„Krone“-Autor Harald Petermichl schaut in seiner neuesten Kolumne auf die Anfänge des Profitums in Fußball-Österreich zurück. Die gingen gar nicht so problemlos über die Bühne in der Zeit der Kriege.
Dass die erste professionelle Liga der Welt 1888 im Mutterland des Fußballs ins Leben gerufen wurde, wo 1863 mit der Football Association (FA) der älteste Kickverband der Welt gegründet worden war, ist wenig überraschend. Spannender ist da schon die Entstehung auf dem Kontinent ein paar Jahrzehnte später, denn dort geschah dies nicht in Italien, nicht in Spanien und schon gar nicht in Deutschland, sondern in Österreich. Und so war die Saison 1924/25 die erste, in der ein verpflichtender Professionalismus eingeführt wurde und an deren Ende sich in einem dramatischen letzten Spiel, das Friedrich Torberg in seinem Essay „Warum ich stolz darauf bin“ lesenswert beschrieben hat, der in der Wiener Krieau beheimatete und ausschließlich aus jüdischen Spielern bestehende SC Hakoah zum ersten österreichischen Profi-Meister küren konnte.
Dreizehn Jahre später sollte das austriakische Profitum ein vorläufiges Ende finden, denn mit dem Anschluss 1938 gab es keine österreichische Meisterschaft mehr und der nach Ansicht der Nationalsozialisten „eines deutschen Mannes unwürdige“ Professionalismus wurde zum 31. Mai 1938 abgeschafft. Schon im März war der SC Hakoah zerschlagen und aus allen Ergebnislisten gestrichen worden, viele Spieler und Funktionäre des Clubs, unter anderem auch der Kapitän der 25er-Meistermannschaft, Max Scheuer, wurden von den Nationalsozialisten deportiert und ermordet. Spiele gegen Teams aus dem „Altreich“ gehörten ab jetzt zwar zur Normalität, allerdings ging das nicht immer reibungslos ab. So wurden am Rande des Meisterschaftsspiels Admira gegen Schalke die Reifen des Kraftwagens von Gauleiter Baldur von Schirach zerstochen. Ob damals auf der Tribüne „Baldur, wir wissen, wo Dein Auto steht“ skandiert wurde, lässt sich nicht mit Sicherheit belegen.
Apropos 1938: Allen, die ein Faible für komplizierte Tabellengrafiken haben, sei dringend ein Blick in die Wertungen der Wiener Meisterschaft 1938/39 empfohlen. Denn in insgesamt 26 Bezirks- und Kreisklassen taten 217 Teams ihr Bestes, um am Ende möglichst gut dazustehen, darunter so klingende Namen wie FC Transvaal Wien, SV Ankerbrotfabriken oder der unvermeidliche Luftwaffensportverein Wien. Meister in ihren Klassen wurden damals übrigens der SC Olympia XI-Strindberg Wien und der SC Mautner Markhof, mithin die Jugendvereine von Ernst „Stoissi“ Stojaspal, Schütze des Führungstreffers beim Spiel um den dritten Platz bei der WM 1954 gegen Uruguay. Da sage noch jemand, kleine Clubs seien nicht wichtig.
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