Immer mehr Menschen leiden unter Herzschwäche. Betroffene müssen aber nicht mehr ständig ins Krankenhaus: Stattdessen reicht es, sich jeden Tag selbst zu wiegen, Blutdruck zu messen und die Daten via Smartphone zu schicken. Das funktioniert auch bei Älteren, wie ein Obersteirer schildert.
Herbert Drexler aus Stanz im Mürztal hatte Anfang Jänner plötzlich Atembeschwerden und Wasser in der Lunge. Zwei Wochen lang musste der 77-Jährige zur Behandlung am LKH Bruck an der Mur bleiben. „Dort haben sie mich dann gefragt, ob ich beim Herzmobil mitmachen will.“
Herzmobil heißt ein Versorgungsprogramm der steirischen Kages-Spitäler, es geht dabei um telemedizinische Unterstützung für Patienten mit Herzinsuffizienz. Das Ziel: Die Patienten sollen sich zu Hause stabilisieren, gleichzeitig will man bei Komplikationen schnell reagieren können, bevor eine Atemnot oder ähnliches auftritt. 2019 hat das Projekt begonnen, seitdem steigen die Teilnehmerzahlen stetig, zuletzt auf 444 abgeschlossene Patienten im Vorjahr.
Werte immer im Blick
Wie funktioniert Herzmobil? Eine diplomierte und speziell ausgebildete Pflegekraft besucht die Patienten und schult sie ein. Benötigt werden ein Smartphone mit einer eigens installierten App, eine Waage, ein Blutdruckmessgerät, die Medikamente. „Jeden Tag in der Früh hab ich die Gewichtskontrolle und den Blutdruck eingegeben“, erzählt Patient Drexler. Außerdem musste er jeden Tag die Einnahme der Medikamente bestätigen. „Sie haben mich immer im Auge gehabt.“
Wenn es eine Veränderung beim Gewicht – meist durch Wassereinlagerungen – oder beim Blutdruck gibt, reagiert das Team von Herzmobil, erklärt Primarius Stefan Pötz vom LKH Weiz: „Ist das der Schweinsbraten von gestern oder sind das Wassereinlagerungen?“ Falls notwendig, passt der sogenannte Netzwerkarzt dann die Medikamente an. Dieser untersucht den Patienten auch einmal pro Monat. Nur bei Bedarf muss der Patient ins Spital.
Bedarf wird immer größer
Viele Patienten mit Herzinsuffizienz haben zuerst einen Herzinfarkt, hohen Blutdruck oder Herz-Rhythmusstörungen. Pötz: „Am vulnerabelsten sind die ersten Monate nach der Entlassung. Ein Viertel der Patienten muss gleich wieder ins Spital. Das wollen wir vermeiden, indem wir sie drei Monate lang stabilisieren.“ Bei Bedarf kann man auf sechs Monate ausweiten. Mit Smartphone und der „digitalen“ Behandlung haben die meisten, auch älteren Patienten heutzutage kein Problem mehr.
Der Bedarf wird jedenfalls immer größer, sagt Pötz. „Chronische Erkrankungen sind am Vormarsch. Jeder Zehnte ab dem 70. Lebensjahr entwickelt eine Herzschwäche – das entwickelt sich zu einer Volkskrankheit. Wir wollen mit Herzmobil auch die Stationen entlasten.“
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