Wenn das nun keine Wuchtel ist! Ein Wort – drei Bedeutungen. Und gemeint ist jetzt nicht die Marmelade-gefüllte Germteig-Mehlspeise, auch nicht der Fußball. Sondern die „Wuchtel“ im Sinne von gelungenem Gag, von einem Scherz, der wirklich zündet. Wem das gelungen ist? Einer Deutschen, die mit diesem Wort allerhöchstwahrscheinlich nichts am Hut hat. Einer aus dem Norden stammenden wichtigen Politikerin, die bisher nicht gerade als Spaßkanone aufgefallen ist. Jetzt aber hat sie so eine Wuchtel abgefeuert – und die ist mitten in Wien gelandet. Denn Ursula von der Leyen, die EU-Kommissionspräsidentin, hat, wie von der Bundesregierung und dem Bundeskanzler gewünscht, den von Österreich für die neue Kommission nominierten Noch-Finanzminister Magnus Brunner nicht mit einem Orchideenressort abgespeist, sondern betraut den Vorarlberger tatsächlich mit einem eminent wichtigen Amt. Allerdings, wie Sie vielleicht schon gehört haben werden, nicht mit einem Ressort aus den Bereichen Finanzen/Wirtschaft/Wettbewerb/Energie, in denen Brunner als Fachmann gilt. Sondern ausgerechnet mit einem Bereich, für den Brunner bisher so gar kein Interesse zeigte: Migration und Asyl. Dass da europäisch nichts weitergeht – genau das wirft die ÖVP Brüssel immer wieder vor. Jetzt muss dort ihr eigener Mann nach dem Rechten schauen! Na, wenn das keine Wuchtel ist…
Brüsseler Hölle. „Die Entscheidung der EU-Präsidentin, Magnus Brunner zum Migrationskommissar zu machen, ist die größtmögliche Gemeinheit seit dem EU-Beitritt vor bald 30 Jahren“, kommentiert denn auch Claus Pándi heute in der „Krone“. Bundeskanzler Nehammer habe, meint er, „Ursula von der Leyen und ihren subtil bösartigen Humor völlig unterschätzt“. Nehammer versuche nun „die missliche Lage, in die er sich, Österreich und Brunner gebracht hat, mit vielen pathetischen Worten zu beschönigen“. Aber da nütze kein Herumreden. Die Sachlage sei klar: Von der Leyen wollte, dass Österreich eine Frau, vermutlich Karoline Edtstadler, für die EU-Kommission nominiert. Diesen Wunsch habe der Kanzler „in flagranter Selbstüberschätzung ignoriert und bekommt jetzt dafür die Rechnung präsentiert“. Und so habe „der nette Herr Brunner nun statt seines Traumjobs eine unmögliche Mission“ – nämlich, wie es Pándi formuliert, in der „Hölle Brüssels“. Kanzlerkandidat, als der Brunner zeitweise gehandelt wurde, wäre er dann wohl kaum noch. Doch dieser Hölle glimpflich zu entrinnen – auch das wäre dem geschmeidigen Vorarlberger zuzutrauen.
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