Rafting unmöglich?

Gäste im Mölltal in Sorge: Kraftwerk ist Todesstoß

Kärnten
21.06.2024 10:00

Die Kelag muss die Schwall-Sunk-Problematik lösen und dafür ein neues Kraftwerk errichten. Der Wasserschwall aus den Kraftwerken Außerfragant und Gößnitz wird nicht mehr in die Möll, sondern durch einen Stollen zum geplanten Kraftwerk Kolbnitz geleitet. Das wäre das Aus für den Wildwassersport.

„Das kann doch nicht ernst gemeint sein, dass man in sieben Jahren gerade noch ein Zehntel, also etwa drei Kubikmeter der üblichen sommerlichen Wassermenge von mehr als 30 Kubikmeter durchfließen lässt und den Rest zur Energiegewinnung ableitet!“, zeigt sich das Ehepaar Steindl entsetzt.

Evelyn und Wolfgang Steindl sind seit 1990 Stammgäste auf dem  Campingplatz der Familie Pristavec in Obervellach. Mehrere Wochen genießen sie im Sommer im Mölltal. Der Grund dafür: Sie lieben das Wildwasserrafting, das Kajakfahren in der Möll. „Deshalb haben wir dieses Urlaubsziel entdeckt und deshalb kommen wir seit 1990 hierher. Aber das geplante Kraftwerk wäre das Ende vom Kajak- und Wildwasserrafting zwischen Gößnitzsee und Rottau! Dabei sind Kajakfahren und Rafting die touristischen Zugpferde im Mölltal, das Wandern und Radfahren ist Beiwerk“, sind sich die Niederösterreicher sicher. „Ich war selbst Gemeindevorstand in einer Abwanderungs- und Abgangsgemeinde. Ich weiß, wie schwierig Infrastruktur zu erhalten ist und was es für eine Katastrophe ist, wenn wieder etwas wegbricht!“

Zitat Icon

Die Verwirklichung dieses Projektes würde dem Tourismus im Mölltal endgültig den Todesstoß versetzen. Vor Jahren wurde ja schon die Reißeckbahn geschlossen, die Ankogelbahn und die Bergbahnen Heiligenblut wackeln gewaltig.

Das Ehepaar Steindl, wegen des Wildwassers Stammgäste im Mölltal

Wie es zur umstrittenen Planung gekommen war
Zwei Jahre haben Fachleute der Kelag Varianten geprüft, um die raschen Veränderungen im Wasserstand der Möll zu verringern, die vom Betrieb der Kraftwerke Außerfragant und Gößnitz verursacht werden. Denn um den schwankenden Strombedarf zu decken, starten und stoppen die Maschinen mehrmals am Tag. Es kommt zur sogenannten Schwall-Sunk-Problematik. Diese muss aber nach der EU-Wasserrichtlinie gelöst werden, um den ökologischen Zustand des Flusses zu verbessern.

„Die Begründung, Schwall-Sunk sei für die Natur schlecht, klingt angesichts der vorgesehen Restwassermenge fast lächerlich. Das bisschen übrigbleibende Wasser wird nicht helfen. Die Möll wird zum Rinnsaal verkommen!“, so die Stammgäste, die zudem befürchten, dass bei Hochwasser der Schlamm alles, was noch lebt, wegschwemmen könnte.

„Und wofür das Ganze? Damit sich die Energiewirtschaft das grüne Mäntelchen umhängen kann“, kritisiert das Ehepaar die Kraftwerkspläne.

Und sie sind bei weitem nicht die einzigen Kritiker des 200 Millionen Euro-Projektes: Die Mölltaler Bürgermeister verlangen, dass das Erscheinungsbild des Flusses gleich bleibt.

Loading...
00:00 / 00:00
play_arrow
close
expand_more
Loading...
replay_10
skip_previous
play_arrow
skip_next
forward_10
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.



Kostenlose Spiele