28.07.2013 08:20 |

Druck zu groß

Siemens-Chef Peter Löscher muss Posten räumen

Siemens-Vorstandschef Peter Löscher (Bild) wird nach sechs Jahren an der Spitze des Technologiekonzerns abgelöst. Der Aufsichtsrat werde auf seiner Sitzung am Mittwoch über die Ernennung eines neuen Konzernchefs entscheiden, teilte das Unternehmen am Samstagabend mit. Der Österreicher Löscher war zuletzt nach einer Gewinnwarnung unter Druck geraten. Als möglicher Nachfolger gilt Finanzvorstand Joe Kaeser.

"Es gibt ein klares Mehrheitsbild im Aufsichtsrat", hieß es. Damit ziehen die Kontrolleure die Konsequenzen aus der Serie von Misserfolgen bei Deutschlands größtem Elektrokonzern, die mit der neuesten Gewinnwarnung am vergangenen Donnerstag ihren Höhepunkt erreicht hatte.

Hiobsbotschaft verschreckte die Börsen
Siemens musste einräumen, dass das vorgegebene Ziel einer Rendite von zwölf Prozent bis zum Jahr 2014 auf keinen Fall erreicht werden kann. Die Hiobsbotschaft verschreckte die Börsen und ließ die Siemens-Aktie abstürzen. Als sich dann am Freitag die Hinweise auf eine mögliche Ablösung Löschers verdichteten, zogen die Papiere wieder kräftig an.

Als mögliche Nachfolger des 55-jährigen Kärntners waren in den vergangenen Tagen Finanzvorstand Joe Kaeser und Industrievorstand Siegfried Russwurm gehandelt worden. Mit dem Vorgang vertraute Personen teilten der Nachrichtenagentur Reuters mit, die Aufsichtsräte hätten sich jedoch mehrheitlich für Kaeser ausgesprochen. Auch in zahlreichen deutschen Medien wurde von einer Mehrheit für Kaeser gesprochen.

Rauswurf könnte Siemens rund 9 Millionen Euro kosten
Offen ist noch, ob Löscher einer Trennung zustimmt oder sich feuern lässt. Er kann bei einer einvernehmlichen Trennung mit rund neun Millionen Euro an Zahlungen und zusätzlichen Pensionsansprüchen rechnen. Noch am Samstag hatte der Villacher in einem Zeitungsinterview gesagt, er wolle um seinen Job kämpfen. "Mir bläst jetzt der Wind ins Gesicht, aber es war noch nie meine Art, aufzugeben oder schnell die Segel zu streichen", sagte der Manager der "Süddeutschen Zeitung". Und weiter: "Ich habe einen Vertrag bis 2017, und gerade jetzt ist der Kapitän bei Siemens mehr gefragt denn je."

Als Hoffnungsträger zu Siemens geholt
Siemens-Chefaufseher Gerhard Cromme hatte Löscher 2007, mitten im Strudel des milliardenschweren Schmiergeld-Skandals, an die Konzernspitze geholt. Damals galt er als Hoffnungsträger, doch kämpfte er immer wieder mit Problemen wie zuletzt mit Konjunkturflaute, einer nachlassenden Wachstumsdynamik in Schwellenländern wie China sowie teuren, hausgemachten Projektpannen. Dazu gehören die verspätete Lieferung von ICE-Zügen an die Deutsche Bahn und Verzögerungen bei der Anbindung von Nordsee-Windparks.

Sparprogramm "Siemens 2014" sorgte weltweit für Unmut
Die Initiative für die Absetzung Löschers kam nach Angaben des "Managermagazins" vom Freitag von den Vertretern des Kapitals im Aufsichtsrat. Aber auch unter den Arbeitnehmern gab es demnach Unmut, nachdem Löscher die Belegschaft mit seinem Sparprogramm "Siemens 2014" und dem Abbau von voraussichtlich 10.000 Stellen weltweit gegen sich aufgebracht habe.

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