun. Es ist vielleicht nicht übertrieben, wenn man sagt, dass eine kleine oder auch große Diskussion für ihn ein bisschen wie ein Lebenselixier war. 

Genau das hat ihn ausgemacht, den Peter Gnam. Er hat nur mit Menschen gestritten, zu denen er einen persönlichen Draht gehabt, die er auf seine Art gemocht hat.

Wir haben oft gestritten in den Jahrzehnten, in denen wir gemeinsam gearbeitet haben. Er mit seinem „Intimfeind“ Dieter Kindermann in der Innenpolitik und mein Kollege Kurt Seinitz und ich in der Außenpolitik. Zwischen uns als Puffer Claudia Schwerer – die beste Mitarbeiterin von allen. So war das. Und so war das gut. Wir haben uns sehr produktiv aneinander gerieben.

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Es ging sogar das – nicht ernst gemeinte – Gerücht herum, es gebe ihn gar nicht, den Peter Gnam. Und jetzt gibt es ihn tatsächlich nicht mehr.

Öffentliche Auftritte hingegen waren so gar nicht seines. Ich kann mich nicht erinnern, dass er jemals auf einer Pressekonferenz war. Es ging sogar das – nicht ernst gemeinte – Gerücht herum, es gebe ihn gar nicht, den Peter Gnam. Gewusst hat er trotzdem immer alles.

Und jetzt gibt es ihn tatsächlich nicht mehr. Heute früh ist er verstorben. Ganz plötzlich. Erst vor wenigen Tagen hatte ich ihn noch auf seinem geliebten Sonnbergmarkt in Wien-Döbling getroffen. Und er hat mir noch gesagt, dass er eine Lungenentzündung überstanden habe und dass es ihm wieder gut gehe.

Dann haben wir uns verabschiedet. „Baba“, hat er gesagt. „Baba, Herr Gnam“, habe ich gesagt. Das war das Maximum an Intimität. Wir haben uns bis zuletzt per Sie angesprochen. Baba, Peter! Ab jetzt sind wir per Du.

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