23.02.2006 17:03 |

7,5 nach Richter

Afrikas Jahrhundertbeben fordert Tote

Das stärkste Erdbeben in Mosambik seit mehr als 100 Jahren hat am Donnerstagmorgen im Süden Afrikas mindestens zwei Menschenleben gefordert. Bei dem Erdstoß, der auch in Teilen der Nachbarstaaten Simbabwe und Südafrika zu spüren war, wurden nach Angaben einer Hilfsorganisation 18 Mosambikaner verletzt. Das Beben mit einer Stärke zwischen 7,3 und 7,5 ließ viele Menschen kurz nach Mitternacht in Panik auf die Straßen stürzen.

In der Hauptstadt Maputo verbrachten Tausende aus Furcht vor Nachbeben die Nacht im Freien, erklärte die Organisation ActionAid. Die Regierung schickte Hilfstrupps in die spärlich besiedelte ländliche Region.

Das Epizentrum lag 10 Kilometer unter der Erdoberfläche in der zentralen Manica-Provinz, nahe der Grenze zu Simbabwe. In der 220 Kilometer entfernten Hafenstadt Beira wurden nach Angaben von ActionAid vier Menschen verletzt und mehrere Gebäude beschädigt. Bei einem der Toten handelt es sich um ein Kind, das von einer einstürzenden Wand erschlagen wurde. Im Machaze-Distrikt wurden 13 Verletzte, in Maputo ein Verletzter gezählt. Mindestens ein Dutzend Häuser stürzte nach den Angaben in dem an Machaze angrenzenden Mossurize-Distrikt ein.

Erdbeben löste Alarmanlagen aus 
Unter den verschreckten Menschen, die durch die Straßen irrten, waren nach Angaben von Hotelmanagern auch Touristen aus den USA, Europa und afrikanischen Staaten. In der simbabwischen Stadt Gweru sowie der Hauptstadt Harare löste das eine Minute dauernde Beben Alarmanlagen aus. Aus Südafrikas Hafenstadt Durban gab es Berichte über Hotelgäste, die an den Strand flohen.

Mosambik hat bisher kaum Schlagzeilen durch schwere Erdbeben gemacht. Der Erdstoß ereignete sich in einer seismisch aktiven Zone am südlichen Ende des ostafrikanischen Grabensystems. "Wir haben in diesem Gebiet schon früher Beben erlebt, aber das hier war ein wirklich schweres", sagte Ian Saunders vom südafrikanischen Rat für Geo-Wissenschaften. Er ortete das Epizentrum mit einer Stärke von 7,3 in der Massangena-Region südlich von Beira. US-Wissenschaftler hatten die Stärke dagegen zuvor mit 7,5 gemessen.

Land ist in zwei Teile gerissen 
Saunders begründete die Bebengefährdung der Region mit der Erdkruste, die in konstanter Bewegung sei: "Bruchlinien formen den Graben und während sie sich voneinander weg bewegen, löst sich die Spannung auf - und das stellt das Beben dar: Es ist ein wenig, als ob man an zwei Seiten eines Papierblattes zieht - irgendwann muss es mal reißen." Die frühere portugiesische Kolonie Mosambik steht auch auf der Reiseliste von Bundespräsident Horst Köhler, der Anfang April Mosambik, den vorgelagerte Inselstaat Madagaskar und Botswana besuchen will.

Foto: Symbolbild