Caroline Bredlinger eröffnet Freitagmittag für Österreich mit ihrem Vorlauf über 800 m die 21. Hallen-WM in Torun. Selbst der Aufstieg ins Semifinale ist eine harte Nuss. Denn gerade das Niveau über 800 m der Frauen ist heuer unfassbar hoch. Die Hälfte der 34 Läuferinnen weist eine Jahresbestzeit unter 2:00 Minuten auf. Das hat es zuvor noch nicht gegeben. Angeführt wird das Elitefeld von Weltrekordlerin Keely Hodgkinson.
Mit ihrer persönlichen Bestzeit von 2:00,97 hat sich Caroline Bredlinger als 25. für die WM qualifiziert. „Die WM wird sicher ein ganz cooles Ereignis!“, sagt die Burgenländerin, die nach Nanjing 2025 ihre zweite Hallen-WM bestreitet. Sie hofft, dass die Atmosphäre besser wird als in China, „wo sich das Publikum teilweise nicht ausgekannt hat“. Denkt man an die Europa- und Weltmeisterschaften zurück, die in dieser Region (Torun, Sopot/Danzig oder Bydgoszcz) schon stattgefunden haben, kann man sicher sein, dass sich die Halle (gerade bei polnischen Erfolgen) zu einem Tollhaus verwandelt.
800 m der Hit der Frauen-Leichtathletik
„Vom 800-m-Bewerb erwarte ich mir generell sehr viel. Wie sich das Niveau in den vergangenen zwei Jahren entwickelt hat, ist richtig arg“, sagt die 24-Jährige, „auch haben über 800 m weniger Athletinnen abgesagt als in anderen Disziplinen. Die ganzen Topleute sind am Start!“ Ein gutes Beispiel für ein schwächeres Niveau sind die 400 m der Männer, wo selbst Athleten mit 48er-Zeiten in Torun dabei sind.
Ohnehin sind die 800 m in dieser Hallen-Saison bisher schon der Hit der Frauen-Leichtathletik gewesen, eine Entwicklung, die sich auch im Freien mit der EM in Birmingham als Höhepunkt fortsetzen wird. Reihenweise pulverisierten Läuferinnen vor der Hallen-WM ihre persönlichen Bestzeiten. Keely Hodgkinson drang mit ihren 1:54,87 in neue Sphären vor, als sie den 24 Jahre alten Weltrekord von Jolanda Ceplak (1:55,82) zertrümmerte. Insgesamt 28 (!) der 34 in der Entry List genannten Läuferinnen erzielten in diesem Winter persönliche Bestzeiten. Dabei stachen neben Keely Hodgkinson vor allem noch Audey Werro (Sz/1:57,27) und Isabelle Boffey (Gb/1:57,43) heraus. Schon eine 800-m-Revolution.
Von der Mittelstrecke zum Langsprint
„Es sind Läuferinnen dabei, die mit ihren Bestzeiten früher noch Anwärterinnen auf eine Goldmedaille waren, jetzt gibt es eine Masse, die sich allein über die Qualifikation für das Semifinale streitet“, befindet Österreichs 800-m-Ass, „wie sich das hohe Niveau erklärt, weiß ich nicht genau. Es ist schwierig zu erklären.“ Die Trainingsmethoden hätten sich in den letzten Jahren natürlich entwickelt, „vielleicht erhält man auch über Social Media einen größeren Einblick, wie die Konkurrenz trainiert“. Auch wenn dies natürlich nicht 1:1 zu übernehmen sei.
Der größte Unterschied zu früher sei sicher, dass das Denken der 800-m-Läufer immer mehr Richtung Sprint gehe. Waren die 800 m einst eine klassische Mittelstrecke, nähert sich diese Strecke immer mehr einem langen Sprint. Speziell 800-m-Läufer bzw. Läuferinnen würden inzwischen weniger Kilometer machen und mehr auf die Grundschnelligkeit schauen. Was man gerade auch bei den 400-m-Zeiten wie bei Keely Hodgkinson sehen kann. Man kann nur gespannt sein, in welche Regionen Femke Bol, die heuer von den 400 m auf die 800 m umgestiegen ist (Debüt in Metz in 1:59,07), langfristig vorstoßen wird.
Diskussion seit Juantorena
Die Diskussion, dass die 800 m Richtung Langsprint gehen, hat auch schon eine längere Geschichte – spätestens als Alberto Juantorena 1976 in Montreal das unfassbare, bisher einmalige Olympia-Double über 400 m und 800 m schaffte. Waren die Olympiasieger Sebastian Coe und Steve Ovett Ende der 70er- und in den 80er-Jahren noch „klassische Mittelstreckler“ über 800 m und 1500 m, so sieht in der heutigen Zeit die Weltspitze die 800 m schon mehr als einen langen Sprint. Unvergessen vor allem, wie David Rudisha bei den Spielen in London 2012 ohne Tempomacher von der Spitze weg solo zu seinem Weltrekord in 1:40,91 (400-m-Split 49,28) gestürmt war.
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