Via Video analysiert

Flug in V-Formation lässt Zugvögel Kräfte sparen

Wissenschaft
15.01.2014 19:00
Wenn Zugvögel in V-Formation fliegen, sparen sie noch perfekter Energie als bisher angenommen. Das habe die Analyse des Fluges von 14 Waldrappen ergeben, berichten britische Biologen. Ihre Videoaufnahmen zeigen, dass sich die Vögel in V-Formation deutlich feiner aufeinander abstimmen als bisher angenommen. Sie nutzen zudem Auf- und Abwinde und sparen damit Kräfte.

Dabei legen die gänsegroßen Tiere aus der Familie der Ibisse die bemerkenswerte Fähigkeit an den Tag, Wirbelzonen wahrzunehmen oder sogar vorherzusehen, berichten Wissenschaftler um Steven Portugal vom Royal Veterinary College an der University of London. Bisher hätten Biologen nur theoretisch berechnet, dass das versetzte Fliegen in V-Form aerodynamische Vorteile bringt.

So hatten etwa mathematische Berechnungen gezeigt, dass Vögel im Formationsflug Energie sparen können, indem sie den von vorausfliegenden Artgenossen erzeugten Aufwind nutzen. Eine Studie an Pelikanen hatte zudem nachgewiesen, dass der erste Vogel in der V-Formation eine deutlich höhere Herzschlagrate als die nachfolgenden Tiere hatte. Allerdings wurden dabei nur wenige Minuten Flugzeit erhoben, weshalb die Aussagekraft der Studie als eingeschränkt galt.

Synchronisieren ihren Flügelschlag
Hauptdarsteller des Experiments waren handzahme Tiere des österreichischen Waldrappteams, das sich der Wiederansiedlung des in Mitteleuropa seit Jahrhunderten ausgerotteten Zugvogels widmet. 14 der Vögel wurden mit Datenerfassungsgeräten ausgerüstet, mit denen bei zwei Tagesetappen auf dem Weg nach Süden exakt deren Position, Geschwindigkeit, Richtung und jeden einzelnen Flügelschlag aufgezeichnet wurde. Insgesamt 43 Minuten lang wurden die Tiere beim Flug gefilmt.

Dabei habe sich gezeigt, dass die Vögel oft ihre Position wechselten und den Takt ihres Flügelschlages veränderten, um den größten aerodynamischen Vorteil zu erlangen, berichten die Wissenschaftler. So synchronisierten die Waldrappen in V-Formation etwa ihren Flügelschlag mit dem ihres Vorgängers, um Aufwinde optimal zu nutzen, schreiben die Forscher im Fachjournal "Nature".

Können Verwirbelungen vorhersehen
Flogen die Waldrappen exakt hintereinander, war ihr Flügelschlag gegenläufig. "Dies könnte die ungünstigen Effekte von Fallwinden für den nachfolgenden Vogel verringern", folgern die Biologen. "Wir vermuten, dass Vögel in V-Formation über Synchronisierungs-Strategien verfügen, um mit den dynamischen Wirbelzonen klarzukommen, die durch den Flügelschlag anderer entstehen." Dabei legten die Tiere eine bemerkenswerte Fähigkeit an den Tag, diese Wirbel wahrzunehmen oder sogar vorherzusehen.

Der Leiter des Waldrappteams, Johannes Fritz, verweist darauf, dass es sich bei den untersuchten Tieren um Jungvögel handelte, die ihre erste Migrationsreise gemacht haben. "Und selbst diese, die noch nie einen erfahrenen Vogel gesehen haben, schaffen es schon, sich derart effizient aufeinander abzustimmen", betonte der Zoologe das offensichtlich genetisch und evolutionär stark verankerte Verhalten.

Projekt widmet sich der Wiederansiedlung
Der Waldrapp zählt zu den am stärksten bedrohten Vogelarten weltweit. In Mitteleuropa war der Zugvogel bis ins 17. Jahrhundert heimisch, wurde aber durch Überjagung ausgerottet. Im Vorjahr ist der Waldrapp als wild lebender Zugvogel ausgestorben. Stationäre Waldrapp-Kolonien gibt es allerdings - auch dank mehrerer Wiederansiedlungsprojekte - u.a. in der Türkei, Marokko, Spanien, Bayern und in Österreich, etwa in Grünau im Almtal (Oberösterreich). In der dort angesiedelten Konrad-Lorenz-Forschungsstelle wurde 1997 begonnen, Waldrappe wieder aufzuziehen.

Aus diesem Projekt ist 2002 das Waldrappteam hervorgegangen, das sich der Wiederansiedlung des Zugvogels widmet. Neben der Aufzucht der Vögel bemühen sich die Forscher auch, den von Hand aufgezogenen und auf ihre menschlichen "Zieheltern" geprägten Tieren mithilfe von Ultraleichtflugzeugen eine Zugroute nach Italien beizubringen. Rund 70 Waldrappen wurden mittlerweile so bis zu ihrem Winterquartier in der Toskana geführt. Dort bleiben sie einige Jahre, bis sie geschlechtsreif werden und wieder in die Brutgebiete nördlich der Alpen zurückkehren. 2011 schaffte es der erste Vogel selbstständig zurück in den Norden.

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