15.03.2013 19:14 |

"Ich bin unschuldig"

Kommt Deutsche nach 22 Jahren Todeszelle frei?

Eine Todeskandidatin in den USA darf nach 22 Jahren erstmals auf ihre Freilassung hoffen: 1991 wurde die gebürtige Berlinerin Debra Jean Milke (Bild) wegen Beihilfe zu Misshandlung, Entführung und Ermordung ihres vierjährigen Sohnes zum Tode verurteilt. Die Frau beteuerte stets ihre Unschuld, auch deutsche Prominente wie Uschi Glas und Günther Jauch setzten sich für sie ein. Der Fall wird jetzt neu aufgerollt, weil der zuständige Ermittler des mehrfachen Meineids überführt wurde.

Debbie Milkes Mitbewohner James Styers sollte im Dezember 1989 mit dem kleinen Christopher Pizza essen gehen, fuhr aber stattdessen mit dem Buben in ein abgelegenes Gebiet in der Wüste Arizonas. Dort tötete der Mann den Vierjährigen eiskalt mit drei Kopfschüssen. Die Leiche des Buben wurde gefunden, Styers kam als Mordverdächtiger in Haft.

Ermittler belastete Milke vor Gericht
Im Prozess behauptete der leitende Ermittler, Sheriff Armando Saldate, dann, die damals 27-jährige Mutter habe die Tat in Auftrag gegeben. Styers wollte die Versicherung des Kinds abkassieren, so Saldate. Der Sheriff gab vor Gericht an, ein Freund von Styers hätte ihm erzählt, Debbie habe die Anstiftung ihm gegenüber gestanden. Es ging angeblich um eine Lebensversicherung in der Höhe von 5.000 Dollar.

Doch es gab kein Tonband, kein Protokoll, keine Zeugen für die Angaben des Polizisten. Die gebürtige Berlinerin (der Vater war G.I., die Mutter ist Deutsche), Styers und dessen Kumpel stritten die Behauptungen des Sheriffs, die Frau sei die Drahtzieherin des Kindermordes, vor Gericht vehement ab. Dennoch verurteilten die Geschworenen Milke 1991 zum Tod durch Giftspritze. Seither kämpften die Todeskandidatin und deutsche Prominente wie Uschi Glas, Günther Jauch und der ehemalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker dafür, dass man ihr glaubt, berichtete der "Berliner Kurier" am Freitag.

Erstmals Hoffnung nach 22 Jahren
"Ich habe weder jemanden angestiftet noch den Tod meines Sohnes herbeigesehnt. Ich bin unschuldig", beteuerte Milke laut deutschen Medienberichten in all den Jahren im Todestrakt. Nach 22 Jahren gibt es nun erstmals Hoffnung für die heute 49-Jährige. Weil sich herausstellte, dass Sheriff Saldate bei anderen Fällen mindestens viermal unter Eid gelogen und Geständnisse erpresst hatte, hob ein Berufungsgericht die verhängte Todesstrafe gegen die Frau am Donnerstag auf.

Der Oberste Richter des neunten Berufungsgerichtes, Alex Kozinski, stellte dazu fest: "Die Verfassung fordert einen gerechten Prozess. Das war bei Milke nicht der Fall." Kozinski sprach von einem "besorgniserregenden Fall". Nun muss die Staatsanwaltschaft die Akten erneut sichten, maximal 30 Tage hat sie dafür Zeit. Falls sie sich gegen eine neue Anklage entscheidet, kommt Milke frei.

Uschi Glas: "Kampf hat sich endlich gelohnt"
"Das Engagement, der Kampf, haben sich endlich gelohnt", freute sich Uschi Glas gegenüber dem "Berliner Kurier" über die Entscheidung des Obersten Richters. Die Schauspielerin steht seit Jahren in Kontakt mit Renate Janka, der Mutter von Debbie. Uschi Glas: "Als Renate mir sagte, dass es Hoffnung gibt, dass der Fall ihrer Tochter neu aufgerollt wird - da habe ich vor Freude einen Luftsprung gemacht."

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