Deutscher Trauertag. In der letzten Minute schießen die Deutschen ja doch immer das entscheidende Tor – das galt jahrzehntelang beinahe als Fußballgesetz. Doch bei den letzten Großereignissen, bei den Weltmeisterschaften und der Europameisterschaft 2020 kamen unsere erfolgsverwöhnten Nachbarn nicht weit. Bei der Heim-EM heuer träumte man aber von einem Fußball-Sommermärchen, einer Wiederauferstehung wie bei der Heim-WM 2006. Schon im Gruppenspiel gegen die Schweiz trat die Regel wieder in Kraft: Ausgleich gegen die Schweiz in der Nachspielzeit. Gestern im Viertelfinale gegen Spanien: Das Aus der Deutschen schien nahe – bis sie in der 89. Minute doch noch den Ausgleich erzielten, das Spiel in die Verlängerung ging. Wo das Elfmeterschießen immer näher rückte. Bis eine Minute vor Schluss… Bis in der letzten regulären Minute der Nachspielzeit, nein, nicht die Deutschen, sondern die Spanier das Siegtor schießen! Da fließen die Tränen, der ARD-Kommentator bringt es auf den Punkt: „Ein unglaubliches Drama! Entsetzen! Enttäuschung!“ Aus bei der Heim-EURO im Viertelfinale: Da fließen in Deutschland Sturzbäche an Tränen. Ein nationaler deutscher Trauertag.
Österreichischer Trauertag. Mit Trauertagen sind wir den Deutschen ein wenig voraus. Für die Fußballfans, nein, für fast alle Österreicher war er ein Trauertag, der vergangene Dienstag: Noch nie schien der Traum, unser Fußballteam könnte erstmals zumindest das Viertelfinale einer Europameisterschaft, wenn nicht sogar noch viel mehr erreichen, erfüllbarer. Nach einem heroischen Sieg gegen die Niederlande im letzten Gruppenspiel hätte man nur noch die Türkei zu bezwingen gehabt. Und die hatte unser Nationalteam in einem Freundschaftsspiel im Frühjahr doch 6:1 geschlagen. Das österreichische Sommermärchen in vermeintlich greifbarer Nähe. Und dann platzte der Traum in Leipzig – das Rangnick-Team verlor gegen die Türkei. Und so wird dieser Samstag zum zweiten Trauertag: Denn nicht die österreichischen Fans erobern heute Berlin, wo im Olympiastadion „unser“ Viertelfinale über die Bühne geht, sondern die lautstarken, enthusiastischen, oft unfairen Anhänger der Türkei. Das sind, nebenbei bemerkt, sehr oft deutsche oder auch österreichische Staatsbürger, nicht selten sogar in zumindest zweiter Generation. Wen wundert es, wenn das manche befremdlich finden.
Kommen Sie gut durch den Samstag!
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