„Krone“-Autor Harald Petermichl setzt sich für die aktuellste Ausgabe seiner Kolumne „Ach, übrigens...“ mit Klärschlammverbrennungsanlagen, Nobel-Hotels und dem größten Pariser Pétanque-Club auseinander und weiß, warum Uli Hoeneß seinerzeit alles richtig gemacht hat.
Ausnahmsweise wusste Uli Hoeneß mal, was er tat, als es 2001 darum ging, ein neues Stadion für den FC Bayern (und eigentlich auch für den TSV 1860) bauen zu lassen, weil Architekt Günter Behnisch einen Umbau des Olympiastadions abgelehnt hatte. Denn Hoeneß und alle anderen Zuständigen wählten als Standort für den schlauchbootartigen Siegerentwurf der Schweizer Architekten Herzog & de Meuron weder einen noblen Villenvorort, noch eine piekfeine Innenstadtlage, sondern die Fröttmaninger Heide. Da es dort außer der Klärschlammverbrennungsanlage Gut Großlappen so gar keine touristischen Attraktionen gab und gibt, war nämlich die Gefahr, dass die nagelneue Arena alsbald einer Hotelerweiterung weichen müsse, eher gering und das ist bis heute so geblieben.
In Paris sieht es da schon anders aus, denn dort geht die Stadt einem traditionsreichen Sportverein gerade gehörig auf die Nerven. Und zwar nicht dem Paris Saint-Germain Football Club, denn wer will es sich schon mit der Qatar Holding verscherzen, dafür aber dem „Club Lepic Abbesses Pétanque“ (CLAP), dem größten Pétanque-Club der Seine-Metropole mit fast 300 Mitgliedern. Seit einem halben Jahrhundert werfen diese an der Avenue Junot, unweit der Basilika Sacré-Coeur, in bester Lage also, ihre Eisenkugeln und sind pas très amusés darüber, dass ihr gewohntes Terrain der Außenflächenerweiterung eines Luxushotels weichen soll. Nicht weiter überraschend, denn es ist allgemein bekannt und in „Asterix – Tour de France“ nachzulesen, dass die Gallier keinen Spaß verstehen („Römer, wenn Du auch nur eine Kugel anrührst…“), sobald jemand versucht, sie an der Ausübung ihres Nationalsports zu hindern.
Hätte man das Boulodrôme seinerzeit nicht am touristisch schon immer überfluteten Montmartre, sondern dem Beispiel von Uli Hoeneß folgend im Schatten der größten europäischen Kläranlage bei Anchères errichtet, wäre beiden Seiten einiges an Ungemach erspart geblieben, inklusive der Räumung des Geländes durch Einheiten der sonst für Ausschreitungen und Krawalle zuständigen Compagnies républicaines de sécurité (CRS). So aber wird es trotz einer Petition mit 13.000 Unterschriften und vielen namhaften Unterstützern wie etwa Ex-Tennis Profi Yannick Noah oder Schauspieler Pierre Richard (ja, der mit dem schwarzen Schuh) wohl darauf hinauslaufen, dass die Pétanquistes des CLAP ihre Wettbewerbe und Nachwuchsschulungen demnächst auf dem Terrain eines benachbarten Pariser Clubs austragen müssen. Geht auch irgendwie, mais ce n’est pas très gentil.
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