So ein armer Bub!

Wie Bus-Chauffeure ein Trauma auslösen können

Burgenland
21.06.2024 06:00

Ein Volksschüler aus dem Bezirk Oberpullendorf wird sich wohl sein Leben lang nicht mehr für öffentliche Transportmittel erwärmen können. Er wurde mitten auf der Freilandstraße ausgesetzt und mehrfach von den Fahrern ignoriert.

Wenn der zehnjährige Bub aus Steinberg einmal groß ist, wird er eher Pilot, Arzt oder Friseur werden wollen als Bus-Chauffeur. Denn letztere Berufssparte arbeitet gerade mit Vollgas an einem Trauma, das sich wohl nie wieder auswachsen wird.

Angefangen hat’s, als der Knirps 7 war. Er hatte es auf der Heimfahrt von seiner Volksschule in Dörfl verabsäumt, den Halteknopf zu drücken. Also wurde er beim Fahrer vorstellig und ersuchte ihn, stehen zu bleiben. Der ignorierte die Bitte und durchfuhr auch die nächste Station. Der Bub ließ nicht locker, der Bus schliff sich ein, die Tür ging auf: Mitten auf einer Freilandstraße.

Hilflos im Nirgendwo
Und da stand er nun, eine halbe Stunde lang. Der Vater, der seinen Sohn von der Haltestelle abholen hätte wollen, wurde verständlicherweise unrund und machte sich auf die Suche. Gottlob blieb ein Passant stehen und brachte das Kind heim. „Nicht in fremde Autos steigen“ muss der Kleine also auch noch lernen ...

„Du bleibst stehen!“
Drei Jahre später. Der Volksschüler hat während der Nachmittagsbetreuung mit seinen Freunden gespielt. Weil’s lustig war, wälzte man sich im Schlamm. „Der erste Busfahrer hat ihn nicht mitgenommen, weil seine Hose gatschig war“, sagt Mutter Sonja. Der nächste hatte Erbarmen. „Aber du setzt dich ja nicht nieder! Du bleibst stehen! Ist das klar?“

Am Dienstag platzte den Eltern endgültig der Kragen. Wie jeden Tag, begleitete Sonja ihr Kind zur Hauptstraße. Man verabschiedete sich, die Mutter ging heim, um sich für die Fahrt in die Arbeit fertig zu machen. Als sie 25 Minuten später mit dem Auto zur Busstation kam, winkte ihr der Sohn zu.

Auf der Fahrbahn ignoriert
Neben ihm standen sieben Kinder und ein erzürnter Erziehungsberechtigter. „Ein Bus ist einfach durchgefahren, obwohl er fast leer war“, sagt der Mann, der sich, als der nächste anrollte, wachelnd auf die Fahrbahn stellte. Er wurde elegant umkurft. Also packten Sonja und der andere Vater die Kids in die Autos und transportierten sie zur Schule. „Mich ärgert vor allem, mit welcher Ignoranz mit Fahrgästen umgegangen wird, sind sie auch noch so klein“, sagt die Mama. „Schließlich werden die Fahrkarten ja bezahlt. Mein Sohn hat eine richtige Abneigung entwickelt, wenn er einen Autobus auch nur sieht!“

Wenig Hoffnung
Vom zuständigen Transport-Unternehmen ist lapidar zu vernehmen: „Wir werden Ihr Anliegen weiterleiten. Aber machen Sie sich nicht zu viel Hoffnung.“

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