Verbrecher getötet

Mann trotz Mordanklage zu Sheriff-Kandidat gewählt

Ausland
05.03.2026 09:33

Diese Story aus Arkansas klingt beinahe zu unglaublich, um wahr zu sein. Aaron Spencer ist angeklagt, einen 67-jährigen Mann kaltblütig erschossen zu haben. Während er auf seinen Mord-Prozess wartet, beschloss der Angeklagte, den obersten Gesetzeshüter in Lonoke County herauszufordern. Mit Erfolg. 

Der Armee-Veteran schlug jetzt bei den republikanischen Vorwahlen in Arkansas den amtierenden Sheriff John Staley und könnte im November dessen Amt übernehmen – falls er nicht hinter Gitter sitzt. 

Spencer hatte am 8. Oktober 2024 gegen 1.30 Uhr den Notruf gewählt. Er gab an, seine Teenie-Tochter im Truck von Michael Fosler entdeckt zu haben. Dieser war drei Monate zuvor wegen Internet-Stalkings und sexuellem Missbrauch gegen die 14-Jährige verhaftet worden, kam aber trotz über 40 Anklagepunkten gegen 50.000 Dollar Kaution wieder frei.

Spencer machte seinen Fall zum Thema im Wahlkampf um den Sheriff-Posten. Er erklärte in einem Interview: „Zum Preis eines Rasenmähers kann man aus dem Gefängnis kommen, nachdem man ein sexuelles Verbrechen an einem Kind begangen hat.“

Aaron Spencer hat sich, während er auf seinen Mordprozess wartet, als Sheriff beworben.
Aaron Spencer hat sich, während er auf seinen Mordprozess wartet, als Sheriff beworben.(Bild: Krone KREATIV/Belogorodov – stock.adobe.com, Lonoke County Detention Center)

Es kam zur Konfrontation mit Fosler, bei der der tödliche Schuss fiel. Die Festnahme des Vaters und dessen Anklage wegen Mordes zweiten Grades sorgte in ganze Arkansas für riesige Empörung. Diese richtete sich insbesondere gegen Sheriff John Stanley, der die unpopuläre Entscheidung eisern verteidigte: „Auch wer einen Sexualverbrecher umbringt, muss sich vor dem Gesetz verantworten.“

Kandidat will für mehr Sicherheit sorgen
Spencer, der bis zu seiner Verhandlung im Mai auf freiem Fuß bleiben darf, kündigte auf Facebook an, dass er Stanley den Job abjagen will: „Ich bin der Vater, der seine Tochter beschützt hat, weil das System sie im Stich gelassen hat“, schrieb er. Er kritisierte die Polizei und Justiz scharf und versprach mehr Sicherheit für alle 75.000 Einwohner von Lonoke County.

Seine Botschaft kam an. 53 Prozent der republikanischen Wähler gaben ihm ihre Stimme. Somit darf er im November gegen den demokratischen Kandidaten Brian Mitchell Sr. antreten, dem im erzkonservativen Lonoke County kaum Chancen eingeräumt werden. Es sei denn, er wird in seinem Prozess verurteilt.

Staatsanwalt kämpferisch: „Wir leben nicht im Wilden Westen“
Staatsanwalt Chuck Graham machte noch einmal klar, dass er sich nicht von seinem Vorhaben abbringen lassen wird, Spencer hinter Gitter zu bringen: „Wir leben nicht im Wilden Westen.“ Spencers Anwalt Michael Kiel Kaiser rechnet dagegen mit einem Freispruch für seinen „heldenhaften“ Mandanten: „Nach dem Gesetz von Arkansas hat er in Notwehr gehandelt, um sich und seine Tochter zu schützen.“

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