Lange Gesichter in der steirischen ÖVP-Zentrale: Nach den ersten Hochrechnungen zur Nationalratswahl machten Spitzenkandidat Kurt Egger und die Landespolitiker keinen Hehl um ihren Gemütszustand.
Als kurz nach 17 Uhr die erste Hochrechnung zur Nationalratswahl über die Bildschirme der ÖVP-Zentrale am Grazer Karmeliterplatz flimmerte, hätten sich die TV-Teams ihre Kameras fast sparen können. Der Moment mutete wie ein Standbild an, kein Klatschen, kein Jubel, ja fast überhaupt keine Emotionsausbrüche bei den gut 200 Anwesenden. Nur als der KPÖ-Balken nicht einmal die Drei-Prozent-Marke überschritt, war so etwas Ähnliches wie (Schaden-)Freude zu vernehmen. Nach der historischen Graz-Schlappe sitzt der Stachel beim einen oder anderen wohl noch tief.
„Schmerzhafte Niederlage“
Doch die Volkspartei hat an diesem Wahlsonntag mit dem Lecken der eigenen Wunden ohnehin genug zu tun: „Wir müssen eine schmerzhafte Niederlage akzeptieren, daran gibt es auch nichts zu beschönigen“, sagt der steirische Spitzenkandidat Kurt Egger. „Für uns kommt dieses Ergebnis auch insofern überraschend, als wir zuletzt eine andere, positivere Stimmung wahrnehmen konnten. Jetzt gilt‘s diese Stimmung auch in Stimmen umzuwandeln.“
Klubobfrau Barbara Riener konnte man die Betroffenheit ansehen: „Es ist natürlich eine große Betroffenheit da. Ich möchte mich aber ausdrücklich bei all unseren Funktionärinnen und Funktionären für ihren Einsatz in den letzten Wochen bedanken. Es ist, wie es ist, der Wähler hat gesprochen.“ Landesrat Karlheinz Kornhäusl fasste sich kurz: „Es ist schmerzhaft, mehr gibt‘s nicht zu sagen und es gibt auch nichts zu beschönigen.“
Zweikampf bei Landtagswahl?
Landesparteigeschäftsführer Detlev Eisel-Eiselsberg war nach der Hochrechnung sichtlich überrascht. „Die Stimmung bei unseren Funktionären und Helfern war so positiv, wir haben nur positive Rückmeldungen bekommen. Insofern ist dieses Ergebnis natürlich enttäuschend.“
Für die Landtagswahl rechnen viele bei den Schwarzen nun damit, dass aus dem Dreikampf mit SPÖ-Chef Anton Lang und Mario Kunasek (FPÖ) ein Zweikampf mit den Freiheitlichen wird. „Ich nehme an, dass die Steirer wissen, wer und was zur Wahl steht. Das war eine Bundeswahl, in zwei Monaten haben wir eine Landeswahl, in die wir hochmotiviert und mit vollem Einsatz gehen und um jede Stimme kämpfen werden.“
Drexler war der große Abwesende
Der große Abwesende am späten Sonntagnachmittag war übrigens zunächst Landeshauptmann Christopher Drexler. Der steirische ÖVP-Chef verarbeitete die bittere Niederlage in seinem Büro gemeinsam mit seinem Team, stieß erst später zur Runde. „Wir haben heute eine ganz große Enttäuschung erlebt. Zweifelsohne war diese Nationalratswahl eine herbe Niederlage für die Volkspartei“, sprach auch Drexler nicht um den heißen Brei herum.
Auf die Frage, was dieses Ergebnis in Hinblick auf die Landtagswahl im November bedeutet, sagt der Landeshauptmann: „Die Steirerinnen und Steirer wissen sehr gut zwischen einer Nationalratswahl und einer Landtagswahl zu unterscheiden. Bei einer Landtagswahl geht es um andere Themen und es stehen andere Persönlichkeiten zur Wahl. Eines ist nach dem Ergebnis der Nationalratswahl aber klar: Wir sehen ein Duell zwischen ÖVP und FPÖ. Dieses Duell um die künftige Ausrichtung der Steiermark nehme ich mit ganzer Überzeugung an.“
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