15.07.2013 09:28 |

Ansturm auf Ämter

Indien nimmt endgültig Abschied vom Telegramm

Im Zeitalter von Smartphone und E-Mail verabschiedet sich nun auch Indien von einer 163 Jahre alten Tradition in der Telekommunikation: dem Telegramm. Tausende Inder stürmten am Sonntag die Telegrafenämter, um zum allerletzten Mal ein Telegramm zu verschicken. Angesichts des Andrangs wurde eigens das Personal aufgestockt, wie der Leiter des staatlichen Telegrafendienstes mitteilte. Am Montag ist dann endgültig Schluss mit den bis zuletzt persönlich durch Fahrradboten überbrachten Fernschreiben zu Geburten, Todesfällen oder anderen wichtigen Ereignissen.

Bis zum Siegeszug von Handy und Internet waren Telegramme in Indien das Hauptkommunikationsmittel für den Versand von Nachrichten über lange Strecken. 1947 etwa, im Jahr der indischen Unabhängigkeit von der britischen Kolonialherrschaft, wurden 20 Millionen Nachrichten auf diese Weise verschickt. 2012 waren es noch 40.000 Telegramme. Die Bevölkerung hatte sich inzwischen vervierfacht, heute leben 1,2 Milliarden Menschen in Indien.

Die Zahl der Telegrafenämter verringerte sich mit der Zeit auf nur noch 75. Die knapp 1.100 beim Ministerium für Telekommunikation beschäftigten Telegrafisten sollen künftig an anderer Stelle des Ministeriums arbeiten. Nicht nur sie werden dem als "Taar" (Draht) bekannten Dienst nachtrauern.

In Österreich 2005 eingestellt
In Österreich war der Dienst der Telekom Austria mit 31. Dezember 2005 eingestellt worden; gegen Ende der Ära wurden pro Monat nur mehr deutlich unter 10.000 Telegramme versendet - den Höchstwert hatte es im Gesamtjahr 1913 mit 23 Millionen Stück gegeben.

Deutschland hält an Telegramm fest
In Deutschland hingegen ist das Telegramm noch längst nicht Vergangenheit. "Das Telegramm lebt - es gibt keine Überlegungen, das Produkt einzustellen", sagte ein Sprecher der Deutschen Post. Bei den Fernschreiben handle es sich um "eine sinnvolle Ergänzung unserer Produkte". Das Telegramm lebe von seiner "persönlichen Ansprache". Durch die Möglichkeit, es mit Schmuckblättern zu versehen, habe es auch "eine gewisse Wertigkeit". Zur Zahl der jährlich verschickten Telegramme mache die Post aber "grundsätzlich" keine Angaben, so der Sprecher.

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