08.03.2013 12:57 |

Online-Zwang

Serverprobleme bei "SimCity" sorgen für erboste Spieler

Seit Kurzem ist die Neuauflage des Städtebau-Klassikers "SimCity" auch in Europa verfügbar - und eigentlich sollte an dieser Stelle bereits der Test zu Maxis' neuem Aufbau-Epos stehen. Allerdings kämpft krone.at – ebenso wie alle anderen Spieler, die sich zum Start auf den EA-Servern einloggen wollten – mit massiven Verbindungsproblemen, die das Spiel bei Versuchen am Release-Abend nahezu unspielbar machten. Die Spielergemeinde ist erbost.

Weil Publisher EA das Spiel mit Online-Zwang vertreibt – es lässt sich nur mit aktiver Internetverbindung starten –, bringen die Serverprobleme Zehntausende Hobbybürgermeister um ihren Spielspaß. Beim Online-Händler Amazon häufen sich wegen der Schwierigkeiten bereits die Negativbewertungen, die US-Website hat sogar einen Warnhinweis zu "SimCity" auf der Produktseite platziert. Wenige Tage vor dem Europastart war das Spiel bereits in Nordamerika erschienen – mit exakt den gleichen Problemen, mit denen nun Spieler diesseits des Atlantiks kämpfen.

Spielstände gehen verloren, Serververbindungen sind instabil
Die Probleme, auf welche die Spieler treffen, seien vielfältig, berichtet unter anderem die Computerzeitschrift "PC World". Manche können das Spiel selbst nach einer halben Stunde Wartezeit nicht einmal starten, andere beklagen, dass Fortschritte nicht gespeichert werden, und wieder andere werden aus laufenden Partien geworfen, nur um im Anschluss 20 Minuten warten zu müssen, um das Spiel wieder betreten zu können.

Das Grundproblem: Publisher Electronic Arts lässt Spielern der Städtebau-Simulation nicht die Wahl, ob sie alleine oder gemeinsam mit anderen spielen möchten. Egal, ob man einfach nur alleine eine Stadt aus dem Boden stampfen möchte, oder gemeinsam mit Freunden online spielen will, das Spiel verlangt in jedem Fall den Log-in auf Servern von Electronic Arts. Die Entwickler begründen dies mit aufwendigen Berechnungen durch die Vernetzung der Spielerstadt mit Nachbarstädten, die von den Computern der Spieler nicht bewerkstelligt werden könnten und deshalb in die Cloud ausgelagert werden müssten. Tatsächlich handelt es sich beim Online-Zwang aber auch um einen wirkungsvollen Kopierschutz.

Probleme erinnern an Startschwierigkeiten von "Diablo 3"
Die Vorgehensweise von EA ist jener von Blizzard beim Start des Action-Rollenspiels "Diablo 3" (siehe Infobox) nicht unähnlich. Damals, im Mai letzten Jahres, konnten viele Spieler bei Veröffentlichung des Games nicht einmal alleine im Einzelspieler-Modus spielen, weil die Server überlastet waren. Und in beiden Fällen hat die Geschäftspolitik des Publishers Proteststürme unter den Spielern ausgelöst.

Entwickler deaktivieren "weniger wichtige Funktionen"
Für EA entwickelt sich "SimCity" immer mehr zum Fiasko. Wie das IT-Portal "Golem" berichtet, hat der Publisher mittlerweile Patches auf die Server aufgespielt, die einzelne Funktionen des Spiels deaktivieren. Was laut EA nur "weniger wichtige Funktionen" betrifft, umfasst die Abschaltung von Erfolgen und Regionenfiltern und der Geschwindigkeitsstufe "Gepard", welche das Spiel schneller ablaufen lässt, wodurch der Spieler nicht mühsam auf das Eintreffen von Steuereinnahmen oder die Fertigstellung von großen Bauprojekten warten muss. Gerade diese Geschwindigkeitsstufe würden viele Spieler vermutlich nicht – wie EA – als "weniger wichtige Funktion" bezeichnen.

EA verspricht weitere Server in den nächsten Tagen
Fast wie Hohn mutet da der Kommentar des "SimCity"-Produzenten Kip Katsarelis zu den Serverproblemen an: "Was wir gesehen haben war, dass die Spieler so viel Spaß hatten, dass sie das Spiel gar nicht mehr schließen wollten und die Server überlasteten, was es anderen Spielern schwer gemacht hat, einzusteigen." Electronic Arts hat inzwischen auf den Protest der Spieler reagiert. Man sei bemüht, die Situation unter Kontrolle zu bringen und werde in den nächsten Tagen weitere Server online gehen lassen, heißt es vonseiten des Publishers. Außerdem verspricht der Publisher, verärgerte "SimCity"-Käufer in den nächsten Wochen mit einem Gratis-Spiel im hauseigenen Online-Shop "Origin" zu entschädigen.

Der Spielergemeinde ist das ein schwacher Trost. Spieler, die das Spiel legal gekauft haben und eigentlich nur alleine spielen wollten, werden durch den Online-Zwang, den EA den Kunden aufs Auge drückt, daran gehindert, das in der Deluxe-Version 79 Euro teure Spiel zu spielen. Da nutzt es auch nichts, dass das Game zumindest in der Betaversion (siehe Infobox) einen recht guten Eindruck hinterlassen hat.

Amazon-Durchschnittswertung für "SimCity": 1,5 Sterne
Auf Amazon haben bereits Hunderte sich betrogen fühlender Spieler Bewertungen zu "SimCity" abgegeben. Durchschnittlich anderthalb von fünf Sternen erreicht das erste "SimCity" seit rund zehn Jahren dort. In einer Online-Petition fordern nun Tausende Spieler, dass EA einen Offline-Einzelspielermodus für "SimCity" per Patch nachreicht. Die Facebook-Seite des Publishers zieren die Postings erboster "SimCity"-Fans.

Wir hoffen, dass das Spiel in den nächsten Tagen einen Zustand erreicht, der einen Test erlaubt, und werden diesen so bald wie möglich nachreichen. Zwei Punkte Abzug sind schon jetzt fix. Einen für den kundenfeindlichen Online-Zwang und einen dafür, dass der Online-Zwang ein gegen bares Geld erworbenes Produkt für unzählige Spieler unbrauchbar macht.

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