Zahlreiche Raketeneinschläge sind für die österreichischen Diplomaten in Tel Aviv hör- und spürbar, Rückzug aus Israel ist aber keine Option. Botschafter Nikolaus Lutterotti im Gespräch zwischen Bunker und Arbeitsplatz.
Sirenen, Einschläge. Leere Straßen. Und mittendrin: Nikolaus Lutterotti, Österreichs Botschafter in Israel. Seit rund vier Jahren ist er hier stationiert. Er kennt das Land, die Mentalität, die Sicherheitslage. Doch selbst für einen erfahrenen Diplomaten sind diese Tage Ausnahmezustand.
„Fast stündlich gab es Alarm“, schildert er im Gespräch mit der „Krone“ – besonders am vergangenen Wochenende verbrachte man viel Zeit in den Bunkern. Lutterotti hat in seinem Haus einen eigenen Luftschutzkeller. Vorsorge ist hier kein Luxus, sondern Notwendigkeit. Die Einschläge sind hörbar. Aber – glücklicherweise – weit genug entfernt.
Im Dauerbetrieb für die rot-weiß-rote Community
Die Stadt wirkt wie eingefroren, kaum Verkehr, und fast alle Geschäfte sind geschlossen. Die Menschen nehmen die Schutzanweisungen sehr ernst. Wer eine Sirene hört, zögert nicht – man geht in Deckung. Routine in einem Land, das solche Situationen kennt.
Auch in der Botschaft herrscht Krisenmodus. „Das Team arbeitet im Homeoffice, die Einsatzbereitschaft wurde aufgestockt. 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche sind wir erreichbar“, betont Lutterotti. Für zusätzliche Sicherheit sorgen Experten aus der Heimat: Das Jagdkommando leistet Unterstützung. Diskret, aber entscheidend.
Es herrscht Dauerbetrieb für die rot-weiß-rote Community: Und die ist groß! 9430 Österreicher leben in Israel. 120 haben sich als Reiseregistrierte gemeldet. 75 sind ausreisewillig. Mit ihnen steht die Botschaft laufend in Kontakt.
Luftraum weiter gesperrt, Diplomaten improvisieren
Der israelische Luftraum ist gesperrt. Eine direkte Ausreise per Flieger ist derzeit nicht möglich. Doch es gibt Wege: über Ägypten oder Jordanien. Sechs Österreicher traten von dort aktuell ihre Heimreise mit slowakischer Unterstützung an. Improvisation gehört jetzt zum Alltag der Diplomaten.
Niemand vor Ort rechnet mit einer raschen Entspannung. Man stellt sich darauf ein, dass diese Kriegssituation länger dauern wird. Dennoch senden Lutterotti und sein Team eine klare Botschaft: „Wir halten die Stellung!“
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