01.07.2013 13:38 |

Confed-Cup-Pleite

Weltmeister Spanien kündigt Trotzreaktion an

Eine solche Niederlage haben Spaniens erfolgsverwöhnte Fußballer seit Jahren nicht erlebt. Der Welt- und Europameister musste im Finale des Confederations Cups gegen Brasilien am Sonntag eine herbes 0:3 einstecken. Anstelle der Freude über den ersten Titelgewinn im Rahmen des WM-Vorbereitungsturniers gab es bei den Iberern lange Gesichter. Bei der WM in einem Jahr will der Titelverteidiger aber die richtige Antwort geben.

"Es ist eine Pleite, die uns schmerzt. Jetzt müssen wir wieder aufstehen", forderte der frustrierte Kapitän Iker Casillas nach der Entzauberung der spanischen Übermannschaft. In 29 Pflichtspielen seit einem 0:1 gegen die Schweiz in der WM-Gruppenphase 2010 war "La Roja" nicht mehr als Verlierer vom Platz gegangen. Bei drei Finalsiegen in den vergangenen fünf Jahren hatte Casillas den Siegerpokal für die Spanier in die Höhe halten dürfen. Diesmal musste er sich im legendären Maracana-Stadion mit der Fair-Play-Trophäe begnügen.

"Spanien wird von einem Gegner überfahren, der in jeder Hinsicht besser ist", schrieb daheim die Zeitung "El Mundo", und auch "Marca" fand deutliche Worte: "Der Weltmeister erleidet im Maracana-Stadion Schiffbruch. Das Team hat nun ein Jahr Zeit, um aus der Schlappe seine Lehren zu ziehen."

Xavi will bei der WM "mehr Widerstand leisten"
Dies kündigten auch die Spieler an. Spielmacher Xavi schaute ein bisschen trotzig Richtung WM 2014. "Im nächsten Jahr wollen wir mehr Widerstand leisten", versprach er. Die Spanier haben Erfahrungen mit Enttäuschungen beim Confederations Cup. Vor vier Jahren in Südafrika schieden sie im Halbfinale gegen die USA sensationell aus - und holten ein Jahr später den WM-Pokal. Doch die Demütigung durch Brasilien saß tiefer.

"Uns ist nichts gelungen. Alles ist nach hinten losgegangen. Mehr Intensität, mehr Rhythmus, mehr Druck, sie waren einfach besser", sagte Xavi. Trainer Vicente del Bosque beschrieb die Lage ruhig und souverän, doch als er auf den vermeintlich überholten Stil angesprochen wurde, reagierte der 62-Jährige für seine Verhältnisse fast schon ungehalten: "Wir haben eine klar definierte Spielweise. Wir haben gute Spieler. Es gibt keinen Grund, diese zu ändern, auch nicht nach einer verdienten Niederlage."

Konkurrenten haben zu Spanien aufgeschlossen
Die Chance, als erstes Team seit Frankreich 2001 WM-, EM- und Confed-Cup-Titel innezuhaben, wurde vertan. Und die Titeljäger wissen, dass die Zeit nicht still steht. "Im Fußball lebst du nicht in der Vergangenheit. Du musst dich Tag für Tag neu beweisen", sagte Sergio Ramos. Die Ernüchterung über die erstarkte Konkurrenz war spürbar. "Brasilien und Italien haben uns in Gefahr gebracht und viel Druck gemacht. Daraus müssen wir lernen, um die Ergebnisse wieder zu drehen", forderte der Verteidiger von Real Madrid.

Alle Spanier hatten die Größe, die Anstrengungen des Halbfinales gegen Italien (7:6 im Elfmeterschießen) am Donnerstag nicht als Ausrede zu missbrauchen. "Wir akzeptieren diese Niederlage. Alles andere spielt keine Rolle", betonte Vincente del Bosque.

"Tiki-Taka" als Auslaufmodell?
Es sind die Statistiken, die die Bedeutung der spanischen Schmach verdeutlichen. 52 Prozent Ballbesitz lassen ein Übergewicht vermuten, doch normalerweise verursacht das "Tiki-Taka" Werte mit einer satten Zweidrittelmehrheit. Zweimal in Serie ohne Tor wie nun gegen Italien und Brasilien blieb Spanien zuletzt in der EM-Qualifikation im Juni 2003 gegen Griechenland (0:1) und Nordirland (0:0).

Erstmals seit dem WM-Aus 2006 beim 1:3 gegen Frankreich kassierte Spanien auch drei Tore in einem Turnierspiel. Ein 0:3 in einem Pflichtspiel gab es letztmals in der WM-Qualifikation 1985 gegen Wales. Die letzte höhere Niederlage in einem Pflichtspiel - ein 1:6 - datiert gar aus dem Jahr 1950: Der Gegner hieß Brasilien, der Spielort war das Maracana.

Dort steigt in einem Jahr auch das Endspiel der WM 2014. Geht es nach Spanien, ist mit dem Titelverteidiger dann wieder zu rechnen. "In einem Jahr werden wir hoffentlich wieder hier stehen und die Chance haben, uns neu zu beweisen. Nicht aus Rache an Brasilien, sondern uns selbst zuliebe", meinte Stürmer Fernando Torres.

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