Im Estadio Castelao bejubelten die 50.800 Fans vom Anpfiff weg einen Sturmlauf der Brasilianer. Keine zehn Minuten waren gespielt, als wieder einmal Neymar für einen frühen magischen Moment sorgte. Nach einer Flanke seines künftigen Teamkollegen Dani Alves und einer missglückten Kopfballabwehr des von Maza traf Neymar per gefühlvoller und unhaltbarer Direktabnahme zum 1:0.
Mexikaner geschockt
Selecao-Trainer Luiz Felipe Scolari vertraute der gleichen Startelf wie beim 3:0 zum Auftakt gegen Japan - also mit Bayerns Luiz Gustavo, aber ohne dessen Münchner Mitspieler Dante. Die Mexikaner brauchten lange, um sich vom Schock des frühen Gegentreffers zu erholen und das lärmende Publikum nicht mehr als lähmend zu empfinden. Hiram Mier versuchte es aus der Distanz (16.), verpasste aber das brasilianische Tor. Ein listiger Freistoß von Giovani dos Santos in der Nachspielzeit der ersten Hälfte ging knapp drüber.
Nach dem Wechsel bestimmten zunächst wieder die Brasilianer Tempo und Rhythmus. Nach schönem Doppelpass mit Neymar scheiterte Hulk aus spitzem Winkel (54.). Wenige Minuten zuvor hatte Thiago Silva das vermeintliche 2:0 erzielt, wurde aber wegen einer Abseitsstellung vom englischen Schiedsrichter Howard Webb zurückgepfiffen.
Die Selecao untermauerte die spezielle Motivation der Partie mit Taten. Sechs Profis - darunter Neymar - standen vergangenen Sommer im Olympia-Finale von Wembley, als Mexiko gegen Brasilien mit 2:1 triumphierte. Auch wenn offiziell keiner von Revanche sprechen wollte, gedanklich präsent war die Niederlage in jedem Fall.
Weil auch die Mexikaner engagiert dagegenhielten, entwickelte sich ein unterhaltsames Duell (fast) auf Augenhöhe. Dos Santos verhedderte sich nach einem Solo in der brasilianischen Abwehr (65.), Carlos Salcido probierte es ohne Glück aus der Entfernung (69.).
Traumvorlage von Neymar zum 2:0
Auf der Gegenseite bekam der stark aufspielende Neymar schon Szenenapplaus, wenn er zum Eckball lief. Der Jungstar zeigte mehrmals seine individuelle Klasse, auch wenn ihm ein zweiter Treffer im Spiel und der dritte im Turnier nicht mehr gelingen wollte. Unter dem Jubel der Fans kam in der 78. Minute Publikumsliebling Lucas für Hulk. Brasilien dominierte - und Neymar krönte seine Leistung mit der Vorarbeit zum 2:0 durch den eingewechselten Jo: An der Strafraumgrenze tankte er ließ er zwei mexikanische Abwehrrecken durch und spielte dann auch noch Jo überragend frei, der für den 2:0-Endstand sorgte.
Solidarität mit Demonstranten
Bereits vor dem Spiel hatte Neymar die Demonstranten in seinem Land ermutigt und zugleich die Regierung kritisiert. Er habe immer geglaubt, dass es nicht nötig sein werde, "auf die Straße zu gehen", um Verbesserungen beim Transport, im Gesundheitswesen, bei der Bildung und der Sicherheit zu fordern. "Das alles ist Verpflichtung der Regierung", äußerte sich der künftig für den FC Barcelona spielende Angreifer beim Fotodienst Instagram.
"Ich bin Brasilianer, und ich liebe Brasilien!! Ich habe Familie und Freunde, die in Brasilien leben!! Deshalb will ich auch ein Brasilien, das gerechter, sicherer, gesünder und EHRLICHER ist!!!!", schrieb der Nationalspieler. Das Einzige, das ihm bleibe, um Brasilien zu repräsentieren und zu verteidigen, sei das Fußballfeld. Zum Confed-Cup-Spiel gegen Mexiko in Fortaleza werde er inspiriert durch die Protestbewegung aufs Feld gehen.
Auch Italien im Halbfinale
In der Nacht folgte dann Italien Brasilien ins Confed-Cup-Halbfinale. Der EM-Zweite besiegte in Recife Japan im bisher aufregendsten Spiel des Turniers mit 4:3. Die Italiener lagen zwischenzeitlich mit 0:2 zurück.
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