Hunderte Menschen sind am Donnerstag auf Initiative der Israelitischen Kulturgemeinde (IKG) und der Jüdischen Jugend Wiens durch die Wiener Innenstadt gezogen, um der Novemberpogrome von 1938 zu gedenken.
Allgegenwärtig war bei dem Lichtermarsch, an dem u.a. die Ministerinnen Karoline Edtstadler (ÖVP) und Leonore Gewessler (Grüne) sowie NEOS-Chefin Beate Meinl-Reisinger und der geschäftsführende SPÖ-Klubobmann Philip Kucher teilnahmen, auch der Terrorangriff der Hamas.
In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurden im gesamten „Deutschen Reich“ systematisch Synagogen in Brand gesteckt, jüdische Geschäfte geplündert und Jüdinnen und Juden misshandelt. Allein in Österreich wurden damals mindestens 30 Juden getötet, 7800 verhaftet und aus Wien rund 4000 sofort ins Konzentrationslager Dachau deportiert.
Die Übergriffe vom 9. November 1938 hätten in den Gaskammern von Mauthausen, Auschwitz und Treblinka geendet, erinnerte IKG-Präsident Oskar Deutsch in seiner Rede am Judenplatz. Begonnen habe der Antisemitismus aber „mit dem Wort, mit der Beleidigung, mit der Lüge, mit dem Gerücht über den Juden“. Die Pogrome seien zwar von oben verordnet worden, doch alle hätten zugeschaut und viele mitgemacht.
IGK-Kritik an Wahl von Rosenkranz
Als „skandalös“ bezeichnete er, dass 86 Jahre danach mit dem Freiheitlichen Walter Rosenkranz jemand zum Nationalratspräsidenten gewählt wurde, dessen deutschnationale Burschenschaft Libertas schon im 19. Jahrhundert Juden per Arierparagraf ausgeschlossen habe.
„Wir vergessen nicht, was war“, betonte Deutsch. Die deutschnationalen Burschenschafter im Nationalrat seien dabei keine Nazis, auch wenn einige im Keller ihrer Burschenschaften ihrer Ideologie huldigen mögen, so Deutsch. „Sie sind die Nachfolger der Vorgänger der Nazis.“
Zuvor waren Hunderte Menschen vom Heldenplatz mit LED-Kerzen und Schildern mit den Namen von während der Novemberpogrome zerstörten Synagogen durch die Innenstadt zum Judenplatz gezogen. Zu sehen waren Schilder mit Schriftzügen wie „Kein Platz für Hass“, aber auch „Bring them home now“ als Appell, die letzten 100 Hamas-Geiseln zu befreien.
Zeichen der Hoffnung und der Mahnung
Die Veranstaltung solle ein Zeichen der Hoffnung und der Mahnung sein, betonten Vertreter jüdischer Jugendorganisationen bei der Veranstaltung. Antisemitismus zeige sich heute vor allem in den sozialen Medien. Dort würden anonym judenfeindliche Kommentare und Verschwörungstheorien verbreitet, oft verkleidet als Meinungsfreiheit oder Kritik an Israel.
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