Bankomat-Karte statt Bargeld, Online-Banking statt Kundenbetreuer: viele Kunden erledigen ihre Bankgeschäfte mittlerweile online. Zunehmend wirkt sich das digitale Zeitalter auch im Burgenland auf das Filialnetz aus. Raiffeisen schließt mit Ende August vier Filialen im Südburgenland
Im Südburgenland droht jetzt eine neue Banken-Schließungswelle. Die Raiffeisenbezirksbank Oberwart ist mit über 41.000 Kunden und zehn Bankstellen das größte Geldinstitut im Südburgenland. Erst im Juni wurde der Umbau der Stammfiliale am Standort Oberwart abgeschlossen. Mehr als 3 Millionen Euro wurden investiert, die Bankstelle auf 3000 Quadratmeter Nutzfläche erweitert. Nicht ganz ohne Vorbehalt, wie jetzt vor allem Bankkunden Kritik an den aktuellen Einsparplänen üben.
Vier Banken werden mit 23. August geschlossen
Mit 23. August schließt Raiffeisen nämlich die Filialen Bernstein, Stadtschlaining, Unterwart und Kohfidisch. Seit 2017 wurde das Bankstellennetz von Raiffeisen im Bezirk Oberwart um 13 Filialen verkleinert. „Die Regulatoren und Auflagen durch gesetzliche Vorschriften nehmen stetig zu und sind in den kleinen Bankstellen äußerst schwer umzusetzen. Zudem sind die hohen Ausbildungsstandards, die durch das Gesetz vorgegeben werden, nur mit großem Zeitaufwand und hohen Kosten umsetzbar, was die Wirtschaftlichkeit von Kleinstbanken infrage stellt“, heißt es von Karl Kornhofer, Vorstandsdirektor der Raiffeisenbezirksbank Oberwart.
Auch, wenn Banken zusammengelegt werden, sind Mitarbeiter nicht von Kündigungen betroffen.
Karl Kornhofer, Vorstandsdirektor der Raiffeisenbezirksbank Oberwart
Die Kritik an der Schließung könne man nachvollziehen. Trotz der neuen Situation für Kunden der betroffenen Bankstellen wolle man den Wechsel in andere Filialen einfach gestalten. „Die Mitarbeiter werden in benachbarten Bankstellen eingesetzt und stehen ihren Kunden auch weiterhin als Betreuer zur Verfügung“, erklärt Kornhofer. Zudem biete man Kunden, die nicht mobil sind, einmal monatlich einen kostenlosen Shuttle-Dienst an, der sie in die nächste Bankstelle und wieder nach Hause bringt.
Bankomaten bleiben trotz Filialschließung erhalten
Wichtig für die Kunden sei vor allem, dass die Bargeldversorgung durch die bestehenden Bankomaten für die nächsten fünf Jahre gesichert sei, so der Bankchef.
Bürgermeister üben trotz Verständnis Kritik
Kritisch wird das Bankensterben von den betroffenen Bürgermeistern beurteilt. Man sei machtlos, lautet der einhellige Tenor. „Auch Argumente, dass eine Bank ein wichtiger Nahversorger ist und zum gesellschaftlichen Leben beiträgt, zählen leider nicht“, kritisiert Kohfidischs Bürgermeister Norbert Suljok. Der Meinung ist auch Unterwarts Ortschef Hannes Nemeth, der von einem weiteren Tiefschlag in seiner Gemeinde spricht. „Nach der Kika-Schließung, der Abwanderung von Hervis, jetzt auch noch die Bank. Für uns als Gemeinde bedeutet das weniger Erträge, für die Bevölkerung wieder weniger Service“, so der Ortschef.
Protest einzulegen habe keinen Sinn, sagt Bernsteins Ortschefin Renate Habetler, denn die Zentralisierung sei nicht aufzuhalten.
Auch Unterschriftenaktionen haben nichts gebracht
Tausende Unterschriften hat man heuer auch schon in Stegersbach gesammelt, wo man sich gegen die Schließung der Erste Bank Filiale aufbäumen wollte – allerdings ohne Erfolg. Die Bankstelle wurde Ende Mai geschlossen.
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