Alte Tugenden. Ja, als die noch gelebt haben… Nein, es war, auch in der Politik wie in vielen anderen Bereichen, früher keineswegs alles besser. Aber an manche verstorbene Persönlichkeiten erinnert man sich - gerade zu Allerheiligen und Allerseelen, wenn wir der Toten gedenken – immer wieder. Bruno Kreisky († 1990), der legendäre Bundeskanzler ab 1970, der unser Land durchlüftet hat – auf den beruft sich der aktuelle SPÖ-Vorsitzende Andreas Babler so gerne. Es bleiben aber erhebliche Zweifel, ob er das Besondere an Kreisky verstanden hat: Das Land modernisieren und – das Allerwichtigste: die Menschen dabei mitnehmen. Auch an den seligen Alois Mock († 2017) darf man sich erinnern, den ÖVP-Chef und Vizekanzler in den Achtzigern und Neunzigern, der sich jahrzehntelang für das Verbindende auch zwischen den Parteien so sehr und durchaus erfolgreich einsetzte. An Jörg Haider († 2008) soll man ebenso denken, den „Vater“ des FPÖ-Wunders, der Intellektualität und Volksverbundenheit wie keiner vor und nach ihm verbinden konnte. Nicht alle trauern allen diesen einstigen Polit-Größen nach. Aber an manche ihrer Tugenden darf man sich und die Politiker unserer Tage schon erinnern: An ihre Weltoffenheit, offen auch für Vertreter anderer politischer Richtungen. Und offen vor allem für die Menschen im Land.
NeueZeiten. Und Haiders Erben in der FPÖ? Die sind noch ein wenig erfolgreicher als ihr Ur-Vater, an dessen Seite sich einst der aktuelle Parteichef Herbert Kickl seine ersten Sporen verdiente. Der hat im Wahlkampf wie auch nach dem Wahlerfolg Ende September immer wieder betont, den „Fehler Haiders“, nicht selbst in die Regierung zu gehen, keinesfalls zu wiederholen. Mit dem Effekt, dass die FPÖ, wie es derzeit aussieht, keine Chancen aufs Regieren bekommt, weil weder der türkise Nehammer noch der rote Babler unter Kickl als Vizekanzler dienen wollen. Unterdessen schärfen Kickl und Co. ungeniert weiter ihr Profil: Am Donnerstag empfing FPÖ-Nationalratspräsident Walter Rosenkranz den umstrittenen ungarischen Regierungschef Viktor Orbán. Und wer fand sich in der Rosenkranz-Delegation? Ausschließlich FPÖ-Abgeordnete, inklusive Herbert Kickl, der mit Orbán auch noch separat sprach. Vertreter anderer Parteien waren gar nicht eingeladen, kritisierten das Treffen aber heftig – wie auch die kurzfristige Entfernung der Europafahne am Parlament. Bemerkenswert – ist doch der ungarische Premier derzeit auch EU-Ratspräsident. Ja, neue Zeiten brechen an…
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