Die Flucht aus der Enge des Landlebens bezahlt eine junge Frau im neuen Tatort „Lass sie gehen“ (ORF 2, 20.15 Uhr) mit dem Tod. Das „Tatort“-Ermittlerduo ist mit diversen Motiven und ländlichen Klischees konfrontiert. Lesen Sie in unserem „Krone“-„Tatort“-Protokoll, ob es sich lohnt, einzuschalten!
Eine Zukunft in der Gastwirtschaft ihrer Eltern ist für Hanna Riedle (Mia Reinprechter) keine Option. Sie zieht ins urbane Stuttgart, beginnt dort eine Tischlerlehre und genießt ihr neues Leben in Freiheit, fernab vom Familienmotto „Bete und arbeite“. Am Ufer des Neckars wird die junge Frau dann aber tot aufgefunden, wodurch die kundigen „Tatort“-Kommissare Bootz (Felix Klare) und Lannert (Richy Müller) ins Spiel kommen. Während Lannert sich im Gasthaus einmietet, um vor Ort zu ermitteln, geht Bootz Hinweisen in der Stadt nach. Relativ schnell merken die beiden, dass der Kreis der Verdächtigen größer ist als gedacht und dass sie immer wieder auf dörflichen Gegenwind stoßen.
Der bereits 33. gemeinsame Fall des schwäbischen Ermittlerduos ist nicht nur durch das trostlose Land-Setting so düster wie selten zuvor. Im Zuge ihrer Recherchen stoßen die beiden auf einen stalkenden Verehrer, einen rüden Ex-Verlobten und rassistische Umtriebe im ländlichen Gasthaus „Zum Hirsch“. Dazu macht sich Hannas gottgläubige Mutter Luise (Julika Jenkins) Vorwürfe, weil sie ihre älteste Tochter an ihrem Freiheitsdrang hinderte und in Unfrieden mit ihr auseinanderging. Vater Hannes (Moritz Führmann) hingegen versucht die Familie zusammenzuhalten, verfällt ob der Schocknachricht aber selbst in wahnhafte Trauerzüge.
Der alte Stadt-Land-Konflikt zwischen verschiedenen Generationen, der durch unterschiedliche Zukunftsvisionen zum Kleinkrieg führen kann, ist leidlich auserzählt und kann mit „Lass sie gehen“ auch keine neuen Facetten an die Oberfläche spülen. Die bleierne Schwere des verfilmten Rahmens versucht Regisseur Andreas Kleinert mit fein ziselierter Situationskomik zwischen den beiden Kommissaren zu erweichen, scheitert aber mitunter auch daran, dass die beiden Herren statisch und leidlich uncharismatisch durch den Fall holpern. Zu viele Klischees machen keinen guten Krimi – das ging schon mal besser.
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