Mi, 19. September 2018

Aus die Maus

07.12.2012 15:24

Wutschnauben über den Horrorhasen: "Micky Epic 2"

Schon "Disney Micky Epic", damals noch exklusiv für die Wii, war nicht fehlerfrei, besonders die Kamera machte Probleme. Doch wer hätte gedacht, dass der Nachfolger mit dem Untertitel "Die Macht der 2" für viel mehr Frust und Ärger sorgen würde? Schuld daran sind vor allem der KI-gesteuerte Begleiter Oswald und die vermurkste Steuerung, die den Spieler des Öfteren an den Rand des Wahnsinns treiben. Da versöhnen auch das tolle Design, die witzigen Charaktere und die seltenen, aber gelungenen Musicaleinlagen nicht.

Wir hatten es ja schon befürchtet und Entwicklerlegende Warren Spector, den Macher von "Disney Micky Epic - Die Macht der 2", daher im März gefragt, ob er nicht Angst habe, dass Mickys KI-gesteuerter Begleiter Oswald zum Problem werden könnte. Tatsächlich sei er anfangs kritisch gewesen, so Spector damals, doch das Team habe ihn überzeugt, Oswald so ins Spiel einzubauen (siehe Infobox). Einer von vielen schweren Fehlern, wie sich nun im Test herausgestellt hat.

Fantasievolles Design, gelungene Charaktere
Dabei hat das Spiel durchaus auch sehr positive Seiten. Natürlich einerseits den Disney-Bonus: Der Spieler trifft auf bekannte bis vergessene Figuren aus dem Zeichentrick-Universum, das Design ist überaus fantasievoll und stimmig, die Sprecher sind hervorragend und die Musik ist abwechslungsreich und toll gelungen. Allerdings handelt es sich nicht wie versprochen um ein spielerisches Musical, die Gesangseinlagen sind dafür viel zu selten - schade, denn sie sind ebenso eingängig wie witzig. Generell geht die Geschichte - in liebevoll gemachten Zwischensequenzen erzählter guter Durchschnitt - um die Reparatur von Wasteland und den angeblich geläuterten Mad Doctor im Spielverlauf unter.

Viele versteckte Items und Nebenquests
Positiv ist aber auch, dass die Levelabschnitte vollgepackt sind mit sammelbaren Gegenständen, die kleine Boni verleihen, was zum Erkunden animieren soll. Auffindbar sind die Items nicht nur durch Sprungeinlagen, sondern auch den gekonnten Einsatz von Mickys Pinsel, mit dem man malen oder aber Teile der Spielwelt löschen kann, sodass etwa Geheimgänge zum Vorschein kommen. So belohnt das Spiel den Gamer durchgehend dafür, den - allerdings etwas unpräzisen - Pinsel einzusetzen und zwischen Einfärben und Löschen herumzuprobieren. Auch dass relativ viele Nebenquests zur Auswahl stehen, die sich in diverse Unteraufgaben gliedern, ist dem Spiel zugutezuhalten.

Missglückte Sprünge - immer und immer wieder
Doch damit sind die Pluspunkte auch schon abgehakt. Denn viele positive Aspekte vermiest das Game dem Spieler. Zum Beispiel das Erkunden, denn dafür ist - das Genre Jump & Run sagt es bereits - eine gelungene Steuerung nötig. In "Micky Epic 2" hingegen ist die Kollisionsabfrage katastrophal - Micky hält sich nicht an Kanten fest, obwohl er es sollte, er springt - obwohl korrekt angesteuert - nicht auf Plattformen und rutscht sogar von Gegenständen ab, wenn er sie bereits erreicht hat. Dazu kommt, dass der Spieler durch Fallschaden für missglückte Sprünge bestraft wird - flutscht Micky also wieder einmal ohne jegliche Schuld des Spielers von einem riesigen Vogelschnabel, werden ihm dafür Lebenspunkte abgezogen. Ein frustrierendes System.

Horrorhase Oswald übt Sabotage
Als wäre das noch nicht schlimm genug, tut auch noch Oswald alles, um den Spieler in den Wahnsinn zu treiben. Etwa, indem er Micky des Öfteren von Plattformen stößt oder an Sprüngen hindert. Zudem bleibt Oswald gerne mal in der Umgebung hängen - dann heißt es geduldig warten, bis das Spiel ihn befreit. Denn auf den Ruf, mit dem Micky ihn zu sich befiehlt, hört der Hase nicht immer. Dabei muss er mit seiner Fernbedienung oft Schalter aktivieren, Türen oder Kisten öffnen. Das gestaltet sich aber auch deshalb schwierig, weil Oswald in vielen Fällen lieber rund um das Objekt läuft, statt damit zu interagieren.

