04.10.2013 12:50 |

Ein Riesentheater

Vorhang auf und Bühne frei für "Der Puppenspieler"

"Bloß nicht den Kopf verlieren", lautet die Devise in Sonys "Der Puppenspieler". Das für die PlayStation 3 seit Kurzem erhältliche Jump'n'Run strotzt nicht nur vor originellen Einfälle, sondern ist zugleich ein heißer Anwärter auf den Titel "Schönstes Spiel des Jahres".

Ein größenwahnsinniger Bär, eine unterjochte Prinzessin und ein kopfloser Held namens Kutaro sind die Grundzutaten des PS3-Exklusivtitels "Der Puppenspieler". Die Aufgabenstellung ist also klar: Ihre Hoheit muss gerettet und der Tyrannei des zornigen Bären sowie seiner Handlanger ein Ende bereitet werden.

Das klingt zunächst einmal nicht sonderlich originell, und doch ist "Der Puppenspieler" geradezu ein Paradebeispiel für gelungene Erzählkunst in Spielen. Denn die insgesamt 21 "Akte" des Titels wurden wie eine Theateraufführung inszeniert – mit zahlreichen Aufzügen und schier unzähligen Bühnenbildern.

Das ermöglicht es den Machern, nahezu im Sekundentakt neue Szenerien ins Spiel zu bringen und zwischen verschiedensten Kulissen hin und her zu springen – oftmals so schnell, dass das Auge kaum Gelegenheit dazu hat, sich an der optischen Opulenz wirklich sattzusehen.

Pappkameraden mit Persönlichkeit
Befürchtungen, die Darsteller könnten inmitten der imposanten Bühnenaufbauten verlorengehen und zu Statisten degradiert werden, erweisen sich dabei als unbegründet: Jeder Charakter hat seine ganz eigene Persönlichkeit und wirkt dadurch lebendig – ungeachtet des Umstands, dass jeder Figur durch die Verwendung "organischer" Materialien wie Holz, Stoff oder Pappmaschee rein äußerlich immer auch etwas Künstliches anhaftet.

Spielerischer und räumlicher Tiefgang
Auch in spielerischer Hinsicht hat "Der Puppenspieler" einiges zu bieten: Anfangs noch ganz klassisches Jump'n'Run, gewinnt das Spiel durch die Einführung einer magischen Schere namens Calibrus schnell an sowohl spielerischer als auch räumlicher Tiefe. Denn mit ihrer Hilfe kann sich Kutaro durch und entlang allerlei Bühnendekorationen schneiden, wodurch sich das Gameplay von der Horizontalen in die Vertikale verlagert.

Herausforderung für die motorischen Fähigkeiten
Zusätzliche Abwechslung ins Geschehen bringen im Spielverlauf erhältliche Ausrüstungsgegenstände wie ein magischer Schild oder ein Greifhaken, während Kutaros feenhafte Begleiterin Pikolina versteckte Extras in der Umgebung aufspürt. Sie lässt sich dazu wie ein Mauszeiger per rechtem Analogstick über interaktive Objekte bewegen, um potenzielle Geheimnisse zu offenbaren.

Kutaro und Pikolina gleichzeitig zu steuern, erweist sich für einen Spieler allein allerdings als recht kompliziertes Unterfangen, das die motorischen Fähigkeiten schnell übersteigt. Die deutlich bessere Alternative, sofern möglich: einen zweiten Mitspieler hinzu zu bitten, der die Steuerung des kleinen Helferleins übernimmt und dem Helden so unter die Arme greift.

Bloß nicht den Kopf verlieren
Und schließlich wären da noch nie Köpfe. Da Kutaro keinen eigenen mehr hat, ist er auf fremde "Ableger" angewiesen, die überall im Spiel verstreut sind. Allerdings kann er stets nur bis zu drei von ihnen mit sich führen. Verliert er bei Feindkontakt einen Kopf und kann diesen nicht wieder rechtzeitig aufsetzen, büßt Kutaro dafür mit seinem Leben, das er allerdings im Austausch gegen sammelbare Kristalle zurückerlangen kann.

Die eigentliche Stärke der verschiedenen Köpfe besteht jedoch darin, an speziellen, vorgegebenen Stellen - ähnlich den Stickern in Sonys "Little Big Planet" - bestimmte Aktionen starten zu können. Dabei kann es sich um eine plötzliche Unterstützung im Kampf gegen einen der Bossgegner oder etwa auch einen Bonuslevel handeln.

Die Schwierigkeit für Kutaro bzw. den Spieler besteht nun darin, zur rechten Zeit auch den rechten Kopf im Gepäck zu haben, um alle versteckten Extras zu entdecken und von diesen auch zu profitieren. Das mag nicht immer einfach sein, weckt auf der anderen Seite jedoch den Ehrgeiz und erhöht zugleich den Wiederspielwert.

Erzählung mit Witz
Lobend zu erwähnen seien abschließend noch die grandiose und sich mit jedem Bühnenbild der Stimmung anpassende Hintergrundmusik sowie der allwissende Erzähler und seine Synchronsprecherkollegen, die der Handlung mit viel Witz sowie allerlei Anspielungen etwa auf bekannte Kinofilme nicht nur Leben einhauchen, sondern das Spiel auch ein Stück weit erwachsener machen, als es die kindliche Oberfläche zunächst vielleicht vermuten ließe.

Fazit: Wenige Wochen vor dem Start seiner PS4 haut Sony mit "Der Puppenspieler" noch einmal einen richtigen Exklusiv-Kracher für seine PlayStation 3 raus. Dass diese inzwischen in die Jahre gekommen sein soll, mag man angesichts der vielen originellen Ideen und aberwitzigen Bühnenbilder von "Der Puppenspieler" gar nicht so recht glauben. Auch wenn die Steuerung, vor allem ohne zweiten Mitspieler, mitunter ihre Tücken hat: Allein der liebevollen Erzählweise und der großartig kreativen Aufmachung wegen ist "Der Puppenspieler" die Konsolen-Aufführung wert.

Plattform: PS3
Publisher: Sony
krone.at-Wertung: 8/10

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