09.03.2013 08:09 |

Staatsbegräbnis

Die "ganze Welt" nahm Abschied von Hugo Chavez

Der verstorbene venezolanische Präsident Hugo Chavez ist am Freitag mit einem Staatsakt in der Hauptstadt Caracas verabschiedet worden. Irans Präsident Mahmoud Ahmadinejad (Bild) und sein kubanischer Kollege Raul Castro sowie etwa 30 andere Staats- und Regierungschefs nahmen Abschied. "Es ist, als ob Hugo Chavez die ganze Welt zusammenbringt", sagte Venezuelas Außenminister Elias Jaua. Im Anschluss wurde Nicolas Maduro als Interimspräsident des lateinamerikanischen Landes vereidigt.

Die Trauerfeier begann mit dem Verlesen der Namen der angereisten Staatschefs. Dann legte der Nachfolger Chavez' die Kopie eines Schwertes des südamerikanischen Unabhängigkeitskämpfers Simon Bolivar auf dem Sarg ab und rief mit zitternder Stimme: "Kommandant, hier bist du unbesiegt, rein, lebst für alle Zeit."

Der Großteil des Vorplatzes der Militärakademie wurde von Soldaten aus Sicherheitsgründen abgesperrt, sodass die Öffentlichkeit keinen direkten Zugang zur Trauerfeier hatte. Die Schlange von Menschen, die darauf warteten, sich vor dem aufgebahrten Leichnam des Verstorbenen zu verbeugen, erstreckte sich über mehrere Kilometer.

Stehende Ovationen für Ahmadinejad
Unter den 32 Staats- und Regierungschefs waren im Westen umstrittene Verbündete Venezuelas wie Kubas Präsident Raul Castro oder Irans Staatschef Mahmoud Ahmadinejad. Ahmadinejad erhielt stehende Ovationen, als er beim Staatsbegräbnis seinen Platz in der Ehrenwache vor dem Sarg einnahm und seine Faust zu einem sozialistischen Gruß ballte.

Auch die USA schickten eine Delegation zu der Trauerfeier, obwohl Chavez die Regierung in Washington regelmäßig mit scharfen Verbalattacken provozierte. Zudem nahmen Ecuadors Präsident Rafael Correa teil sowie Brasiliens früherer Staatschef Luiz Inacio Lula da Silva und Weißrusslands umstrittener Präsident Alexander Lukaschenko (im Bild mit Ahmadinejad). Auch US-Bürgerrechtler Jesse Jackson Sr. sowie Hollywood-Star Sean Penn waren unter den Gästen. Bei der Trauerfeier erklangen diverse traditionelle Lieder.

Raul Castro: "Er war unbesiegbar"
Raul Castro verwies auf Chavez' vier Siege bei Präsidentenwahlen. "Er war unbesiegbar", sagte der Bruder von Fidel Castro. Anhänger der Opposition zeigten sich kritischer. "Er hat Venezuela mehr geschadet als irgendjemand anders", sagte ein 66-Jähriger. "Das Land ist in zwei Teile zerbrochen, jede Seite hasst die andere. Das war Chavez' Werk."

Leichnam seit Mittwoch aufgebahrt
Seit Mittwoch ist Chavez' Leichnam, bekleidet mit einer Militäruniform und einer roten Baskenmütze, in der Militärakademie von Caracas aufgebahrt. Etwa zwei Millionen Venezolaner haben ihrem Staatschef bereits die letzte Ehre erwiesen und sind an seinem offenen Sarg vorbeigeschritten. Nun bekommt die Bevölkerung weitere sieben Tage Zeit, um sich von ihrem "Comandante" zu verabschieden. Auch die Staatstrauer wurde um eine Woche verlängert.

Nach der Aufbahrung soll der Körper des langjährigen Staatschefs einbalsamiert werden, sagte Maduro - "so wie Ho Chi Minh, wie Lenin, wie Mao Tse-Tung". Der "Comandante" werde in der Montagne-Kaserne, die Chavez zu einem "Museum der bolivarischen Revolution" umbauen lassen hatte, seine vorerst letzte Ruhe finden. Wie lange Chavez' Leichnam im Museum bleiben soll, ist nicht klar.

Maduro als Interimspräsident vereidigt
Wenige Stunden nach dem Staatsbegräbnis wurde Maduro als Interimspräsident des lateinamerikanischen Landes vereidigt (siehe Video in der Infobox). Der frühere Busfahrer und Gewerkschafter legte vor Parlamentspräsident Diosdado Cabello den Amtseid ab. Er schwor "im Namen absoluter Loyalität zu Kommandant Hugo Chavez" die "Bolivarische Verfassung" Venezuelas zu verteidigen. Die von der Opposition boykottierte Zeremonie wurde im Fernsehen übertragen. Chavez' Schwiegersohn, Forschungsminister Jorge Arreaza, wurde neuer Vizepräsident.