Ratlosigkeit und einsame Kämpfe
Oftmals passiert aber auch gar nichts, weil zuerst eine andere Aufgabe erledigt werden muss - was einem das Spiel allerdings nicht mitteilt. Der Gamer steht so minutenlang ratlos in der Gegend und wartet, dass Oswald seine Dienste tut, doch der weigert sich standhaft. Auch in den - zum Glück seltenen - Kämpfen hält sich der Hase meist lieber nobel zurück, anstatt wie vorgesehen mit der Fernbedienung Gegner zu betäuben. So muss der Spieler mit den Feinden, die im Spielverlauf knackige Schwierigkeitsstufen erreichen, allein klarkommen.

Furchtbares Schnellreisesystem
Zudem respawnen Gegner, wenn der Spieler in einen Levelabschnitt zurückkehrt - und das tut er unfreiwilligerweise sehr, sehr oft. Daran ist das missglückte Schnellreisesystem schuld, das eigentlich nicht als solches zu bezeichnen ist. Um in einen anderen Level zu reisen, muss erst ein 2D-Abschnitt durchquert werden, der aufgrund der schlechten Kollisionsabfrage ebenfalls wenig Freude bereitet. Dazu kommt, dass man sich von einem Schnellreisepunkt aus nicht überall hin bewegen kann. Um Punkt D zu erreichen, muss man erst den richtigen Ausgang in Stadt A finden, um in Stadt B zu reisen, dort wiederum quer durch den Ort laufen und Tür C suchen, die zu Punkt D führt. Da der Spieler sich die genauen Verbindungen unmöglich merken kann, irrt er viel zu oft und viel zu lange völlig planlos durch die Levels.

Questlog und Karte sind keine Hilfe
Das wirkt sich auch auf die Motivation bei der Erledigung der Nebenmissionen aus: Je mehr die Suchorgien ausarten, desto mehr sinkt das Verlangen, diese zu bewältigen. Schuld sind daran auch die schlechte In-Game-Karte und das umständliche Questlog. Zwar ist hier - mit viel Herumsuchen - zu finden, wohin man soll, allerdings wird nur der Ort angegeben, nicht aber der genaue Weg dorthin.

Verwirrende Brunnen
Noch mehr Verwirrung stiften die gelegentlichen Rätseleinlagen. Dann nämlich, wenn Micky in Brunnen hüpfen muss, die die Maus entweder unsichtbar machen oder mit Gold überziehen, sodass er unbeschadet durch Lösungsmittel gehen kann. Um zwischen diesen Stadien hin- und herzuschalten gilt es nämlich, Blumen oder Gras in der Umgebung anzumalen oder wegzulöschen. Aber auch hier gibt das Spiel überhaupt keine Hilfeleistung, während Oswald Sabotage übt: Viele dieser Rätsel sind zeitkritisch, ihre Lösung weiß der immer wieder in den Weg hüpfende Hase des Öfteren zu verhindern.

Koop-Modus als letzte Rettung
Die einzige Möglichkeit, den Horror-Hasen sinnvoll einzusetzen, ist das Spiel im Koop-Modus mit Splitscreen zu betreiben. So übernimmt ein Freund die Steuerung Oswalds, was allerdings nicht übermäßig viel Spaß bereitet, da Oswald lediglich an bestimmten Punkten seine Fernbedienung  einsetzen und bei Kämpfen helfen kann. Die Umgebung zu verändern, um die überall versteckten Secrets zu finden, kann er mangels magischem Pinsel jedoch nicht. Zudem herrscht im Splitscreen zu wenig Übersicht für die verschachtelte Levelarchitektur, was beide Spieler ausbremst.

Fazit: "Disney Micky Epic - Die Macht der 2" scheitert auf vielen Ebenen. Steuerung und Kollisionsabfrage sind für ein Jump & Run vollkommen ungeeignet. KI-Begleiter Oswald ist oft untätig oder betreibt sogar echte Sabotage - und das immer und immer wieder. Karte und Questlog sind umständlich und wenig nützlich. Die viel zu langen Laufwege und das furchtbare Schnellreisesystem nerven. Allzu oft ist unklar, was zu tun ist und wohin man eigentlich soll. Schade, denn das wunderbare, fantasievolle Design, die tollen Sprecher und witzigen Figuren, die süßen Zwischensequenzen und die allzu seltenen Musicaleinlagen besitzen eine Menge Hitpotenzial.

Plattform: PlayStation 3 (getestet), Xbox 360, Wii
Publisher: Ubisoft
krone.at-Wertung: 6/10

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