Oppositionsführer Henrique Capriles bezeichnete die Interimspräsidentschaft Maduros als illegitim. "Niemand hat Nicolas gewählt", sagte Capriles vor Anhängern in Caracas. Die Entscheidung des obersten Gerichts, dass Maduro bis zur Wahl als Übergangspräsident eingesetzt werden soll, sei "Missbrauch". Das Gericht hatte zuvor ein entsprechendes Urteil gefällt.

Laut Verfassung muss Maduro binnen 30 Tagen Neuwahlen ansetzen. Zuletzt hatte es aus Regierungskreisen jedoch geheißen, die Frist könne aus organisatorischen Gründen unter Umständen nicht eingehalten werden.

Wann und wo starb der "Comandante"?
Am Rande der neuen Entwicklungen in Venezuela gehen auch die Spekulationen über den Tod von Chavez weiter. Es wird immer lauter gemunkelt, ob er tatsächlich erst am Dienstagnachmittag in Caracas seiner Krebserkrankung erlegen ist, wie die offizielle Darstellung lautet. Der "Comandante" sei in Wirklichkeit auf Kuba verstorben, schreibt etwa die konservative spanische Tageszeitung "ABC".

Zwar sei Chavez nach seiner Krebsoperation auf Kuba tatsächlich vorübergehend nach Venezuela zurückgekehrt, sein Zustand habe sich jedoch zunehmend verschlechtert und die Ärzte hätten einen schnell wachsenden Tumor in seiner Lunge entdeckt. Da in Venezuela die notwendigen medizinischen Geräte fehlten, sei Chavez heimlich wieder in die kubanische Hauptstadt Havanna überstellt worden. Dort sei er am Dienstag um 7 Uhr verstorben, berichtete "ABC"-Washington-Korrespondent Emili Blasco unter Berufung auf medizinische Quellen in Kuba.

Die offizielle Todesmeldung folgte freilich erst Stunden später: "Unser Comandante President Hugo Chavez Frias ist heute um 16.25 Uhr (21.55 Uhr MEZ, Anm.) gestorben", erklärte Maduro am Dienstagabend in Caracas. Wie "ABC" weiter berichtet, sei der Leichnam des 58-Jährigen in der Zwischenzeit von Havanna zum venezolanischen Militärflughafen von La Carlota geflogen und von dort direkt zur Militärakademie Fuerte Tiuna gebracht worden. Die Zeitung beruft sich dabei auf militärische Quellen.

Zeitung: Sarg war leer
Jener Sarg, den Tausende Anhänger sieben Stunden lang vom Militärspital, in dem Chavez offiziell gestorben ist, durch die Straßen der Hauptstadt nach Fuerte Tiuna trugen, sei bis auf ein paar Gewichte leer gewesen. In der Militärakademie sei er in einem unbeaufsichtigten Moment, als auch die Kameras des Staatsfernsehens abschwenkten, gegen jenen mit dem Leichnam Chavez' ausgetauscht worden.

Die konservative Zeitung hatte in den vergangenen Wochen immer wieder angebliche Lügen der Regierung über den Gesundheitszustand des Präsidenten angeprangert. Am Donnerstag veröffentlichte sie unter dem Titel "Ein von Lügen umgebener Tod" die schwerwiegendsten.

Foto vom Krankenbett gefälscht?
So sei jenes Foto, das Chavez mit seinen beiden Töchtern am Krankenbett zeigt (Bild 2), gefälscht. Es stamme von einer früheren Operation des Präsidenten, die im Bild zu sehende Ausgabe der kubanischen Parteizeitung "Granma" sei nachträglich hineinretuschiert worden. Beweis sei die Nase einer der jungen Frauen, die mittlerweile kosmetisch operiert worden sei und anders aussehe.

Auch dass Chavez' letzte Lebenszeichen im Kurznachrichtendienst Twitter tatsächlich von ihm stammen, glaubt "ABC" nicht. Der Stil der Nachrichten würde vielmehr an Wissenschaftsminister Jorge Arreaza erinnern. Zudem sei es angesichts der sonst recht zahlreichen Beiträge Chavez' verwunderlich, dass dieser am 18. Februar lediglich drei Tweets verfasst und danach nie wieder das Wort ergriffen habe.

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